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Ein durchdachtes Gesamtpaket

21. Januar 2019

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Das neue SOS-Kinderdorf-Zentrum an der Kalkarer Straße ist Anlaufstelle für Familien, Alleinerziehende, Benachteiligte und Senioren

„Gutes tun ist einfach, wenn viele helfen.“ Nach diesem Leitspruch von Hermann Gmeiner, Gründer des ersten SOS-Kinderdorfes im österreichischen Imst 1949, leben und arbeiten die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs Niederrhein bis heute. In den vergangenen fast 50 Jahren haben sie ihr Angebot für Kinder und Familien, Alleinerziehende, Senioren, für Menschen mit Handicap oder für Flüchtlinge immer weiter ausgebaut. Seit 2015 gibt es das SOS-Kinderdorf-Zentrum und die Kindertagesstätte „Kalkarer 10“ an der Kalkarer Straße in der Klever Unterstadt.

„Kaffee ist fertig!“

Gaby Heiming, Kathrin Hindenberg und Karin Teurlings in der SOS-Kita

Gaby Heiming, Kathrin Hindenberg und Karin Teurlings in der SOS-Kita

„Es ist ein offenes Haus für Familien“, sagt Koordinatorin Karin Teurlings. „Wir machen hier, im Sozialraum Unterstadt, niedrigschwellige Angebote für alle Altersgruppen.“ Der Schwerpunkt liege aber auf der Familie. So gibt es präventive Angebote im Rahmen der frühen Hilfen, zum Spieltreff sind Familien aller Kulturen eingeladen. Dienstags, mittwochs und freitags heißt es in den gemütlich hergerichteten Räumen „Kaffee ist fertig!“ „Dieses Angebot etabliert sich immer mehr zum Treffpunkt für neue Kontakte“, freut sich Teurlings. Dass rund 1300 Menschen die vielfältigen und auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Einladungen an die Kalkarer Straße annehmen, spricht fast für sich. Alles greift hier ineinander. So gibt es regelmäßige offene Treffs mit bezahlbarem Familienfrühstück, Mittagessen, leckeren Kleinigkeiten, bevor am Nachmittag der Kaffeetisch gedeckt wird. Das übernehmen im übrigen freiwillige Helfer. Gut 15 von ihnen bringen sich neben dem gastronomischen Bereich in verschiedenen Funktionen ein. Einige Stellen sind außerdem für sozial Benachteiligte wie etwa Langzeitarbeitslose vorgesehen.

3 Säulen stützen die Idee

Insgesamt ruht die Arbeit des SOS-Kinderdorfzentrums auf drei Säulen. Neben den ambulanten erzieherischen Hilfen geht es um den Kitabereich sowie die berufliche Bildung. Neu hinzu kommen wird in Kürze im noch im Bau befindlichen Gebäude gleich nebenan die stationäre Hilfe zur Erziehung. Wohngruppen für Jugendliche haben hier den Schwerpunkt, sie in ihre Familien zurück zu führen, „der Kontakt zu ihren Familien wird unterstützt, sie werden mit einbezogen“, erklärt Teurlings. „Wir reagieren mit unseren Angeboten auf die Bedarfe der Familien, bieten Treffpunkte an und die notwendige Beratung.“ Jeder, ergänzt Katrin Wißen, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei SOS zuständig ist, sei in diesem Gesamtpaket willkommen und gut aufgehoben. So gehört auch ein Angebot an Flüchtlingsfamilien wie selbstverständlich dazu. „Es geht darum, gemeinsam mit den Menschen etwas zu tun“, so Teurlings. In Kooperation mit dem Verein Hafen der Hoffnung, der viel Erfahrung in diesem Bereich einbringen konnte, werden seit 2016 Kurse für Sport – speziell für weibliche Flüchtlinge –, Nähen oder Kochen angeboten.

Ein Fachseminar für Altenpflege befindet sich ebenso im Gebäude wie das Angebot von Maßnahmen zur beruflichen Orientierung („Kein Abschluss ohne Anschluss“). Naheliegend ist da, auch die Hochschule Rhein-Waal noch mit ins Boot zu holen. Studierende der Kindheitspädagogik kommen im Rahmen von Praktika hierher. „Wir bringen sie mit Familien zusammen“, berichtet die stellvertretende Einrichtungsleiterin Gaby Heiming. Unter dem Titel „Spielen zu Hause“ regen die Studierenden dann als Spielbegleiter Familien bei mehreren Hausbesuchen in ihrem Wohnumfeld zum Spielen an. „Die Kalkarer 10 ist ein lebendiger Dreh- und Angelpunkt“, bringt Katrin Wißen das so vielfältige, verzahnte und durchdachte Angebot auf den Punkt.

Eine Kita für 50 Kinder komplettiert das Angebot

Das ohnehin umfassende Programm an der Kalkarer 10 wird schließlich noch ergänzt durch die Kita. Dort, wo bis vor kurzem noch Gewächshäuser standen (jetzt am Klapheckenhof) spielen und toben heute rund 50 Kinder. Gedacht vor allem für Menschen in schwierigen Lebenssituationen – wie es etwa Alleinerziehende sind – bietet SOS Plätze in einer Krippengruppe für Kinder unter zwei Jahren an. Zwei Heilpädagogen arbeiten hier außerdem mit Kindern mit Behinderungen. „Als Familienzentrum zertifiziert verknüpfen wir hier alle Bedürfnisse von Familien“, ist Karin Teurlings überzeugt, „sind Anlaufstelle für sie.“ Und der Bedarf ist riesig.

Vielfältige Kooperationen

Im Dezember 2015 eröffnet wird die Einrichtung bald erweitert und für fünf Gruppen ausgebaut. „Die Zahl der Kinder wächst“, weiß die Leiterin der SOS-Kindertagesstätte, Kathrin Hindenberg. Wie in allen anderen Bereichen geht es auch hier um die Zusammenarbeit vieler. „Wir kooperieren mit der Frühförderstelle, die Therapeuten arbeiten bei uns im Haus“, sagt Hindenberg. Auf die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder ist die gesamte Einrichtung abgestimmt. Neben Ruheräumen für die Kleineren gibt es Werkräume oder ein „Labor“ für kleine Forscher.

Quelle: Neue Rhein Zeitung vom 21. Januar 2019 Autorin/Fotos: Claudia Gronewald