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"Ich kann das"

30. August 2018

SOS-Kinderdorfkind Lukas studiert in England!
Lukas ist im SOS-Kinderdorf Sauerland aufgewachsen

Lukas ist im SOS-Kinderdorf Sauerland aufgewachsen

Für Lukas war es das erste Mal überhaupt, dass er in einem Flugzeug saß. "Das war am 20. August 2015. Das Datum werde ich nie vergessen“, erzählt der 18-Jährige. Es ist förmlich in seinem Gesicht abzulesen, was ihn vor rund drei Jahren bewegt haben muss: Aufregung, Vorfreude, aber auch ein Stück Angst. Das Bewusstsein, eine riesige Chance wahrzunehmen und die Sorge, diese Chance zu verspielen. "An dem Tag selbst hatte ich schon mächtig Schiss“, erinnert er sich. Denn Lukas hatte sich auf den Weg gemacht vom SOS-Kinderdorf Sauerland nach England. Zwei Jahre sollte der damals 16-Jährige hier aufs College gehen, um Health and Social Care zu studieren und damit eine Art Fachabitur zu absolvieren.

"Der nordenglische Akzent hatte es anfangs in sich"

Student Lukas bei der Arbeit

Student Lukas bei der Arbeit

Möglich gemacht hat ihm das zum einen ein Lüdenscheider Unternehmen, das das SOS-Kinderdorf seit vielen Jahren mit Spenden unterstützt. Zum anderen hat ihm ein anderes ehemaliges Kind aus dem SOS-Kinderdorf Sauerland unter die Arme gegriffen: Eric Baumgartner ist Dozent in England. Ihn kennt Lukas durch ein Sommerprogramm, das Jugendlichen aus dem SOS-Kinderdorf einen Aufenthalt in Durham, England ermöglicht. Er ist es, der den Kontakt zum College herstellt, der Lukas vom Flughafen abholt und ihm einen Job in einem Restaurant organisiert, damit Lukas sich sein Leben in Durham finanzieren kann. „Ich habe am Anfang kein Wort verstanden. Das war echt nicht einfach“, erinnert sich Lukas. Drei Monate hat es gedauert, bis er mit dem nordenglischen Akzent zurecht kam.

Lukas Berufung liegt im medizinischen Bereich

Heute kann sich Lukas nicht mehr vorstellen, England zu verlassen. Mittlerweile lebt das ehemalige SOS-Kinderdorf-Kind in Leeds und studiert dort. Wenn er das Studium beendet, wird er sich Krankenpfleger nennen dürfen. Wobei mit diesem Beruf in England ganz andere Aufgaben einhergehen als in Deutschland. „Es gibt in England ein Level-System, das verschiedene Stufen auf der Karriereleiter ermöglicht.“ So hat Lukas Spezialisierungsmöglichkeiten, darf ein Team leiten, Medikamente verschreiben und vieles mehr. Auch der Ausblick auf diese vielen Kompetenzen sorgt dafür, dass er sich momentan keine Rückkehr nach Deutschland vorstellen kann. „Und ich habe hier meine Freunde, meine Beziehung. Ich fühle mich hier wohl“, sagt er. Wobei das Studium ihn sehr fordert. Viele Praktika, Essays und natürlich die Präsenzzeit in der Uni verlangen Lukas viel ab. Doch Lukas hält durch. Noch ein Jahr ist es, das er schaffen muss.
Was ihn antreibt an den Abenden, an denen er nach dem Praktikum noch über den Büchern brütet, um für Klausuren zu lernen? „Es ist das, was ich gerne mache. Und ich kann das.“

Lukas' Hobby in England: Ruderbootfahren

Lukas' Hobby in England: Ruderbootfahren

Alle ziehen an einem Strang, um Lukas seinen Traum zu erfüllen

Dabei war es nicht selbstverständlich, dass Lukas sein Studium so durchzieht. Nach der Zeit auf dem College hatte er überlegt, zurück nach Deutschland zu gehen. Die finanzielle Hürde für ein Studium in England war riesig. Und es gab die Option mit seinem Bruder zusammen nach Berlin zu ziehen. Heute ist Lukas froh, dass er sich fürs Weitermachen entschieden hat – mit der finanziellen Unterstützung des SOS-Kinderdorfs, des Lüdenscheider Unternehmens aber auch seiner Schwester. Sie und den Rest seiner Familie vermisst Lukas sehr. „Wir haben eine wahnsinnig enge Beziehung. Vor allem die schwierigen Jahre haben uns sehr zusammengeschweißt“, erzählt er. Immer wieder haben sich die Geschwister untereinander ausgeholfen, Sorgen und Wünsche geteilt. „Wir haben alle entweder unsere Ausbildung oder die Schule beendet haben. Ich bin auch schon Onkel. Das fühlt sich einfach alles sehr, sehr gut an.“