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Wie Erziehung im Kontext unterschiedlicher Kulturen gelingt

5. Februar 2018

Rund 200 Besucher bei Fachtag im Landratsamt – Workshops und Info-Walk

Wertungen und Klischeevorstellungen, Sprachbarrieren und unterschiedliche Lebensweisen – bei der Frage „Wie gelingt Erziehung im Kontext unterschiedlicher Kulturen?“ tauchen einige Stolpersteine auf. Doch es gibt auch Lösungsansätze. Das wurde den rund 200 Zuhörern beim gleichnamigen Fachtag im Landratsamt Landsberg klar.

Kultur – das sind Werte, Normen, Verhaltensweisen und Vorstellungen darüber, wie man mit Menschen und Dingen umgeht, erläuterte die Sprachwissenschaftlerin Dr. Christiane Hofbauer in ihrem Impulsreferat. Gerade bei den Werten aber gebe es „größere Unterschiede innerhalb als zwischen den Ländern“, so Hofbauer. Sie hingen vor allem mit der Lebenssituation und dem Einkommen zusammen. Die größten Unterschiede ergeben sich laut Hofbauer aus der Skala Individualismus – Kollektivismus. Auf der einen Seite stehen Kinder, die man nach ihren Wünschen fragt, denen viel erklärt wird, die Konflikte offen austragen, denen Privatsphäre wichtig ist und bei denen vor allem die Kognition und die Bindung an eine Person gefördert wird.

Fördern und Fordern

Auf der anderen Seite stehen Jungen und Mädchen, die schon früh Verantwortung und Aufgaben übernehmen, am Modell lernen, Konflikte vermeiden, viel Nähe benötigen, vor allem motorisch gefördert werden und eine Bindung zu mehreren Personen eingehen. Was uns seltsam anmutet, mag in einer anderen Kultur zur ganz normalen Erziehung gehören und umgekehrt, mahnte Hofbauer zum möglichst wertfreien Umgang mit anderen Verhaltensweisen. Ein weiteres Problem sei die vorschnelle Interpretation kindlichen Verhaltens aufgrund kultureller Unterschiede. Hier gelte es, genau hinzusehen, ob ein Verhalten wirklich in der Kultur oder aber einfach in der Persönlichkeit des Kindes oder einfach nur in der Situation begründet ist.

Vermittlung zwischen Sprache und Kultur

Um hier Klarheit zu schaffen, ist der Einsatz von Sprach- und Kulturvermittlern sinnvoll, meinten die Teilnehmer an einem der vier Workshops, die nach dem Referat angeboten wurden. Sie könnten Verständnis auf beiden Seiten wecken sowie Unsicherheiten und Missverständnisse abbauen helfen. Zumeist gelinge die Zusammenarbeit mit Kindern und Eltern aus Flüchtlingsfamilien „erstaunlich gut“, meinten vor allem die Vertreterinnen der Kindertagesstätten. Wie schwierig das Ankommen im neuen Land trotzdem ist, vor allem wenn es Sprachbarrieren und Konflikte zwischen den Werten aus der alten und der neuen Heimat gibt, zeigten fünf Kurzfilme. „Interkulturelle Kompetenz“, meinte denn auch stellvertretender Landrat Peter Ditsch, gewinne für den Alltag immer mehr an Bedeutung.

Er freute sich über die Veranstaltung, die auch den fachlichen Austausch ermöglicht hatte, und bedankte sich bei den Veranstaltern: Dem  Arbeitskreis „Kinder- und Jugendschutz Landsberg“, kurz vorgestellt von Helmut Nieberle, der Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landratsamt Landsberg, Susann Schmid-Engelmann, und dem Programm „Willkommen bei Freunden“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, vertreten durch Esther Mankin.

Schmid-Engelmann und Mankin hatten die Moderation des Fachtags übernommen, zu dem auch ein „Info-Walk“ gehörte. Dabei stellten sich Einrichtungen aus den Bereichen Ämter, Gesundheit, Beratung (Teil-)stationäre Angebote, Bildung sowie Migration/Asyl vor, die mit unterschiedlichen Kulturen befasst sind. Die von Fachleuten geleiteten Workshops behandelten die Themen kultursensible Elternarbeit, unterschiedliche Kulturen im Schulalltag, Leichte Sprache und Unterstützungsmöglichkeiten für traumatisierte Kinder und Jugendliche.