SOS-Kinderdorfmutter Oksana
Doppelte Tragödie für vier Geschwister

Kinderdorfmutter Oksana öffnet die Herzen

Als Flug 9268 am 31. Oktober 2015 auf dem Weg nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abstürzt, sterben alle 224 Personen an Bord – unter ihnen auch SOS-Kinderdorf Mutter Elena.

Die vier Geschwister Leyna, 7 Jahre alt, Katarina 8, Llia 9 und Artemi 11 Jahre alt lebten gerade erst sechs Monate im SOS-Kinderdorf St. Petersburg, da ihre leibliche Mutter starb. Sie freuten sich auf die Rückkehr ihrer Kinderdorfmutter Elena. Sie waren gerade dabei Vertrauen zu Elena fassen, nannten sie „Mama“. Doch der Flugzeugabsturz entreißt ihnen auch die zweite Mutter. Er stellt das Leben der Kinder wieder auf den Kopf. Für sie bricht eine Welt zusammen. Sie sind traumatisiert. Ihr Vertrauen ist gebrochen.

„Die ersten zwei Monate waren sehr schwierig.“

SOS-Kinderdorfmutter Oksana

Die erste Zeit war für Oksana sehr schwierig.

Oksana, selbst Mutter zweier erwachsener Kinder, soll fortan die neue Kinderdorfmutter der vier Geschwister sein. Sie weiß, wie traumatisiert die Kinder sein müssen. Sie möchte alles tun, das Vertrauen der Geschwister zu gewinnen. Und das geht nur sehr langsam und behutsam, denn die Kinder haben große Angst eine weitere Bezugsperson zu verlieren.

„Die ersten zwei Monate waren sehr schwierig. Die Kinder waren ganz offensichtlich traumatisiert und mir gegenüber sehr reserviert. Ich war eine Fremde für sie“, so Oksana heute. Die Mädchen ziehen sich zurück und bleiben lieber für sich. Und dennoch: „Für sie war es leichter meine Aufmerksamkeit anzunehmen. Wir malten zusammen, gingen spazieren und spielten zusammen. Sie fingen an mir zu vertrauen“, erzählt Oksana. Doch für den Ältesten Artemi ist es schwieriger. Er zieht sich zurück, spricht nicht mehr. Er trauert.

SOS-Kinderdorfmutter Oksana mit Leyna, Llia und Katarina

Oksana beim Basteln mit Leyna, Llia und Katarina – zu ihnen war es leichter eine Verbindung aufzubauen.

Einige Wochen später wird die siebenjährige Leyna krank. Sie hat hohes Fieber. Oksana beschließt ihr nicht von der Seite zu weichen, sie zu beobachten und wenn nötig ins Krankenhaus zu fahren. Am nächsten Tag geht es Leyna schon viel besser. Lächelnd sitzt sie am Frühstückstisch. Als Artemi das sieht und merkt, dass Kinderdorfmutter Oksana gut auf seine Geschwister aufpasst, ist das der Wendepunkt. Artemi fängt an Vertrauen zu Oksana zu fassen. „In diesem Moment, spürte ich, dass Artemi mich mit anderen Augen sah“, sagt Oksana sichtlich gerührt und wischt sich eine Träne von der Wange.

„Für mich war das wahre Mutter-Kind-Liebe“

SOS-Kinderdorfmutter Oksana und Artiem

Es dauerte, aber letztendlich schloss auch Artemi zu Oksana Vertrauen.

Am wichtigsten ist es für Oksana ruhig und vorhersehbar und immer für die Kinder da zu sein. Und in kleinen Schritten fasst auch Artemi wieder Vertrauen. Er fängt wieder an zu sprechen, die Schwestern nennen Oksana „Mama“. Sie machen viel zusammen, gehen spazieren, kochen, spielen. Und letztendlich nehmen die Geschwister Oksana als neue Kinderdorfmutter an. „Es war eine Erleichterung als sie letztendlich zu mir kamen und mich um Hilfe baten. Sie begannen die Zeit mit mir zu genießen. Sie wollten mich öfter umarmen. Als sie anfingen ‚Gute Nacht‘ zu sagen, bevor sie ins Bett gingen, fühlte sich das sehr gut an“, erzählt Oksana. „Man muss sich die Tragödie vorstellen, die diese Kinder durchlebt haben und doch sind sie noch in der Lage Liebe und Zuneigung zu empfinden. Sie haben mich akzeptiert und sich mir geöffnet und dafür bin ich sehr dankbar.“ Als Artemi ihr dann ein Bild schenkt, auf dem steht „für die beste Mama Oksana“, kann sie die Tränen kaum noch zurückhalten. Sie umarmt ihn und gibt ihm einen Kuss auf die Wange – und Artemi weist sie nicht zurück. „Für mich war das wahre Mutter-Kind-Liebe“, erklärt Oksana.

SOS-Kinderdorf St. Petersburg


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