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Aktuelles

Heute ist Tag der Bildung!

8. Dezember 2021

Bildung SOS-Kinderdorf

Zurück in den Schulalltag

Seit dem Sommer haben die Schulen in Berlin wieder geöffnet. Zum Tag der Bildung wollen wir Ihnen einen Einblick geben, wie es den Schülerinnen und Schülern geht und mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben? Olga Schapiro, die SOS-Schulsozialarbeiterin der Mittelstufe an einer Gemeinschaftsschule in Berlin-Moabit ist, berichtet aus dem Alltag. 

Wie ist die Stimmung unter den Schülerinnen und Schülern?

Die Schülerinnen und Schüler befinden sich immer noch in der Phase des Ankommens und müssen sich erst wieder zurechtzufinden im strukturierten Schulalltag. Kurz nach den Sommerferien bis hin zu den Herbstferien hatten sie wirklich sehr große Schwierigkeiten damit, wieder in diese Struktur zurückzufinden. Mittlerweile hat sich die Lage ein bisschen beruhigt. Aber trotzdem geht es weiterhin darum, dass die Schülerinnen und Schüler sich wieder trauen, in Beziehung zueinander und zu den Lehrern und dem pädagogischen Personal zu treten. Sie müssen sich aneinander gewöhnen und sich erinnern, wie es ist, in einer Gemeinschaft zu sein. Teambuilding, Interaktion in der Klasse und in der Gruppe – alles, was zwischen den Menschen passiert, muss wieder neu erprobt werden. 

Wie wirkt sich das auf die schulischen Leistungen aus?

Mein Eindruck ist, dass viele Schülerinnen und Schüler darum kämpfen, mithalten zu können. Im Lockdown gab es Distanzunterricht, das hat dem einen mehr, dem anderen weniger gelegen. Im Allgemeinen haben die Schülerinnen und Schüler definitiv Schwierigkeiten.

Die Schulen bleiben weiterhin offen, wie ist Ihre Meinung dazu?

Natürlich sehe ich die hohen Inzidenzen und das Infektionsgeschehen, aber ich persönlich denke, dass es für die Schülerinnen und Schüler sehr schwierig wäre, wenn die Schulen schließen würden. Mit der Zeit hat sich erst herauskristallisiert, welche Auswirkungen die Lockdowns hatten. Als die Schülerinnen und Schüler zurückgekommen sind, merkte man, wie viel im zwischenmenschlichen Bereich verpasst worden ist. 

Wie können Sie den Schülerinnen und Schülern hier zur Seite stehen?

Mein Credo ist die Beziehungsarbeit. Es fängt im Kleinen an. Wir haben eine Frühstückspause und eine große Mittagspause. In der Frühstückspause sind alle Schülerinnen und Schüler auf dem Hof. Ich bin auch dort und kenne alle Schülerinnen und Schüler mit Namen. Wir sprechen miteinander über Kleinigkeiten wie z.B. das Wochenende oder das Wetter. Ich reiche ihnen im übertragenen Sinne eine Hand. Das macht es ihnen sehr viel einfacher diese Hand zu nehmen, wenn es wirklich brennt und Schwierigkeiten gibt. Ich versuche sie kennenzulernen, damit sie sich an mich wenden, wenn sie Hilfe benötigen. Und ich biete Räume an, in denen wir miteinander sprechen können. Dort können sich die Schülerinnen und Schüler öffnen und sie selbst sein mit allem, was dazugehört. 

Wie blicken Sie in die Zukunft? 

Es ist schwer, eine Prognose zu stellen, da man nicht weiß, was als Nächstes passiert. Kommt der Wechselunterricht? Kommen die Schulschließungen? Ich arbeite wirklich von Tag zu Tag. Auch die Schüler leben von Tag zu Tag. Für sie ist die fehlende Planungssicherheit ein Problem. Die Jugendlichen in der Mittelstufe sind mitten in der Pubertät. Und da möchte man sich erproben, raus ins Leben und unterwegs sein. Aber zurzeit kann man gar nichts planen und so geht es den jungen Menschen auch. Kann der Abschlussball stattfinden? Können wir uns darauf freuen? Sie befinden sich in der Schwebe – und das schon seit zwei Jahren. Ich glaube, das macht ganz viel mit ihnen. Und deswegen denke ich, dass vor allem die Beziehungsarbeit wichtig ist, die einen erdet. Dadurch weiß man, dass es jemanden gibt, der da ist - egal wie die Tage aussehen. 
 

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