Vier Jahre nach Beginn des Krieges in der Ukraine wachsen Kinder weiterhin in einem Alltag aus Luftalarmsirenen, Vertreibung, Stromausfällen und permanenter Unsicherheit auf. Sie haben Schreckliches wie den Tod von Angehörigen, die Zerstörung ihrer Häuser und den Verlust der Heimat erlebt. Für viele ist der Krieg zur prägenden Konstante ihrer gesamten Kindheit geworden.
Die Folgen sind tiefgreifend und reichen weit über die unmittelbare Bedrohung hinaus.
„Viele Kinder werden von normalen Kindheitserfahrungen sowie von Bildung und sozialer Teilhabe ausgeschlossen“,
erklärt Serhii Lukashov, Nationaldirektor von SOS-Kinderdorf Ukraine. Regelmäßige Unterbrechungen der Strom- und Heizungsversorgung, des Schulbetriebs und der Grundversorgung belasten Familien im ganzen Land.
Besonders im Winter verschärfen Angriffe auf die Energieinfrastruktur die Lage, sodass Kinder häufig aus unbeheizten Wohnungen in die Zentren von SOS-Kinderdorf Ukraine kommen. Trotz der massiven Belastungen zeigen viele Kinder eine bemerkenswerte Widerstandskraft.
„Sie erleben Traumata, Verluste und anhaltenden Stress, aber gleichzeitig verfügen sie über eine erstaunliche Fähigkeit zur Erholung“,
sagt die Psychologin Inha Palamarchuk.
Verlässliche Hilfe unter Dauerbelastung
Seit Beginn des Krieges hat SOS-Kinderdorf gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen mehr als 600.000 Menschen in der Ukraine unterstützt. In den Sozialzentren erhielten über 166.000 vertriebene Kinder und Eltern Hilfsgüter, Beratung und psychosoziale Betreuung. In mehr als 120 kinderfreundlichen Räumen finden Kinder landesweit geschützte Orte zum Spielen und Lernen, die ihnen trotz des Krieges ein Gefühl von Sicherheit und Normalität vermitteln. Zusätzlich werden 965 im Krieg verletzte Kinder und ihre Familien medizinisch, psychologisch und rehabilitativ unterstützt.
Diese Hilfe erfolgt unter extremen Bedingungen: Luftalarme unterbrechen die Arbeit, Stromausfälle erschweren den Alltag, viele Familien sind wiederholt auf der Flucht. Dennoch setzt SOS-Kinderdorf seine Unterstützung fort. Der Jahrestag des Kriegsbeginns ist Anlass zum Innehalten und zum Weitermachen.
„Unser Fokus liegt weiterhin auf den Menschen, denen wir dienen, und auf der Verpflichtung, ihnen beizustehen, unabhängig von den Herausforderungen“,
betont Serhii Lukashov. Die Wünsche vieler Kinder bleiben dabei schlicht: Die 9-jährige Eva sagt:
„Ich wünsche mir, dass der Krieg endet und mein Vater nach Hause kommt.“
Foto ganz oben: Kinder und Betreuerinnen in Bunker im SOS-Kinderdorf in Brovary.