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Aktuelles

Inklusion in der Pandemie

1. Dezember 2021

SOS-Dorfgemeinschaft Hohehnroth

Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember sprechen wir über die Herausforderungen von Inklusion in der derzeitigen Pandemie.

Am 3. Dezember ist der Tag der Menschen mit Behinderung. Die derzeitige Pandemie birgt für Menschen mit Behinderung gesundheitlich ein erhöhtes Risiko – auch für die Menschen in unseren Dorfgemeinschaften.

„Auf der einen Seite leben hier einige Menschen mit Vorerkrankungen, auf der anderen Seite wohnen wir sehr eng zusammen. In den Hausgemeinschaften sind wir zu acht, in den Arbeitsgruppen arbeiten wir mit bis zu 20 Leuten.“

Mario Kölbl, Einrichtungsleiter der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth

Das macht Inklusion zu einer Herausforderung. Vor der Pandemie waren die Dorfgemeinschaften uneingeschränkt für Besucher geöffnet – für Veranstaltungen, zum Einkaufen oder Kaffee trinken. Dies erhöht nun aber das Risiko, dass das Virus in die Dorfgemeinschaft getragen wird. Daher wurden in Hohenroth nun erneut alle Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten abgesagt, auch der Adventsbasar, auf den die Bewohner das ganze Jahr hinfiebern.

„Die Bewohner sind ein bisschen sauer. Nach so langer Zeit ist auch bei Ihnen die Luft raus. Und sie sind natürlich traurig.“

Mario Kölbl

In unseren Dorfgemeinschaften wollen wir Inklusion leben, doch jeder einzelne dort muss auch geschützt werden. Wir schicken unseren Bewohnern viel Kraft – gemeinsam sind wir stark!

Interview mit Mario Kölbl

„Nach so langer Zeit ist die Luft raus“

Handgemachte Lebkuchen, Kerzen und Holzfiguren – die Bewohner der Dorfgemeinschaft Hohenroth sind stolz, ihre Arbeit auf dem traditionellen Adventsbasar präsentieren zu können. Doch schon das zweite Jahr infolge fällt der beliebte Markt pandemiebedingt aus. Was das für die Menschen bedeutet und warum Inklusion in der Pandemie zur Gefahr wird, erklärt Einrichtungsleiter Mario Kölbl im Interview. 

Herr Kölbl, Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten entfallen auch in diesem Winter – wie haben die Bewohner darauf reagiert?

Die Bewohner sind ein bisschen sauer. Nach so langer Zeit ist auch bei Ihnen die Luft raus. Und sie sind natürlich traurig. Außerdem machen sie sich Sorgen über ihren Weihnachtsurlaub in den leiblichen Familien. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das ermöglichen können. Wir müssen entsprechende Maßnahmen organisieren, wenn sie wiederkommen. Wir werden testen und wie im letzten Jahr die Arbeitsbereiche in der ersten Woche schließen. Damit alle im Haus unter sich bleiben und sich keine Verbreitung über die Arbeitsbereiche ergibt.

Warum ist es besonders wichtig, die Bewohner der Dorfgemeinschaft zu schützen?

Auf der einen Seite leben hier einige Menschen mit Vorerkrankungen, auf der anderen Seite wohnen wir sehr eng zusammen. In den Hausgemeinschaften sind wir zu acht, in den Arbeitsgruppen arbeiten wir mit bis zu 20 Leuten. Wenn sich hier jemand infiziert, reichen wir das Virus sofort herum. Das erleben wir auch schon so im Herbst oder Frühjahr, wenn die Erkältungswellen durch Deutschland gehen. Da sind wir sehr vorsichtig und trotzdem erwischt es nahezu jedes Haus einmal. 

Inklusion und Verselbstständigung spielen eine große Rolle in der Dorfgemeinschaft. Wie hat sich beides während der Pandemie verändert?

Wir bieten viele begleitende und inklusive Maßnahmen an. Zum Beispiel kommen Trainer und Dozenten von außen nach Hohenroth und das Fußballtraining findet im Nachbarort statt. Außerdem besuchen viele Menschen unser Café oder den Kuhstall. Das alles wurde durch die Pandemie weniger. Wir waren relativ auf uns gestellt in den letzten anderthalb Jahren.

Welche Ängste und Probleme beschäftigen die Menschen mit Behinderung in der Pandemie?

Die Menschen in der Dorfgemeinschaft leben sehr in Strukturen. Diese wurden mit der Pandemie gestört und das ist schwierig für die Bewohner. Vereinzelt haben sie auch große Angst, dass sie selbst krank werden oder sterben. Die Mehrheit sorgt sich aber hauptsächlich um ihre älteren Eltern. Wir haben hier auch Bewohner, die selbst schon fünfzig sind, dementsprechend alt sind die Eltern. Und die meisten Verwandten sind über ganz Deutschland verstreut und wohnen weit weg. Da sorgen sich die Bewohner sehr. 

Wie fangen sie die Bewohner bei solchen Ängsten auf?

Das ist eine große Aufgabe für die Hauseltern. Die Bewohner haben großen Gesprächsbedarf. Die Hauseltern versuchen sie zu trösten und ihnen Mut zu machen. 

Wie kommt trotz der aktuellen Situation weihnachtliche Stimmung in Hohenroth auf?

Wir schmücken das Dorf wie jedes Jahr. Überall stehen mittlerweile schon die Tannenbäume. Wir machen es uns in den Häusern und Arbeitsgruppen gemütlich. Es wird auch eine Weihnachtsfeier in den Arbeitsgruppen geben. Das ist ein Nachmittag in kleiner Runde, an dem man Plätzchen isst und Punsch trinkt. Es kommt trotz allem eine weihnachtliche Stimmung auf.  

Das sind unsere Dorfgemeinschaften


 

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