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Selbstständiges Leben ohne alleine zu sein

24. Mai 2019

Gemeinsames Mittagessen

Die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenwieden betreibt in Grimmen sieben Trainingswohngruppen. Menschen mit Behinderungen erlernen dort das Leben in einer selbstständigen Wohnform.

Dienstagabend in der Trainingswohngruppe der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenwieden. Ronny Heidmann stellt Spaghetti mit Bolognese auf den Tisch. „Ich koche super gerne. Heute nach dem langen Osterwochenende wollten wir alle mal wieder an unserem Gruppentisch zusammenkommen und uns austauschen“, erklärt der Bewohner. Die Wohngruppe in der Stoltenhäger Straße ist eine von insgesamt sieben, welche die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenwieden in der Trebelstadt betreibt. Alle arbeiten mit dem selben Ziel, wie Betreuerin Jana Lambrecht erklärt: „Wir wollen die Bewohner auf das Leben in einer selbstständigen Wohnform vorbereiten.“ Die OZ durfte nun einmal reinschnuppern, wie der Alltag in einer Trainingswohngruppe aussieht.

„Der erste Schritt ins selbstständige Wohnen“

Schon in den frühen Morgenstunden herrscht viel Bewegung im Haus. Die Bewohner machen sich fertig für die Arbeit. „Wir sind alle in den verschiedenen Arbeitsbereichen der SOS-Dorfgemeinschaft tätig. In der Regel ist um acht Uhr Arbeitsbeginn“, beschreibt Christian Kuczkowski. Während jeder in der Trainingswohngruppe sein eigenes Zimmer hat, wird sich das Gemeinschafts-Bad geteilt. Aber dies ist, wie Sabrina Beelte erklärt überhaupt kein Problem. „Jeder hat am Morgen seine eigenen Gewohnheiten. Zudem haben wir uns aufeinander abgestimmt, so dass wir uns nicht in die Quere kommen“, beschreibt sie. In den Sommermonaten radeln die Bewohner dann zur drei Kilometer entfernten Dorfgemeinschaft. „Im Winter und bei ganz schlechtem Wetter bieten wir auch eine Fahrgemeinschaft an“, erklärt Betreuerin Jana Lambrecht. Für die 33-Jährige und die Kollegen in den anderen Wohngruppen beginnt die Arbeit in der Wohngruppe erst in den frühen Nachmittagsstunden. „Dies liegt eben daran, weil die Leute bis 16 Uhr in der Dorfgemeinschaft ihrer Arbeit nachgehen“, beschreibt die Grimmenerin und erläutert: „Und da diese Wohnform der erste Schritt ins selbstständige Wohnen ist, sollen unsere Bewohner ihren Tag möglichst alleine bewältigen.“

Betreuer trainieren Abläufe und helfen bei der Strukturierung

Wie in jedem normalen Haushalt, warten auf die Bewohner nach getaner Arbeit dann noch Aufgaben in den eigenen vier Wänden. „Wir leben ja in einer Wohngemeinschaft und dort kann man sich die anfallenden Aufgaben teilen“, erklärt Bärbel Orlowski. Sie beispielsweise liebt die Gartenarbeit. „Wenn ich in den Sommermonaten zurück in die Wohngruppe komme, kümmere ich mich erst einmal um die Pflanzen. Es ist einfach schön, dass wir eine große Terrasse haben und in unserem Garten auch Erdbeeren, Zwiebeln und Kartoffeln selber anbauen können“, sagt sie. Im Büro verschafft sich Jana Lambrecht derweilen einen Überblick. „In erster Linie strukturieren wir die Abläufe unserer Bewohner“, sagt sie. So werden in diversen Einzelgesprächen wichtige Ereignisse der Woche besprochen und die Leute unter anderem auf Behördengänge vorbereitet. „In der Regel erledigen sie diese dann selbstständig. Wir sind aber in täglichem Austausch mit jedem Betreuten, so dass wir immer wieder Hilfestellungen geben können“, betont die gelernte Heilerzieherin. Und dieses Konzept kommt bei den meisten Bewohnern sehr gut an. „Ich brauche diese Hilfe und diese Wohnform ist für mich ideal“, sagt Ronny Heidmann. Er kann sich sehr gut vorstellen, noch sehr viele Jahre im Trainingswohnen zu leben. „Es gibt bei uns keine Beschränkung, wie viel Zeit die Leute in dieser Form des gemeinschaftlichen Lebens verbringen“, erklärt Jana Lambrecht. Beim Einzug müssen sie aber mindestens 18 Jahre alt sein.

In drei Schritten zum selbstständigen Wohnen

Bewohner Jan Schlefske hat die erste Phase des Trainingswohnen inzwischen fast abgeschlossen. „Ich werde noch in diesem Jahr aus der Fünfer-Wohngruppe in eine Zweier-Wohngruppe ziehen“, sagt er. Denn die SOS-Dorfgemeinschaft gliedert das Trainingswohnen in drei Phasen. „Wir starten in der Regel mit einer größeren Gruppe. Hier kann man die anfallenden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Es folgt dann die Zweier-Konstellation, in der jeder Bewohner schon deutlich selbstständiger Leben muss. Und der letzte Schritt wäre dann das ambulante Wohnen“, beschreibt die Betreuerin ausführlich. Der Weg dorthin wird wie in einer Familie gemeinsam gegangen. „Ich lebe erst seit letztem Jahr im Trainingswohnen. Es ist schön, dass einem die anderen Bewohner Hilfestellungen geben. Man lernt so sehr schnell sich anzupassen und in eine Gruppe einzugliedern“, sagt Christian Kuczkowski.

Gemeinsame akulturelle Erlebnisse

Derzeit fiebern viele Bewohner dem nächsten Monat entgegen. Dann wartet auf die Männer und Frauen die Hausfreizeit. „Es gibt immer drei Angebote, aus denen wir auswählen können. Anschließend geht es eine Woche in den Urlaub“, erklärt Ronny Heidmann. Auch in dieser Zeit sind die Betreuer dabei. Lediglich in der Nacht sind die Bewohner auf sich alleine gestellt. „Es gibt zeitlich begrenzt immer eine Rufbereitschaft, so dass in Ernstfällen immer ein Betreuer in wenigen Minuten vor Ort wäre“, sagt Jana Lambrecht. „Es ist vor allem schön, dass man in solch einer Wohnform auch seine Freiheiten hat. Wenn man Hilfe möchte, bekommt man sie. Aber man kann auch in einer Wohngruppe sein ganz privates Leben führen“, beschreibt Ronny Heidmann den größten Vorteil.

Quelle: Raik Mielke,

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