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Familien im Blick behalten
Einblicke

Kinder und Familien nicht aus dem Blick verlieren!

Der SOS-Kinderdorfverein wies 2020 wiederholt darauf hin: Die kontaktbeschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bergen für junge Menschen besondere Risiken und können ihre Entwicklungschancen deutlich verschlechtern.

Das Corona-Jahr 2020 bedeutete einen tiefen Einschnitt im Leben junger Menschen und ihrer Familien. Wie viele andere Länder befand sich Deutschland ab dem Frühjahr in einer Ausnahmesituation: Die Pandemie erforderte drastische Maßnahmen, die soziale Kontakte stark einschränkten. Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen waren geschlossen, viele Eltern arbeiteten im Homeoffice, manche mussten in Kurzarbeit gehen. Auf einmal verbrachten Familien viel Zeit miteinander – in der Wohnung, nahezu isoliert von der Außenwelt und oft begleitet von finanziellen Sorgen. Familien durch die Krise begleiten Bereits im März 2020 wies der SOS-Kinderdorfverein öffentlich darauf hin, dass diese Situation zu erheblichen familiären Belastungen führen könne. Erst recht, wenn Familien bereits vorher unter Druck standen. Für Kinder und Jugendliche berge das die Gefahr, physischen und psychischen Übergriffen teilweise schutzlos ausgeliefert zu sein. Es sei unerlässlich, dass alle Unterstützungsmaßnahmen für Familien vor Ort erreichbar bleiben. Dies gelte allem voran im Bereich des Kinderschutzes. Aber auch niederschwellige Beratungsangebote von Familienzentren seien notwendiger denn je. Familien durch diese Krisenzeit zu begleiten und damit Kinder in der unvorhergesehenen Lebenssituation zu stärken, müsse höchste Priorität haben. Der Vorstandsvorsitzende des deutschen SOS-Kinderdorfvereins, Dr. Kay Vorwerk, betonte: „Wir begrüßen deshalb die Bestrebungen der Bundesregierung und des BMFSFJ, die Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Sozialschutzpaket abzusichern und fordern, die Regelungen schnell, unbürokratisch und zum Wohl von jungen Menschen und ihren Familien umzusetzen.“

Eltern stützen, um Kinder zu schützen

Anlässlich des Tages für gewaltfreie Erziehung am 30. April 2020 erinnerte der SOS-Kinderdorf e. V. daran, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Dieses gerate in der Ausnahmesituation der Corona-Pandemie in Gefahr. „Viele Familien, die wir betreuen, hatten schon vor der Krise Sorgen. Finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven nehmen viele Eltern jetzt noch stärker wahr. Es kommt zu Stress oder Überforderung. Zudem fehlen Orte wie Kitas oder Schulen, die Eltern in Problemlagen unterstützen und entlasten können“, erklärte Heidrun Boye von den Ambulanten Hilfen des SOS-Kinderdorfes Hamburg in der Presseerklärung des SOS-Kinderdorfvereins. Michael Breiner, der bei SOS-Kinderdorf Kaiserslautern die Gewaltschutzstelle leitet, berichtete über die Sorge, dass im Lockdown viele gewalttätige Übergriffe unentdeckt bleiben könnten: Aufgrund der geschlossenen Schulen und Kitas gerieten belastete Kinder aus dem Blick. 

Schutz vor Gewalt und Missbrauch verbessern

Im Sommer mahnte der SOS-Kinderdorfverein erneut an, Kinder und Jugendliche grundsätzlich besser vor Gewalt und Missbrauch zu schützen. Nicht nur im häuslichen Umfeld würden sie weiterhin Opfer teilweise systematischer Übergriffe. Seit am 6. Juli 2001 das Recht auf gewaltfreie Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch normiert worden sei, habe sich das Erziehungsverständnis in der Breite zwar gewandelt: Die Haltung „eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet“ sei heute seltener anzutreffen. Dennoch würden junge Menschen immer wieder Opfer von Übergriffen durch Erwachsene. Dies teilweise in unfassbarem Ausmaß und in systematischer Weise. Der SOS-Kinderdorf e. V. fordert daher als Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt und sexuellem Missbrauch:

  • Kinder zu stärken und zu schützen, damit Übergriffe möglichst gar nicht erst geschehen.
  • Hinzuschauen und sich bei Verdacht Hilfe zu holen. Das erfordert ein bedarfsdeckendes Angebot an Fachberatungsstellen.
  • Missbrauch, die Verbreitung dokumentierten Missbrauchs sowie den Konsum von Film- und Fotomaterial als verschiedene Straftatbestände offensiv zu verfolgen und zu bestrafen.

Kinder in ihren Rechten stärken

„Wir müssen noch mehr als bisher ein Klima institutioneller und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse und Interessen von Kindern schaffen. Wir müssen sie schützen, ihre Rechte in allen Lebensbereichen umsetzen sowie ihre Rolle in Kita und Schule, in Vereinen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe stärken. Das Wohl junger Menschen braucht eine institutionelle Absicherung und darf nicht allein vom guten Willen einzelner Erwachsener abhängen. Kinder und Jugendliche müssen als junge Persönlichkeiten in unserer Gesellschaft respektiert werden!“, forderte Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf e. V.

Geflüchtete auf Lesbos

Flüchtlingskinder haben ein besonderes

Schutzrecht: Darauf wies der SOS-Kinderdorf e. V. 2020 angesichts der überfüllten Lager auf den griechischen Inseln sowie nach dem Brand im Lager Moria mit Nachdruck hin.

Fürsorge und Schutz für Kinder auf der Flucht

In den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln, schon länger heillos überfüllt, drohte den Jüngsten und Schwächsten im Frühjahr 2020 durch Corona eine weitere Gefahr. Der SOS-Kinderdorfverein wies daher erneut darauf hin, dass die UN-Kinderrechtskonvention, vor allem das darin verankerte besondere Schutzrecht von Flüchtlingskindern, uneingeschränkt gelte: Das Recht von Kindern auf Fürsorge und Schutz müsse unter allen Umständen gewahrt werden.

Daher forderte der SOS-Kinderdorf e. V. die Bundesregierung auf, unverzüglich zu handeln. Alle unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten sollten aus den griechischen Lagern evakuiert werden, alle Familien mit Kindern sofortige Hilfe erhalten. Angesichts der katastrophalen Versorgungslage in den Lagern sei eine adäquate medizinische Betreuung Infizierter dort unmöglich. Angesichts der Entscheidung der Bundesregierung, 50 Kinder und Jugendliche aus Griechenland nach Deutschland zu bringen, betonte der SOS-Kinderdorfverein: Er sei bereit und in der Lage, in Abstimmung mit den zuständigen Jugendämtern in seinen Einrichtungen Betreuungsplätze für einen Teil der unbegleiteten geflüchteten Minderjährigen zur Verfügung zu stellen.

Dieses Angebot erneuerte der Verein im September nach dem zerstörerischen Brand im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Er forderte die Politik zudem auf, vor allem den Schutzlosesten, den Kindern, sofortige Zuflucht zu bieten: „Alle unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten müssen aus dem Lager evakuiert werden, alle Familien mit Kindern brauchen sofortige Hilfe. Die UN-Kinderrechtskonvention und vor allem das darin verankerte besondere Schutzrecht von Flüchtlingskindern gilt uneingeschränkt.“