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Geschwister – eine ganz besondere Beziehung

10. April 2018

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Geschwister sollen zusammenbleiben - dieser Grundsatz gilt bei SOS-Kinderdorf

SOS-Kinderdorf Worpswede zum Tag der Geschwister

Geschwisterbeziehungen haben eine große Bedeutung im Leben eines Kindes. Seit über 60 Jahren zählt diese Erkenntnis zu den Grundprinzipien der pädagogischen Arbeit vom SOS-Kinderdorf e.V. Und so leben auch heute viele der aufgenommenen Kinder zumindest zeitweilig mit einem oder mehreren leiblichen Geschwistern im Kinderdorf. Das hilft, das besondere Band zwischen ihnen zu erhalten und zu stärken.

Geschwister prägen

Eine wichtige Frage bei der Aufnahme von Geschwistern in ein Kinderdorf ist die Frage: Sollen sie unter einem Dach leben oder getrennt untergebracht werden? „Wir wissen aus Erfahrung, dass es das Alltagsleben der Kinder stark prägt, wie Geschwister zueinander stehen und wie sie miteinander umgehen“, sagt Eckhard Thiel, Bereichsleiter bei SOS-Kinderdorf Worpswede. „Denn belastende Erfahrungen in der Herkunftsfamilie beeinflussen das Verhalten der Geschwister untereinander. Wir wägen daher immer sorgfältig ab, wie viel Nähe oder Distanz die Kinder zueinander brauchen, damit jedes Kind für sich die bestmöglichen Voraussetzungen bekommt, sich gut zu entwickeln.“

Der 10. April erinnert als Internationaler Tag der Geschwister an deren besondere Beziehung

Geschwister können einander Kraft und Stärke geben, Verbündete in Krisen sein. Allerdings können ungünstigen Bedingungen Geschwisterbeziehungen auch so beeinflussen, dass sie Kinder belasten. Zum Beispiel, wenn die älteren Kinder aus der Not heraus gegenüber den jüngeren eine Art Elternrolle übernehmen. Das belegen Studien des SOS-Kinderdorf e.V.: Die Kinderhilfsorganisation begleitet Geschwisterkinder seit Jahrzehnten auf ihrem Weg; und sie forscht gezielt an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Im Fokus steht dabei zum einen der Umgang der Geschwister miteinander - etwa die Frage, wie sie einander beim Verarbeiten schwieriger Erfahrungen in ihrer Herkunftsfamilie unterstützen. Zum anderen will der Verein seine pädagogischen Fachkräfte darin unterstützen, Geschwister und ihre Bedürfnisse so gut wie möglich zu verstehen. Das erleichtert es, die betreuten jungen Menschen in ihrer Entwicklung individuell zu fördern.

Gemeinsames Geschwisterleben im SOS-Kinderdorf

Der SOS-Kinderdorf e.V. setzt sich dafür ein, Geschwister auch bei einer Fremdunterbringung möglichst nicht zu trennen. Dies entspricht auch den UN-Leitlinien für alternative Formen der Betreuung von Kindern. Aufgrund ihrer Struktur eignen sich die SOS-Kinderdörfer besonders dafür, Geschwistern ein gemeinsames Zuhause zu bieten. Sie finden hier  – je nach pädagogischen Erwägungen und aktuellem Platzangebot – Aufnahme in derselben Kinderdorffamilie oder zumindest nahe beieinander. Das differenzierte Angebot von Kinderdorffamilien und Wohngruppen ermöglicht es außerdem, auch Geschwister mit großem Altersunterschied in räumlicher Nähe und mit Gelegenheit zum täglichen Kontakt unterzubringen.

Im SOS-Kinderdorf Worpswede finden seit über 50 Jahren Kinder und Jugendliche in SOS-Kinderdorffamilien und Wohngruppen ein neues Zuhause, wenn sie aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Eltern leben können. In gemütlich eingerichteten Einfamilienhäusern gestalten die Kinder gemeinsam mit ihrer Kinderdorfmutter und ihrem Erzieherteam den Alltag wie in anderen Familien auch: Unter einem Dach wird gemeinsam gespielt, gelacht und geweint, geredet, gekocht, gegessen, gewaschen und sauber gemacht. Die Kinder erleben, dass jemand für sie da ist und mit liebevoller Zuneigung hinter ihnen steht. Dabei bauen die SOS-Fachkräfte zu jedem Kind eine enge Beziehung auf und geben ihm die Sicherheit und Geborgenheit, die es braucht.

Dennoch kann diese starke Gemeinschaft für die Kinder, gerade zu Anfang ihrer Unterbringung, die Herkunftsfamilie nicht ersetzen. Somit unternimmt auch das SOS-Kinderdorf Worpswede alles Menschenmögliche, um eine Unterbringung von Geschwisterkindern zu realisieren und wenn es mal eng wird, mit der Schwestereinrichtung in Bremen eine gute Lösung für die Kinder zu finden. Derzeit leben rund 70% Geschwisterkinder in Worpswede. Somit haben sie zumindest ein Stückchen altes Zuhause in die neue Heimat mitnehmen können.

Dem SOS-Kinderdorf e.V. ist es eine Herzensangelegenheit mit seinem Angebot den Wunsch vieler Kinder nach einer familienähnlichen Lebenssituation zu erfüllen. In einer SOS-Fallstudie zeigte sich: Den befragten jungen Menschen war es wichtig, sich wie in einem wirklichen Zuhause zu fühlen, das ihnen Wertschätzung und Geborgenheit bietet – so, wie das Geschwister in einer Familie erleben. Dies können leibliche oder auch soziale Geschwister sein. „In einer gelungenen Geschwisterbeziehung entstehen verlässliche und stabile Bindungen,  die einen zentralen Bezugspunkt im Leben eines jeden Menschen darstellen und auch durch Tiefen tragen“, weiß Eckhard Thiel.