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SOS-Kinderdorf-Pate besucht Patenkinder in Thailand
Thailand

Als Gast im SOS-Kinderdorf Bangpoo - ein Pate berichtet

Als Gast in Bangpoo und doch wie daheim

Ein Reisebericht von SOS-Kinderdorfpate Manfred Schröder

Angefangen hat alles, als ich 1965 bei der Eröffnung des SOS-Kinderdorfs Worpswede die Bekanntschaft Hermann Gmeiners machte. Dieser ruhige, charismatische Mann mit seinem herzlichen, warmen Lächeln, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei mir, so dass ich kurz nach dieser Begegnung Mitglied bei SOS-Kinderdorf wurde.

SOS-Kinderdörfer in Thailand

Übersicht über die SOS-Kinderdörfer in Thailand

1989 beschloss ich dann die Patenschaft für ein Kind aus Hinterbrühl in Österreich zu übernehmen. Durch meine Tätigkeit als Außenhandelskaufmann bin ich sehr viel in der Welt herumgekommen und habe das Elend in über 40 Ländern auf allen Kontinenten gesehen, ja erlebt, und weiß nun genau: heil ist diese Welt nirgendwo. Mittlerweile habe ich schon sieben Patenkinder in die Selbständigkeit begleitet.

Meine Überzeugung, so vielen wie möglich eine heile und beschützte Kindheit in einer liebevollen Familie zu geben, ließ mich 2009 erneut zum dreifachen Paten werden. Der zehnjährige Den, seine drei Jahre ältere Schwester Noodeng sowie Peng (14), die – keine 24 Stunden alt – nur in eine Decke gehüllt gefunden wurde, leben im SOS-Kinderdorf Bangpoo in Thailand, wo ich sie bereit sechsmal besucht habe.


Mein letzter Besuch im Jahre 2018

SOS-Kinderdorf Thailand hilft elternlosen Kindern und Jugendlichen

Blick auf das SOS-Kinderdorf Bangpoo

Die Klimaanlage des Autos, welches mich nach Bangpoo bringen sollte, hatte zugegeben ihre beste Zeit längst hinter sich, ebenso wie das Auto wohl auch. Es war Mitte November, nach dem ersten Vollmond, was eigentlich das Ende der Regenzeit bedeutete. Ich war daher hoffnungsvoll, es würde nicht so feucht-heiß werden. Doch ich irrte mich; das Thermometer an der Autoarmatur zeigte 39 Grad. Zum Glück hatte der Fahrer ein paar Tücher bei sich, da mir der Schweiß schon nach 20 Minuten in den Nacken lief.

Einer der Höhepunkte auf Reisen

Normalerweise wäre ich wohl in mein Hotel zurückgefahren, doch mein Ziel war an diesem Tag so motivierend, dass ich diesen Gedanken, so schnell wie er gekommen war, auch gleich wieder verwarf. Etliche Male hatte ich schon Den, Peng und Noondeng im SOS-Kinderdorf in Bangpoo besucht. Jedes mal war es für mich einer der Höhepunkte meiner Asien- bzw. Australienreise. Um es vorwegzunehmen: das war auch dieses Mal so.

Königin Sirikit mit SOS-Kinderdorfgründer Hermann Gmeiner

Königin Sirikit mit SOS-Kinderdorfgründer Hermann Gmeiner

Nachdem mein Fahrer die 36 km Entfernung in dem Verkehrsgewühl der Großstadt in knapp 1½ Stunden (!) bewältigt hatte, tauchte endlich – umgeben von diversen Bananenplantagen – an einem langen, nicht all zu breiten Flusslauf das kleine SOS-Kinderdorf auf. Hier war noch eine schmale Brücke zu überfahren, welche die Zufahrt zum Dorf ermöglichte. Die Anlage wurde übrigens vor rund 30 Jahren als erste in Thailand – noch zu Lebzeiten von Herrmann Gmeiner - von Königin Sirikit als Schirmherrin begründet. Sie war von dem Konzept sofort begeistert, nachdem sie bei einem Staatsbesuch in Österreich das erste Kinderdorf in Imst kennengelernt hatte.

Nach rund 60 Metern hielt mein Fahrer vor dem Verwaltungsgebäude, in dem ich, da ich meinen Besuch angekündigt hatte, sofort sehr respektvoll und freundlich der buddhistischen Art entsprechend begrüßt wurde. Zudem reichte mir die Sekretärin, welche mich als Dolmetscherin im weiteren Verlauf begleitete, einen wohltuend erfrischenden Eistee.

Wenig später stand ich, wie immer ein wenig freudig aufgeregt, vor dem Haus Nummer 1. Peng mit einem Glas Wasser, Noondeng mit einer leuchtend roten Blüte und ihr jüngerer Bruder Den mit einem Schuhlöffel (die Schuhe stehen alle sehr geordnet neben der Eingangstür) waren gleich herzlich begrüßend an der Tür. Khun Kongkrip, die SOS-Kinderdorfmutter der zehn Kinder, führte mich in das etwa 80 qm große Haus. Dieses hat zwei Ebenen; im oberen Bereich befinden die sehr einfachen, aber ebenso sauberen zwei Schlafräume à fünf Betten plus Waschraum.

Viel Herzenswärme und Liebe

Wir blieben unten im großen Wohnraum, wo sich neben der Küche das Tagesleben abspielt. Die lange hölzerne Sitzbank an der Wand ist umgeben von wohl mehr als 100 Fotos – Khun Krongtip hat insgesamt schon 39 Kinder mit viel Herzenswärme in Liebe großgezogen. Des weiteren gibt es einen großen Tisch mit zwei Sitzbänken. Das Meiste spielt sich jedoch auf dem sehr sauberen Holzfußboden ab, wo zunächst erwartungsvoll die Geschenke ausgepackt wurden. Sehr angetan bin ich immer von der entspannten und respektvollen Art, in der die Kinder sich begegnen.

SOS-Kinderdorf-Pate besucht SOS-Patenkinder in Thailand

SOS-Kinderdorffamilie beim Auspacken der Geschenke

Die etwas älteren Kinder unterstützen die Mutter und kümmern sich um die jüngeren Geschwister in einer in unserem Kulturkreis kaum gesehenen Art. Das materielle Denken erscheint mir hier nicht vorhanden und das familiäre Zusammenleben ist geprägt vom gegenseitigen Verstehen, Akzeptieren und selbstlosen Helfen.

Später haben wir bei Wasser oder Tee auf dem Fußboden sitzend zu zwölft unsere Mango-, Bananen-, Papaja- oder Drachenfruchtstückchen gegessen. Peng hat mir noch ihr Können an Tempeltänzen in erfrischender Weise vorgeführt, während Den schon darauf wartete, dass ich mit ihm auf der Wiese Fußball spielte. Noondeng hatte Freude, der Mutter in der Küche zu helfen oder sich für den Besuch fein zu machen, bevor sie in den Gärten noch nach schönen Blumen für mich suchte.

Das SOS-Kinderdorf Bangpoo besteht übrigens aus zwölf Häusern mit jeweils zehn Kindern, einem Jugendhaus, einem Kindergarten und einem Mutterhaus, in welchem die Mütter später ihren Lebensabend verbringen. Dort bekommen sie auch in hohem Maße Besuch von ihren vielen ehemaligen Kindern, die sie groß gezogen haben. Und auch ich werde wiederkommen, denn die Begegnungen mit den Kindern sind eine unglaubliche Bereicherung.