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Interview Leiterin Programmentwicklung

"Ich möchte, dass jeder weiß, dass wir in der Hölle sind"

Darya Kasyanova ist seit fünfeinhalb Jahren die Leiterin der Programmentwicklung von SOS-Kinderdorf Ukraine. Im Interview spricht sie über die erschütternde Situation im Land und die Bemühungen, so viele Kinder wie möglich zu evakuieren.

Darya Kasyanova, Leiterin der Programmentwicklung von SOS-Kinderdorf Ukraine

Darya Kasyanova ist seit fünfeinhalb Jahren die Leiterin der Programmentwicklung von SOS-Kinderdorf Ukraine.

Wie haben Sie sich auf die aktuelle Situation vorbereitet?

Ich habe schon einmal sehr ähnliche Erfahrung gemacht. Im Jahr 2014, als der Krieg im Donbass begann, arbeitete ich für eine andere Organisation in Donezk. Als sich abzeichnete, dass der Ukraine ein Krieg bevorsteht, haben wir bereits im Dezember letzten Jahres aktiv mit der Regierung kommuniziert und um vorbereitende Schritte gebeten. Aber die Erfahrungen aus den Jahren 2014 und 2015 wurden nicht berücksichtigt. Der Krieg begann plötzlich und alles änderte sich schnell. Es ist bedauerlich, dass trotz aller Bemühungen von SOS-Kinderdorf und anderen Akteuren, u.a. des ukrainischen Netzwerks für Kinderrechte, die vorbereitenden Schritte für die Evakuierung von Kindern nicht rechtzeitig durchgeführt wurden. 

Wie viele Kinder leben in den Regionen, die jetzt Risikogebiete sind?

Die Zahl der Kinder beträgt etwa 4 Millionen. 1,5 Millionen davon leben in Hotspots, d.h. in Städten und Ortschaften, die derzeit blockiert sind, z.B. Irpin, Mariupol, Bucha, Hostomel, Stanytsia Luhanska, Sievierodonetsk, Starobilsk und Popasna. Einigen Heimen aus den Regionen Luhansk und Donezk ist es gelungen, die Kinder in die Westukraine zu evakuieren. 

Derzeit gibt es aber große Probleme bei der Evakuierung von Kindern in den Regionen Saporischschja, Charkiw, Mykolaiw, Sumy, Cherson, Schytomyr und Tschernihiw. Wir haben es geschafft rund 150 Kinder aus Babyheimen in Charkiw herauszuholen. Die Mitarbeiter vor Ort wollten zuerst bleiben. Eine Evakuierung der Kinder ohne sie ist aber illegal. Wir haben drei Tage lang auf sie eingeredet und waren schließlich erfolgreich. Die Menschen riskieren mit einer Evakuierung ihr Leben, da diese oft während Schießereien stattfinden.

Wie können Sie ihnen helfen?

Ich habe einen Brief an den UN-Ausschuss für Kinderrechte geschrieben und um die Öffnung humanitärer Korridore gebeten. Zwischen der ukrainischen Regierung und der Russischen Föderation wird derzeit über Korridore verhandelt. Informell gibt es dazu eine Vereinbarung, aber in der Praxis funktioniert es nicht. Man hat versucht einen humanitären Korridor von Mariupol aus einzurichten, aber niemand hat geschafft, ihn zu verlassen. Die russischen Streitkräfte eröffnen das Feuer auf Busse oder auf Menschen, die zu Fuß evakuiert werden. Die Menschen gehen also auf eigene Faust und nehmen nur mit, was sie tragen können. Ukrainische Soldaten helfen Kindern, Frauen oder Menschen, die nicht laufen können. Am Sonntag kam eine Familie mit zwei Kindern bei einer Evakuierung in Irpin ums Leben. Sie waren dabei eine Brücke zu überqueren, als das Feuer eröffnet wurde. 

Wie ist die Lage in den Städten, die blockiert sind?

Dort besteht die Gefahr, nicht nur durch Kugeln, sondern auch durch Hunger und Erfrierungen zu sterben. Die Menschen verstecken sich in Kellern. Es gibt keine Heizung und die Temperaturen in der Nacht betragen Minusgrade. Es gibt keinen Strom. Lebensmittel sind ein Problem, da die Menschen nichts mehr einkaufen können. In den Kellern befinden sich viele Babys. Ihre Mütter können sie nicht mehr stillen, weil viele ihre Milch verloren haben. Sie können ihnen aber auch keine Säuglingsnahrung geben, da diese nicht verfügbar ist. Viele Kinder sind ernsthaft gefährdet, an Hunger zu sterben. 

Was plant SOS-Kinderdorf Ukraine?

Wir werden weiterhin die Umsiedlung von Pflegefamilien aus dem Land in sicherere Orte koordinieren. Eine unserer größten Aufgaben ist aber auch die Unterstützung unserer Mitarbeiter. Wir müssen ihnen helfen, sich psychisch zu stabilisieren, andernfalls werden wir sie verlieren. Die Teams aus den Regionen Kiew und Luhansk haben hervorragende Arbeit geleistet. Sie haben große Anstrengungen unternommen, um die Pflegefamilien zu überzeugen, umzuziehen, bevor der Krieg begann. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Mitarbeiter zu unterstützen, damit sie ihre Arbeit fortsetzen können.

Haben Sie eine Botschaft an die Kollegen der SOS-Kinderdörfer in aller Welt?

Danke an alle, die der Ukraine beistehen und ihre Solidarität zum Ausdruck bringen. Danke an die Menschen, die unterstützen. Die Kinder und Familien in der Ukraine brauchen Ihre Hilfe. Das was hier in der Ukraine und in Europa geschieht, ist die Hölle. Ich möchte, dass jeder weiß, dass wir in der Hölle sind.
 

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