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Projekte und Einrichtungen 2020

„Wir sind immer für euch da!“

16. März 2020

Das war auch in den Zeiten des Lockdowns die zentrale Botschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfvereins an die betreuten jungen Menschen und ihre Familien. Engagiert und kreativ gingen die Einrichtungen neue Wege, um dieses Versprechen einzulösen.

Gärtnern im neu angelegten Hochbeet SOS-Kinderdorf Worpswede

Gärtnern im neu angelegten Hochbeet: Wie hier im SOS-Kinderdorf Worpswede sorgten die SOS-Fachkräfte aller SOS-Kinderdörfer während des Lockdowns für Abwechslung und einen strukturierten
Tagesablauf.

„Wir bleiben zu Hause“: Das galt während der strengen Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2020 auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der SOS-Kinderdörfer. Die Lockdown-Zeit dort zu organisieren, war allerdings eine Aufgabe für sich, wie das Beispiel des SOS-Kinderdorfes Worpswede zeigt. Als Kindertagesstätten, Schulen und Sportvereine schlossen, hieß es von einem Tag auf den anderen  Lösungen entwickeln und die Personalpläne entsprechend umstellen. Denn nun waren rund um die Uhr, sieben Tage die Woche Betreuungs- und Lernangebote für 108 Kinder und Jugendliche gefragt, die sonst größtenteils Kitas, Schulen und Ausbildungsstätten besuchen. „Es war eine herausfordernde Zeit, in der wir alle noch mehr zusammenrückten“, betont der Einrichtungsleiter des Kinderdorfes, Joachim Schuch. 

„Alle halfen mit und waren, soweit familiär möglich, bereit, in dieser Ausnahmesituation flexibel zu reagieren.“

Joachim Schuch, Einrichtungsleiter SOS-Kinderdorf Worpswede

Kreativangebote, Sport, Homeschooling – und Vorsorge für den Fall der Fälle 

So fanden im kleinen Kunstatelier und der Töpferwerkstatt des Kinderdorfes nun auch vormittags Kreativprojekte statt. Zudem gab es täglich Sportangebote für Kleingruppen. Auch die im Kinderdorf gelegene Kita „Butjerhus“ half mit und bot, alle Vorsichtsmaßnahmen beachtend, Abwechslung für die Kleinsten. Gleichzeitig galt es, den Kindern und Jugendlichen im Schulalter das Lernen im Homeschooling zu ermöglichen und sie dabei zu unterstützen. Diese „SOS-Schulstunden“ gestalteten Lernkoordinator Clas Mojen und sein Kollege Uli Wenger direkt in den einzelnen zwölf Familienhäusern. Dort stellten die Hausteams sicher, dass die betreuten jungen Menschen auch in dieser Ausnahmezeit einen verlässlichen Tagesablauf erlebten. Sie erklärten auf altersgemäße Art, was es mit dem  Coronavirus auf sich hat, und alle übten täglich die Hygieneregeln, um Kleine und Große zu schützen. Für den Fall, dass Corona-Verdachts- oder -Krankheitsfälle im Kinderdorf aufträten, stand ein freies Haus als vorbereiteter Quarantäneort bereit. Bezugsbetreuerinnen und -betreuer hatten sich bereiterklärt, dort liebevolle Betreuung zu gewährleisten.

In Krisenzeiten besonders wichtig: Familienhilfe und Kontaktangebote

„Ich dachte manchmal, dass ich verrückt werde. Den ganzen Tag saßen wir in der Wohnung und hatten nicht mal die Möglichkeit, auf den Spielplatz zu gehen.“ So fasst eine Mutter aus Saarbrücken die Lockdown-Zeit im Frühjahr zusammen, die sie mit Mann und zwei Kindern auf 70 Quadratmetern verbrachte. Weitgehend isoliert hatten Eltern vieles unter einen Hut zu bringen: Haushalt, Kinderbetreuung, Homeschooling, Homeoffice oder auch die Ruhebedürfnisse eines schichtarbeitenden Elternteils ... Eine Situation, die schnell sehr belastend wird, vor allem für Familien, die sonst schon unter Druck stehen. Für einige kam zur Angst vor Corona noch die Sorge um die berufliche Existenz. Falls die angespannte Situation daheim eskaliert, leiden gerade Kinder besonders. Quer durch alle Angebote der SOS-Kinderdorfeinrichtungen war es den Mitarbeitenden daher wichtig, Familien zu signalisieren: „Wir sind auch jetzt für euch da!“ Das galt für individuell betreute Familien wie für jene, die sonst die vielen offenen Angebote nutzen, etwa in den Mütter- und Familienzentren. Da die gewohnten Begegnungen unmöglich waren, setzen die Einrichtungen für Gespräche, Rat und Hilfe neben Telefongesprächen auch auf Sprachnachrichten, Video-Chats oder selbst gedrehte Videos. Sogar Krippen- und Kita-Gruppen hielten so den Kontakt, etwa durch Online-Morgenkreise. 

„Die Resonanz war super! Die Kinder freuten sich jedes Mal riesig, einander zu sehen.“

Mitarbeiterin der Kita im SOS-Familienzentrum Stuttgart

„Anfangs waren wir skeptisch, ob die ein bis drei Jahre alten Kinder die Abstraktheit der digitalen Welt begreifen würden, und wenn ja, wie sie damit umgehen würden. Die Resonanz war super! Die Kinder freuten sich jedes Mal riesig, einander zu sehen“, erzählt etwa eine Mitarbeiterin der Kita im SOS-Familienzentrum Stuttgart. Auch die Eltern genossen es, einander auf diesem Weg wiederzusehen und begrüßten den Morgenkreis als festes Element im Tagesablauf. 

