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Als Fahrzeugpfleger am Start

27. November 2018

Paul Graw hat sich seinen Job kontinuierlich erarbeitet. Als Paul Graw 2014 die Förderschule Lernen in Lemgo verließ, hatte er kein konkretes berufliches Ziel. Okay, Fahrzeuglackierung interessierte ihn, aber mit seiner Lernbeeinträchtigung und einer autistischen Teilstörung schien seine Vorstellung unrealistisch. Also, was tun?! Claudia Fritzemeier, Beraterin im Team Rehabilitation und Schwerbehinderung der Detmolder Arbeitsagentur, kannte Paul Graw und dessen Eltern bereits seit der 9. Klasse durch Berufsorientierungsveranstaltungen und Beratungsgespräche. Ihr Angebot: eine Reha-spezifische berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB), die Paul auch sehr gerne besuchen wollte. Innerhalb der BvB absolvierte der junge Mann zwei Praktika, einmal als Zweiradmechaniker, einmal als Kfz-Lackierer. Über die Affinität für Zwei- und Vierräder entdeckte Paul Graw schließlich den Beruf Fachpraktiker für Fahrzeugpflege, den er in einer integrativen Ausbildung beim SOS-Kinderdorf Lippe, Berufshilfen in Detmold erlernen konnte.

Paul Graw , Vera Benninger, Claudia Fritzemeier und Reiner Zbikowski

Paul Graw , Vera Benninger, Claudia Fritzemeier und Reiner Zbikowski

"Eine gute Chance, die sich Paul nicht nehmen ließ“, betont Vera Benninger, die den Lemgoer in ihrer Funktion als Sozialpädagogin beim SOS-Kinderdorf in der Ausbildung unterstützte. Und es gab während der dreijährigen Ausbildung einiges zu erlernen. Fachpraktiker (w/m) für Fahrzeugpflege reinigen und pflegen Fahrzeuge. Sie schützen die Fahrzeuge vor Rost und erledigen einfache Wartungsarbeiten. Dazu gehört es, Motoren, Felgen und Reifen zu säubern. Fahrzeugpfleger reinigen Fahrzeuge auch innen, zum Beispiel Polster und Böden. Und sie pflegen den Fahrzeuglack mit Wachs. Sie kontrollieren den Ölstand, überprüfen den Reifendruck und wechseln Scheibenwischerblätter aus. Außerdem bessern sie Löcher in Polstern und Ledersitzen oder kleinere Lackschäden aus.

Paul absolvierte im persönlichen Bereich eine herausragende Entwicklung. Während er noch zu Beginn der Ausbildung große Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme und im Umgang mit seinem Arbeitsumfeld hatte, gelang es ihm immer besser, sich in die internen Abläufe einzubringen und auch den Anforderungen in den betrieblichen Ausbildungsphasen standzuhalten.

Innerhalb der von der Detmolder Arbeitsagentur geförderten Ausbildung beim SOS-Kinderdorf Lippe absolvierte der Lemgoer Betriebstage bei Mercedes Neotechnik und beim BMW Autohaus Becker-Tiemann. Die betriebliche Ausbildungsphase bei Becker und Tiemann verlief derart gut, dass er im Anschluss an die Ausbildung einen Jahresvertrag bei Becker-Tiemann in Bielefeld erhielt. Und hier ist er nun seit August tätig. Reiner Zbikowski, der Paul Graw in der Fahrzeugaufbereitung unter seine Fittiche genommen hat, und ihm in der Anfangszeit einen Lehrling oder Praktikanten zur Seite stellt, ist von Pauls Motivation und Zuverlässigkeit angetan: „Selbst mit seiner Beeinträchtigung meistert Paul sein Berufsleben hervorragend. Zudem ist die Unterstützung aus dem Elternhaus jederzeit gegeben.“ Auch Graw zeigt sich begeistert: „Ich bin froh, die Ausbildung beim SOS-Kinderdorf gemacht zu haben, und glücklich, bei Becker-Tiemann arbeiten zu können.“

Was dem 21-Jährigen im Arbeitsalltag hilft, das ist Routine und eine gewisse Betreuung und Begleitung. Und manchmal sind es ganz kleine Hilfsmittel, die Orientierung bieten. Zbikowski: „In den ersten Tagen hatte Paul Schwierigkeiten, seinen Spind unter all den gleichartigen Anderen wieder zu finden. Wir haben seinen Spind gekennzeichnet, in dem wir einfach einen Schuhkarton daraufgestellt haben. Jetzt klappt das wunderbar. Das sind so Alltagshilfen mit großer Wirkung. Den Rest – Ausbildung, Praktikum, gute Arbeit – hat sich Paul selbst erarbeitet, weil er ist, wie er ist: freundlich, nett, zuverlässig, und alles Weitere ergibt sich.“


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