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Rodica Marinoiu
Interview

Soziale Verantwortung weitergeben

Der Welttag der humanitären Hilfe am 19. August lenkt den Blick auf die vielen humanitären Helferinnen und Helfer auf der ganzen Welt. Ihr Einsatz ist von unschätzbarem Wert, auch in der Ukraine-Hilfe. Rodica Marinoiu ist Leiterin des SOS-Kinderdorfs Hemeius in Rumänien. Seit diesem Jahr ist die ausgebildete Sozialarbeiterin auch für das humanitäre Hilfsprogramm im rumänischen Bacău für die vom Krieg in der Ukraine geflüchteten Kinder und Familien zuständig.


"Wenn ich nichts hätte tun können, wäre es schlimm für mich gewesen."

Zusätzlich zu Ihrem Engagement für rumänische Kinder und Familien haben Sie sich sofort an der Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine beteiligt. Warum?

Für mich war das selbstverständlich. Die Menschen brauchten Hilfe und wir konnten helfen. Nicht nur ich, sondern wir alle hier in Bacău und bei SOS-Kinderdorf Rumänien haben uns sofort engagiert. Für mich persönlich genügte es, die Bilder von den Menschen zu sehen, die vor dem Krieg ins Ungewisse fliehen. Es ist unsere soziale Verantwortung, alles zu tun, um zu helfen. Und wir wollen, dass sowohl unsere eigenen Kinder als auch jene in unseren Programmen mit einem ausgeprägten Sinn für diese Werte aufwachsen. Um das zu erreichen, wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen.

Wie helfen Sie den Menschen aus der Ukraine?

Vor ein paar Jahren sind unsere rumänischen Familien aus dem SOS-Kinderdorf Hemeius nach Bacau umgezogen. In der Folge hatten wir sechs leerstehende Häuser im Dorf, die wir sofort für ukrainische Familien geöffnet haben. Zum 1. Juni haben wir ein Sommerprogramm gestartet, das die Integration, gegenseitige Akzeptanz und das Verständnis zwischen den ukrainischen und den rumänischen Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung fördern soll. Es gibt Bildungs-, Kreativ- und Sportaktivitäten. Freitags ist immer Pfadfindertag, an dem alle außerhalb des Kinderdorfs gemeinsame Abenteuer erleben. Wir wollten ein Programm schaffen, das die ukrainischen Kinder zum Lächeln bringt und unbeschwerten Spielen anregt.

Wie geht es nach den Ferien mit der Schule weiter?

Die ukrainischen Familien haben ihre Kinder zum Onlineunterricht angemeldet und wir unterstützen sie mit einem Nachmittagsprogramm in der örtlichen Grundschule in Hemeius. Die Kinder haben durch die Pandemie fast zwei Jahre ihrer regulären Schulzeit verloren, so dass es von entscheidender Bedeutung ist, sie wieder an den regulären Schulunterricht heranzuführen.

Und wie helfen Sie den Eltern?

Einige haben noch ihre Jobs, denen sie online nachgehen können, und wir sorgen für eine schnelle und stabile Internetverbindung. Andere haben den Wunsch geäußert, vor Ort Arbeit zu finden. Wir konnten einigen von ihnen eine Beschäftigung in örtlichen Restaurants oder Fabriken vermitteln. Zwei Personen haben wir im Kinderdorf angestellt: einen Vater, Mykola, der handwerklich sehr geschickt ist, und Hanna, eine sehr engagierte Mutter, für die Hauswirtschaft.

Wie geht es Ihnen persönlich mit all dem, was Sie vom Schrecken des Kriegs in der Ukraine mitbekommen?

Wenn ich nichts hätte tun können, wäre es schlimm für mich gewesen. Aber so, mit allem, was wir getan haben und tun, geht es mir gut. Ich bin stolz darauf, dass SOS-Kinderdorf Rumänien vom ersten Tag an dabei war. Und auf alle meine Kolleginnen und Kollegen und die Arbeit, die wir leisten. Ich weiß, dass wir das Richtige tun! Wenn ich Kinder aus Rumänien und der Ukraine sehe, die sich umarmen, bekomme ich Gänsehaut.

Was erwarten Sie als Nächstes?

Ich glaube, es wird ein schwieriger Winter werden. Es werden mehr ukrainische Menschen kommen. Unser nächster Schritt als SOS-Kinderdorf ist es außerdem, mit den ukrainischen Familien ihre kurz- und mittelfristigen Ziele zu bestimmen. Wir haben einen Koordinator für unser ukrainisches Hilfsprogramm eingestellt, der sich eingehend damit befassen wird, wie wir diesen Menschen weiter helfen können. Sie hatten Zeit, sich zu erholen, und wir haben ihr Vertrauen gewonnen. Jetzt ist es unsere Aufgabe, ihnen mit psychosozialer Unterstützung zu helfen.

Sie werden also Ihren Platz räumen?

Das ist der Plan, aber ganz schaffen werde ich es wohl nicht. Ich werde auch weiterhin zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen, um diesen Menschen zu helfen. Ich werde weiter bei den Jugendlichen aus Bacău dafür werben, an unseren Integrationsaktivitäten teilzunehmen und Erfahrungen auszutauschen.

Was wünschen Sie sich für die Menschen aus der Ukraine?

Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört! Ich wünsche ihnen, dass sie Frieden finden, egal wo, denn ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin Programme für Kinder und Eltern entwickeln, damit sie sich sicher und willkommen fühlen. Und ich wünsche mir, dass wir mehr für die Eltern tun. Denn nur wenn die Eltern stark sind, sind auch die Kinder stark. Und starke Kinder sind unsere Zukunft.

Rodica Marinoiu

„Zum 1. Juni haben wir ein ein Sommerprogramm gestartet, das die Integration, gegenseitige Akzeptanz und das Verständnis zwischen den ukrainischen und den rumänischen Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung fördern soll. Es gibt Bildungs-, Kreativ- und Sportaktivitäten. Freitags ist immer Pfadfindertag, an dem alle außerhalb des Kinderdorfs gemeinsame Abenteuer erleben“, Rodica Marinoiu ist Leiterin des SOS-Kinderdorfs Hemeius in Rumänien.

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