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Geschichte

Die Geschichte des SOS-Kinderdorf e.V.

Manchmal sind es die kleinen Ideen, die es schaffen, die Welt zu verändern: Vor über 60 Jahren gründete Hermann Gmeiner in Imst in Tirol das erste SOS-Kinderdorf. Waren es anfangs Waisenkinder, die in einem SOS-Kinderdorf lebten, gibt SOS-Kinderdorf heute hauptsächlich Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen ein neues Zuhause. Gleichzeitig wuchs SOS-Kinderdorf in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu einem bundesweit etablierten Jugendhilfeträger mit vielen unterschiedlichen Angeboten heran. Heute reicht das Spektrum von stationären und ambulanten Hilfen über Angebote zur schulischen und beruflichen Bildung sowie der Beratung für Familien bis hin zu vernetzten Hilfen im Sozialraum. Zudem ist seit den Anfängen 1949 über den ganzen Globus verteilt ein Netzwerk entstanden, das Kindern, Jugendlichen und Familien in Not hilft.So engagiert sich SOS-Kinderdorf heute in allen Bundesländern und über 130 Ländern der Welt dafür, positive Lebensbedingungen für benachteiligte junge Menschen und ihre Familien zu ermöglichen.

1955 - Gründungsjahr und Gründungsidee

1955 wird der SOS-Kinderdorf e.V. in Deutschland gegründet, damit fasst die Idee Hermann Gmeiners auch außerhalb Österreichs Fuß: Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können, sollen statt in großen Heimeinrichtungen in einer SOS-Kinderdorffamilie von einer SOS-Kinderdorfmutter als verlässliche Bezugsperson betreut und erzogen werden. Diese zur damaligen Zeit beinahe revolutionäre Form der familienähnlichen, alltagsorientierten Betreuung war in der Fachwelt durchaus umstritten, fand aber in der Bevölkerung große Unterstützung.

1956 - Das erste deutsche SOS-Kinderdorf

Bereits 1956 kann die Grundsteinlegung für das erste deutsche SOS-Kinderdorf in Dießen am Ammersee gefeiert werden, im Dezember 1957 ziehen die ersten Kinder mit ihrer Kinderdorfmutter ein. Die folgenden Jahre sind durch intensive Aufbauarbeit des SOS-Kinderdorf e.V. gekennzeichnet. 

1967 - Die Kinderdorfmutter

Die fachliche Qualifikation der Kinderdorfmütter wird ab 1967 durch eine zweijährige Ausbildung in der vereinseigenen "Mütterschule" intensiviert.

1971 - Die Kinderdorffamilien

Anfangs leben in den meisten Kinderdorffamilien sechs bis neun Kinder, in den Siebzigerjahren wird die Familiengröße allmählich auf fünf bis sechs Kinder reduziert. 

1967 bis 1974 - Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene

Die Erfahrungen in den SOS-Kinderdörfern zeigen, dass für Jugendliche und junge Erwachsene eigene Angebotsformen entwickelt werden müssen, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. So entstehen in den Sechzigerjahren zunächst Jugendhäuser und in den Siebzigerjahren Jugendwohngemeinschaften. In Weiterführung der Kinderdorfidee einer konstant zur Verfügung stehenden Bezugsperson lebt ein Betreuer(paar) in unmittelbarer Nachbarschaft der Einrichtung. Daneben werden ambulante Formen der Nach- und Einzelbetreuung entwickelt und Treffpunkte mit Beratungsmöglichkeiten aufgebaut. Im weiteren Verlauf entstehen auch stationäre Angebote für junge Erwachsene.

1978 - Dorfgemeinschaften als Lebensorte für Menschen mit Behinderung

In Kinderdörfern werden auch Kinder und Jugendliche betreut, die als junge Erwachsene nicht in der Lage sind, selbstständig zu leben. Für sie gibt es zunächst kaum weiterführende Hilfen. In der ersten SOS-Dorfgemeinschaft in Hohenroth finden dann ab Ende der Siebzigerjahre erwachsene Menschen mit geistigen Behinderungen einen Ort zum Leben und zum Arbeiten. Eine weitere Dorfgemeinschaft, Hof Bockum, wird 1986 gegründet. Die behinderten Menschen leben mit einem Betreuerehepaar in Familienhäusern zusammen. Die Dorfgemeinschaften bieten ihnen Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und in kleinen Werkstätten.

1977 - Beratung und präventive Hilfen

Ab 1977 entstehen sieben Erziehungsberatungsstellen, deren besonderes Ziel es ist, sozial benachteiligte Familien zu erreichen. Zwei Frühfördereinrichtungen bieten Eltern von Kindern mit Entwicklungsverzögerung oder Behinderung Beratung und therapeutische Hilfe. 1980 übernimmt der Verein die Trägerschaft für die Mütterzentren in Salzgitter und München-Neuaubing und steigt so verstärkt in die Arbeit für Mütter und Kinder ein.

