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Programm für Menschen mit Behinderung
Flucht aus der Ukraine

SOS-Kinderdorf Ungarn hilft Menschen mit Behinderung

In den letzten Monaten waren Millionen von Geflüchteten gezwungen, die Ukraine zu verlassen. 90 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. In Ungarn sind bisher (07.06.2022) 698.420 Geflüchtete angekommen.* Das sind knapp 8 Prozent der Einwohner Ungarns, das insgesamt 9,7 Mio. Einwohner hat.** Unter den Geflüchteten sind auch Familien und Kinder mit Behinderung. Für diese hat SOS-Kinderdorf Ungarn ein neues Programm aufgelegt.

Bereits während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 war das ungarische SOS-Flüchtlingsprogramm aktiv an der Betreuung von Geflüchteten beteiligt. Nun nimmt es gemeinsam mit der öffentlichen Sozialgenossenschaft Strázsa Tanya Geflüchtete aus der Ukraine auf, die aufgrund ihrer Behinderung keine sonstige Betreuung finden können. Das Besondere an dem Programm ist, dass die Betroffenen nicht nur untergebracht und betreut werden, sondern auch fachgerechte Unterstützung erhalten.

Mittlerweile sind auf dem Bauernhof rund 90 Kilometer südlich von Budapest etwa 60 Kinder und Erwachsene mit allen Arten von Behinderungen angekommen. Einige bleiben nur ein paar Tage, andere ein paar Wochen und einige sind mit der ersten Gruppe Geflüchteter angekommen und leben immer noch hier. Es gibt unter anderem Menschen mit Mobilitätsproblemen, Autismus, Down-Syndrom, Sehbehinderung und einen Mann, der eine Gehirnoperation hinter sich hat. 

Mehr als eine Unterkunft

Der Hof ist viel mehr als nur eine Unterkunft für Geflüchtete, in der diese mit Essen und einem Dach über dem Kopf versorgt werden. Die Kinder erhalten dort Schul- und Sonderunterricht. Einige aus dem Grenzgebiet sprechen Ungarisch. Die meisten Kinder, die nur Ukrainisch sprechen, haben Online-Unterricht, so dass sie keine Schule suchen müssen. Und wenn sie nicht lernen, organisiert einer der Betreuer, Onkel Rudi, verschiedene Aktivitäten für sie: Reiten, Bogenschießen, Wandern und Angeln. Die Mitarbeiter*innen des Bauernhofs erledigen auch diverse Einkäufe und Besorgungen für sie, kaufen ihnen Medikamente und bringen sie zu medizinischen Untersuchungen. Alle tun ihr Bestes, damit sich alle wohl und geborgen fühlen.

"Es gab hier ein Mädchen, das mit niemandem sprach, sie war sehr introvertiert“, erzählt die Betriebsleiterin Beáta Németné Horváth. „Ich fragte sie, was ich tun könnte, um ihr eine Freude zu machen. Sie sagte, sie wolle tanzen, und wir hatten das große Glück, dass es hier im Ort einen großartigen Tanzlehrer gibt, der sie in seine Gruppe aufnahm. Von da an begann sie, sich zu öffnen. Und ihre Schwester wollte nähen, weil sie in der Ukraine eine Ausbildung zur Modedesignerin machte, die aber gerade erst begann. Wir brachten ihr eine Nähmaschine und riefen eine Näherin an, die sie anderthalb Monate lang dreimal pro Woche unterrichtete."

SOS-Mitarbeiterin Ágnes Romet-Balla ergänzt: „Dieser Ort ist wirklich eine kleine Insel, auf der jeder zur Ruhe kommen kann. Das überträgt sich auch auf die Kinder, wenn sie sehen, dass ihre Eltern ihre Sorgen ein bisschen vergessen können.“

Ohne Hilfe geht es nicht

90 Prozent der Geflüchteten, die in Strázsa Tanya ankommen, denken immer noch daran, wieder nach Hause zurückzukehren, wenn der Krieg vorbei ist. Denn dort haben sie und ihre Kinder ihre vertrauten Ärzte, ihre Sonderschullehrer, ihr vertrautes Leben. Die Frage ist nur, ob sie einen Ort haben werden, an den sie zurückkehren können. Denn es gibt Familien auf dem Hof, die hier erfahren haben, dass ihr Zuhause von den Bomben zerstört worden ist.

Strázsa Tanya ist auch als Sozialgenossenschaft tätig und kümmert sich seit 2010 um Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. „Wir haben nicht bei Null angefangen, denn wir haben schon vorher mit Menschen mit Behinderungen gearbeitet“, so die Betriebsleiterin. „Wir werden alles geben, solange der Krieg andauert und wir gebraucht werden. Aber ohne Hilfe wird es auf Dauer sicher nicht gehen. Daher sind wir dankbar für die Zusammenarbeit mit SOS-Kinderdorf und hoffen, dass sie uns weiterhin unterstützen können.“
 

Quellen: 
*https://data.humdata.org/visualization/ukraine-humanitarian-operations/
**https://www.ksh.hu/stadat_files/nep/en/nep0034.html (Hungarian Central Statistical Office)