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Aktuelles

Geschwister - ein einmaliger Bund fürs Leben

10. April 2020

Seit der Gründung des ersten SOS-Kinderdorfs in Imst, spielten Geschwister für Gründer Hermann Gmeiner eine zentrale Rolle. Er selbst wuchs mit acht Geschwistern und ohne Mutter auf. Und auch das Logo von SOS-Kinderdorf – ein Junge und ein Mädchen, Geschwister, die sich an der Hans halten –  zeigt wie wichtig Geschwisterbeziehungen bei SOS-Kinderdorf sind.

Geschwister bei SOS-Kinderdorf

Geschwister - eine besondere Beziehung
Leider verlieren Geschwister oft den Kontakt zueinander, wenn sie aus ihren Ursprungsfamilien genommen werden müssen. Die Geschwisterbeziehung aber ist eine der nachhaltigsten Beziehungen innerhalb einer Familie. Geschwister teilen gute und schlechte Erfahrungen. Sie lachen und weinen zusammen. Sie streiten und versöhnen sich wieder. Und sie sind füreinander da.

Deshalb möchte SOS-Kinderdorf, dass Geschwister zusammenbleiben können, gerade wenn die Welt um sie herum zu zerbrechen scheint. Geschwister können einander Halt in diesen schwierigen Zeiten geben. Können Geschwister nicht in der gleichen Kinderdorffamilie oder Wohngruppe leben, wird versucht sie zumindest in der gleichen Einrichtung unterzubringen.

Luisa und Laura aus dem SOS-Kinderdorf Gera mussten aus ihrer Ursprungsfamilie genommen werden. Luisa übernahm früh Verantwortung für ihre kleine Schwester, weil es die Eltern nicht konnte. Mit Laura an ihrer Seite, kann nun auch Luisa im SOS-Kinderdorf wieder einfach nur Kind sein. Mehr erfahren

SOS-Kinderdorf Kamerun hilft notleidenden Kindern und ihren Familien

Alice ist das Nesthäkchen der Familie

Und auch in Kamerun wird viel Wert darauf gelegt, dass Geschwister zusammen bleiben können. Als Alice mit ihrer Schwester ins SOS-Kinderdorf Mbalmayo kommt, besucht sie der Vater weiterhin regelmäßig. Er ist sehr dankbar, dass seine Töchter ein neues zu Hause gefunden haben. Die Mutter starb kurz nach der Geburt von Alice, der Vater schwer krank und alleine mit vier Kindern. Als er stirbt sind die beiden älteren Söhne auf sich alleine gestellt. Doch auch sie finden ein neues Zuhause bei ihren Schwestern im SOS-Kinderdorf Mbalmayo. Mehr erfahren

Damit Geschwister nach der Trennung von den Eltern nicht getrennt werden, eröffnet das SOS-Kinderdorf Bremen in diesem Jahr das „Geschwisterhaus“. „Wir wollen dafür sorgen, dass Kinder, die ja schon von ihren Eltern getrennt werden, zumindest weiterhin mit ihren Geschwistern zusammenleben können“, erklärt Mummenthey das Konzept. Unterstützen Sie das SOS-Kinderdorf Bremen in seinem Vorhaben.

Interview mit Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts,

darüber wie Geschwister sich gegenseitig prägen und welche Rolle ihre Beziehungen bei SOS-Kinderdorf spielen

SOS-Mitarbeiterin Dr. Kristin Teuber, Leitung SPI

Frau Teuber, welche Rolle spielen Geschwister in unserem Leben?

Eine sehr wichtige. Außer den Eltern gibt es kaum jemanden, der uns so nah ist und uns so lange im Leben begleitet. In der Familie sind sie unsere Partner auf Augenhöhe und begleiten unsere Sozialisation. So nehmen sie gerade in jungen Jahren darauf Einfluss, wie wir uns als Menschen entwickeln.

Wie sieht das genau aus?

Mit Geschwistern probieren wir Vieles aus. Wir vergleichen uns mit ihnen oder konkurrieren miteinander, wir lernen mit ihnen Zuneigung zu zeigen und uns zu streiten. Je nach Familiendynamik haben Geschwister auch eine Vorbildfunktion: Man lernt voneinander, passt aufeinander auf und unterstützt sich gegenseitig. Dazu kommt: Geschwister teilen viele gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen. Das schafft Verbundenheit und sorgt dafür, dass sie quasi Zeitzeugen füreinander sein können. Das heißt, Geschwister können sich helfen, ihre Familie und ihre Geschichte besser zu verstehen, denn sie waren ja fast immer dabei. Das hat man sonst mit niemandem.

Macht es für die Rolle in der Familie einen Unterschied, ob ich Erstgeborener oder Nesthäkchen bin?

Klar macht es einen Unterschied, ob ich geboren werde und andere Geschwister sind schon da, oder ob man zumindest am Anfang alleine mit den Eltern war. Tendenziell ist es eher so, dass die Älteren auch mal eher etwas für die Kleinen übernehmen und ihnen helfen. Wie die Position in der Familie den Einzelnen beeinflusst, ist aber sehr unterschiedlich. Man sagt zum Beispiel, die Kinder in der Mitte müssen sich nach oben und nach unten abgrenzen oder wehren. Oder die Jüngsten nehmen alles mit, was die Älteren schon vorher in der Familie entwickelt oder durchgesetzt haben, womit sie es leichter haben. Das kann stimmen, muss es aber nicht. Es hängt auch viel davon ab, wie die Eltern die Beziehungen in der Familie gestalten.

In den SOS-Einrichtungen leben auch Kinder, die nicht miteinander verwandt sind, wie Geschwister zusammen. Macht es einen Unterschied ob Geschwister leiblich sind oder nicht?

In den Einrichtungen von SOS-Kinderdorf beobachten wir, dass die bei uns so genannten sozialen Geschwister eine wichtige Rolle einnehmen. Sie können zu einer Art Freund oder auch zu einem Geschwisterkind werden. Dennoch scheint bei leiblichen Geschwistern die Bindung untereinander vergleichsweise oft enger zu sein. Auch nach dem Auszug aus unseren Einrichtungen wird die Beziehung zu den eigenen Geschwistern oft intensiver gepflegt als die zu den sozialen Geschwistern. Deshalb versuchen wir bei SOS-Kinderdorf nach Möglichkeit, Geschwisterkinder gemeinsam unterzubringen.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob Geschwister gemeinsam untergebracht werden?

Der Normalfall sollte sein, dass die Kinder gemeinsam untergebracht werden – wenn nicht in einer Kinderdorffamilie oder Wohngruppe, dann zumindest in derselben Einrichtung. Das wünschen sich auch die meisten Kinder. Die Herausnahme aus der eigenen Familie ist ein einschneidendes Erlebnis und da können sich Geschwister gegenseitig eine Stütze sein. Wir bringen Geschwister getrennt unter, wenn bestimmte Gründe dies erforderlich machen. Zum Beispiel, wenn die Dynamik zwischen den Brüdern und Schwestern verhindert, dass sie sich gut entwickeln, wenn es starke Aggressionen und Übergriffe zwischen ihnen gibt oder wenn einzelne Kinder so verschiedene Bedürfnisse haben, dass man ihnen in derselben Gruppe nicht gerecht werden kann. Das heißt aber nicht, dass sie dann komplett voneinander getrennt sein müssen. Sie sollen trotzdem noch miteinander im Kontakt bleiben können.