Online-Version Spielgruppe SOS-Kinderdorf während Lockdown

Ein echter Lichtblick: Neue Lösungen halfen, die Corona-Isolation der Familien zu durchbrechen. Hier nehmen Mutter und Kind an einer Online-Version der Spielgruppe teil, die sie sonst im Düsseldorfer Mehrgenerationenhaus Hell-Ga besuchen.

Vielerorts ein beliebtes Highlight: Von den Einrichtungsteams zusammengestellte Tüten mit Bastel- und Malideen, die sich die Familien an der Eingangstüre abholen konnten. Häufig war es auch möglich, Kinderbücher, Gesellschafts- und Outdoor-Spiele auszuleihen. Dabei ergab sich für die SOS-Fachkräfte manchmal auch eine Gelegenheit, auf Distanz ein paar Worte mit Kindern und Eltern zu wechseln. Aber auch sonst waren die SOS-Standorte kreativ: Während zum Beispiel das SOS-Familienzentrum Stuttgart tägliche „Fenster-Plausch-Zeiten“ anbot, wickelte der Secondhandladen von SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven- Friesland, alle Hygienemaßnahmen beachtend, wiederum eine Art Kleidernotdienst übers Fenster ab.

„Essen to go“ – damit Kinder in Corona-Zeiten nicht hungrig bleiben

Lebensmittelpakete für wohnungslose Jugendliche im SOS-Kinderdorf Saarbrücken

Damit niemand hungrig bleibt: Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte junge Menschen, die an den Orientierungsprojekten von SOS-Kinderdorf Saarbrücken teilnehmen essen dort oft auch zu Mittag. In der Corona-Zwangspause erhielten sie bei Bedarf Tüten mit Lebensmitteln.

Die Pandemie macht manches sichtbar, was sonst kaum ins allgemeine Bewusstsein dringt. Etwa die Tatsache, dass es in Deutschland Kinder gibt, die daheim keine warme Mahlzeit erhalten. Denn für von Armut betroffene oder anderweitig belastete Eltern ist es mitunter schwierig, täglich zu kochen. Für ihre Kinder ist dann das Essen in der Kita, der Schule oder auch in einem SOS-Angebot entscheidender Bestandteil der täglichen Ernährung. Genau der fiel weg, als alle Bildungs- und Betreuungseinrichtungen schlossen. Hinzu kam, dass Angebote wie die Lebensmittelausgabe der „Tafeln“ zeitweilig ebenfalls zumachten. Daher organisierte zum Beispiel SOS-Kinderdorf München für einige Wochen „Essen to go“ für die jungen Besucherinnen und Besucher des SOS-Kindertreffs im Stadtteil Riem. Das SOS-Familien- und Kindertageszentrum Neuaubing kochte vier Wochen lang jeden Mittwoch nicht nur für Kinder des Kindertageszentrums, die dort in der Notbetreuung versorgt wurden: Auch für jeweils 9 Familien mit insgesamt 20 Personen in Riem wurde ein frisches Mittagessen geliefert. 

„Die Nachfrage war sehr groß.“

Anna Strecker, Mitarbeiterin im SOS-Familien- und Kindertageszentrum Neuaubing

Die kostenlos ausgegebene Mahlzeit konnten die Familien mittags vor dem SOS-Kindertreff abholen. Damit möglichst viele Familien davon profitierten, gingen die Mahlzeiten abwechselnd an verschiedene Empfänger. Das SOS-Team legte jeweils auch ein Spiel, ein Rätsel oder eine Bastelidee dazu. 

Eine ganz neue Herausforderung: Ausbildung zu Hause

„Wie geht es jetzt weiter?“ Das fragten sich die jungen Menschen in den berufsorientierten Angeboten des SOS-Kinderdorfvereins ebenso wie die SOS-Fachkräfte. Einerseits waren Schul- und Ausbildungsinhalte zu bewältigen. Andererseits bestand die Gefahr, dass die betreuten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Ausbildungs- und Maßnahmeangeboten ohne feste Tagesstruktur schnell den Halt verlieren würden. Um das zu vermeiden sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zum Lernen wachzuhalten, wurden die jungen Menschen daher auch zu Hause so eng wie möglich betreut. So berichtet eine Teilnehmerin aus dem Holzbereich des „Produktive“- Projekts bei den Jugendberufshilfen des SOS-Kinderdorfes Lippe: „Von einem auf den anderen Tag konnte ich nicht mehr reinkommen und die anderen treffen. Als alle zu Hause bleiben mussten, wurde ich trotzdem gut betreut. So bekam ich jede Woche Aufgabenzettel zugeschickt. Darunter waren Mathe- und Deutschaufgaben, Mandalas zum Ausmalen, handwerkliche Übungen, die ohne viel Material und Werkzeug zu Hause möglich waren, Backrezepte und vieles mehr. Außerdem meldeten sich die SOS-Mitarbeitenden regelmäßig bei mir, worüber ich mich sehr freute. Aber auch ich konnte mich dort melden, wenn ich zum Beispiel ein Problem hatte oder mal reden wollte.“

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