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Höhepunkte 2020

Gesundheit lässt sich lernen

1. September 2021

Gesundheit lässt sich lernen

„Ich bin stark, ich schaff das“: „BESThealthCARE“ versteht auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als Teil umfassender Gesundheit.

2020 ist das Bildungsprojekt „BESThealthCARE“ angelaufen: Damit setzt der SOS-Kinderdorfverein das Kinderrecht auf Gesundheit verstärkt in die Praxis um.

Zu den Kinderrechten gehört auch das Recht auf Gesundheit. Dafür setzt sich nun „BESThealthCARE“ ein, das Gesundheitsbildungsprojekt des SOS-Kinderdorf e. V. Eingebunden ist es ins Thema „Kinderseelen schützen“, das der Verein in seiner Botschaft für Kinder in Berlin vorantreibt. Denn das Kinderrecht auf Gesundheit benötigt Rückenwind auf politischer wie operativer Ebene: Kindergesundheit ist in fataler Weise mit dem Thema Kinderarmut verwoben, das wiederum an die Strategiebereiche Bildung und Beteiligung des SOS-Kinderdorfvereins anschließt.

Wie Studien belegen, sind in Deutschland die Chancen auf ein gesundes Aufwachsen ungleich verteilt.* Während die meisten Kinder und Jugendlichen gesund aufwachsen, haben 15 bis 20 Prozent deutlich schlechtere Gesundheitschancen: Jedes fünfte Kind hierzulande wächst in schwierigen sozialen Bedingungen auf. Das erhöht die Gefahr gesundheitlicher Risiken beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass Auffälligkeiten nicht adäquat behandelt werden. Unter anderem zählen Sehstörungen, schlechtes Hörvermögen, Sprachstörungen, Entwicklungsverzögerungen, Teilleistungs- und Bindungsstörungen zu den möglichen Folgen. Diese kommen oft erst mit der Einschulungsuntersuchung ans Licht und haben dann zumeist schon ernste Spuren hinterlassen.

Fehlende Handlungsalternativen

Gerade diesen Kindern fehlen oft ausreichende Bewältigungsressourcen.** Dazu zählen zum Beispiel die gefühlte soziale Unterstützung („Ich kann und darf mir Hilfe holen“) und die wahrgenommene Kontrolle über Ereignisse („Ich bin nicht ausgeliefert – ich habe die Kontrolle über mein Leben“). Diese fatale Schieflage betrifft insbesondere jüngere Kinder und solche aus Familien mit Migrationshintergrund.*** Sie kann zu Orientierungslosigkeit mit weniger konkreten Zielen führen sowie eine eher gleichgültige Haltung gegenüber der eigenen Umwelt bewirken. Das wiederum bedingt, dass sich die betroffenen jungen Menschen in neuen Situationen eher unbeholfen verhalten, bei Stress wenig Handlungsalternativen mache, ist sinnlos, ich kann nichts – aus mir wird nichts.

Neue Bewältigungsressourcen

Hier setzt das Projekt „BESThealthCARE“ an, das 2020 in vier SOS-Kinderdorf-Einrichtungen  anlief: im SOS-Kinderdorf Kaiserslautern sowie  in den SOS-Kinderdörfern Pfalz, Saar und  Saarbrücken. Kinder sollen zu Expertinnen und  Experten für ihre eigene Gesundheit werden.  Spüren, dass sie dazugehören und ihr Leben selbstwirksam gestalten können. Dieser Ansatz  geht im Sinne der Salutogenese davon aus, dass die Psyche Krisen beziehungsweise Herausforderungen besser bewältigen kann, wenn ihr mehr personale Ressourcen zur Verfügung stehen. Daher ist „BESThealthCARE“ ein Akronym aus: Bildungschancen – Entstigmatisierung –  Selbstwirksamkeit – Teilhabe – Chancengleichheit  – Armutsprävention – Resilienz – Erhalt von  Gesundheit.

Jährliches Netzwerktreffen

Die Schulung der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren  in den Einrichtungen erfolgt online. Die  Module umfassen einerseits praktische Inhalte, etwa Ernährung und Bewegungsverhalten verändern,  Bewusstsein für Wohlbefinden und Gesundheit, Stressmanagement und Achtsamkeit im Alltag, Gewalt- und Suchtprävention. Andererseits  geht es um ein umfassendes Verständnis  von Gesundheit als „Kompetenz, das eigene Leben  zu gestalten“ und die Kenntnis gesundheitsbeeinflussender Faktoren. Hinzu kommt unter anderem das Thema Partizipation, um die Idee  von der „Handhabbarkeit“ von Herausforderungen zu verstärken. Bei einem jährlichen Netzwerktreffen sollen die BESThealthCARE-Multiplikatorinnen und -moderatoren das Thema künftig  stetig im Austausch weiterentwickeln.*

* Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2018). Journal of Health Monitoring KiGGS Welle 2 – Gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen, September 2018, Ausgabe 3, Berlin: Robert Koch-Institut.
** Deutsches Kinderhilfswerk (DHKW) (Hrsg.) (2018). Kinderreport Deutschland 2018, Rechte von Kindern in Deutschland. Berlin: DKHW.
*** Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2017). Armutsmuster in Kindheit und Jugend, Längsschnittbetrachtungen von Kinderarmut, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

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