1980 - Neue pädagogische Arbeitsfelder: Berufsausbildungszentren

Gesellschaftliche Problemlagen, wie die wachsende Jugendarbeitslosigkeit, werden aufgegriffen und neue pädagogische Arbeitsfelder erschlossen. 1980 entsteht das erste SOS-Berufsausbildungszentrum in Detmold für sozial benachteiligte Jugendliche, dem noch drei weitere Berufsausbildungszentren folgen. Die Ausbildung in anerkannten Berufen sowie berufsvorbereitende und -begleitende pädagogische Hilfen ermöglichen den Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben.

1990 - Vernetzung und Ausbau der Angebote in die neuen Bundesländer

Die Wiedervereinigung im Jahre 1990 stellt den SOS-Kinderdorf e.V. vor vielfältige Aufgaben und führt zu einer Phase des Aufbaus von Einrichtungen in den neuen Bundesländern. Es gilt, vernetzte Angebote zu entwickeln, die Kinder, Jugendliche und ihre Familien umfassend unterstützen und Hilfestellungen in der gesellschaftlichen Umbruchsituation bieten.

1999 - Professionalisierung der Kinderdorfmütter

Die Professionalisierung der Kinderdorfmütter wird vorangetrieben. Sie erhalten eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin und gestalten die Arbeit in der Kinderdorffamilie in einem Team mit weiteren pädagogischen Mitarbeitern.

2000 - Formulierung vereinsweiter pädagogischer Grundsätze

Es werden Rahmenvorgaben für die Zusammenarbeit im Team oder mit den Herkunftsfamilien ausgearbeitet und Handlungsleitlinien entwickelt.

Die Organisationsstruktur der SOS-Einrichtungen wird den sich verändernden Anforderungen der Jugendhilfe angepasst. Es entstehen vermehrt Angebote mit differenzierten Hilfen unter einem Dach. Das Leistungsspektrum wird ausgeweitet, in einzelnen Regionen werden Einrichtungen zusammengelegt.

2002 - Umstrukturierungen und Einführung eines Qualitätsentwicklungsverfahrens

Die Einschränkung der finanziellen Ressourcen in der Kinder- und Jugendhilfe wirkt sich auch auf die Entwicklung des SOS-Kinderdorf e.V. aus. Es lassen sich nur noch wenige zusätzliche Projekte realisieren, konzeptionelle Neuerungen werden verstärkt durch Umstrukturierungen innerhalb der bestehenden Einrichtungen umgesetzt. Die Qualität der Betreuung behält dabei weiterhin einen hohen Stellenwert, was zum Beispiel die Einführung eines vereinsweiten Programms zur Qualitätsarbeit zeigt.

2004 - Das erste städtische Kinderdorf

Ein bedeutendes, wegweisendes Modellprojekt ist das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit. Hier werden zum ersten Mal SOS-Kinderdorffamilien in einem städtischen Umfeld eingerichtet.

SOS-Kinderdorf heute 

Der SOS-Kinderdorfverein stellt heute bundesweit mit 38 Einrichtungen an über 230 Standorten eine breite Palette an sozialpädagogischen Dienstleistungen bereit. Über 4.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über 1.200 freiwillig Engagierte tragen zum Gelingen der Arbeit des Vereins bei. Sie kooperieren eng mit Initiativen und sozialen Trägern des jeweiligen Sozialraumes nach dem Motto, sich Problemen dort zu stellen, wo sie entstehen.

Unsere Aufgaben

Vernetzung von Hilfesystemen

Diese regional vernetzten Angebote sind zunehmend angesiedelt in den Überschneidungsbereichen von Jugendhilfe, Bildung und Schule, Jugendhilfe und Psychiatrie, Jugendhilfe und Jugendberufshilfe oder Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Ob in der schulbezogenen Sozialarbeit, den Frühen Hilfen, Angeboten der Familienaktivierung oder in Kindertagesstätten, die Erfahrungen zeigen immer wieder, dass auch Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen ermutigt und gefördert werden können, ihre körperliche und seelische Gesundheit und die sozialen Bedingungen selbst zu beeinflussen.

Frühzeitige Unterstützung

Alle Formen aufsuchender ambulanter Familienhilfen und offener Arbeit dienen dem Ziel, Kinder, Jugendliche und ihre Familien bei der Bewältigung belastender Lebenslagen frühzeitig zu unterstützen.

Nutzung von Entwicklungspotenzialen

Kinder und Jugendliche, die außerhalb ihres Elternhauses betreut werden müssen, werden dazu angeregt, ihre Entwicklungspotenziale zu entfalten und auszuschöpfen. Dass sich die Einrichtungen intensiv mit Themen wie Beteiligung und Kinderschutz befassen, verstärkt die Wirkung ihrer pädagogischen Unterstützung.

Unsere Angebote