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Eucaris und ihre vier Kinder
Flucht nach Brasilien

Der lange Weg der Familie Rivera

Als die 37-jährige Eucaris vor knapp drei Jahren mit ihren Kindern aus Venezuela nach Brasilien flüchtet, ahnt sie nicht, wie schwierig es werden würde, in einem fremden Land für ihre Familie zu sorgen.

Eucaris Rivera hoffte auf ein besseres Leben für sich und ihre vier Kinder Melissa (7), Daniel (6), Laura (3) und Bruno (5 Monate)* in Brasilien. Stattdessen fand sie sich – wie viele venezolanische Flüchtlinge – auf der Straße wieder.

Eucaris ist eine von fast vier Millionen Venezolanern, die aufgrund wirtschaftlicher Not und Gewalt in das benachbarte Brasilien geflüchtet sind. Im August 2019 verließ die alleinerziehende Mutter mit den beiden ältesten Kindern, Melissa und Daniel, ihre Heimatstadt in Venezuela. Sie überquerten die Grenze zu Brasilien und mussten anderthalb Tage zu Fuß gehen, bis sie Paracaimba erreichten. Von dort fuhren sie mit dem Bus in die etwa 220 Kilometer von der Grenze entfernte Bundeshauptstadt Boa Vista. Später reiste Eucaris noch einmal nach Venezuela zurück, um die kleine Laura zu holen. Ihre anderen beiden Kinder ließ sie unterdessen in der Obhut einer anderen venezolanischen Familie.

Die ersten beiden Monate in Brasilien, schlief die kleine Familie auf der Straße. Erst als  sie vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR aufgelesen wurden, kamen sie in eine Flüchtlingsunterkunft.

„Es ist schwer als alleinerziehende Mutter. Einerseits muss ich mich um die Kinder kümmern, andererseits aber auch arbeiten gehen“, erklärt sie. In der Flüchtlingsunterkunft kann sie ihre Kinder nun auch alleine lassen, um arbeiten zu gehen. Die älteren Kinder kümmern sich dann um die kleine Laura. Im Dezember 2020 brachte sie Bruno zur Welt, der jetzt fünf Monate alt ist.

„Brasilien ohne Grenzen“

Brasilien beherbergt nach Kolumbien mit die meisten venezolanischen Flüchtlinge. Seit 2018 flohen insgesamt vier Millionen Menschen aus Venezuela, 260.000 davon sind jetzt in Brasilien. Auf der Suche nach einem besseren Leben, leben viele von ihnen nach wie vor unter schrecklichen Bedingungen in Brasilien, erklärt Michele Mansor, die Programmdirektorin von SOS-Kinderdorf Brasilien.

„Wenn die Familien hier ankommen, kennen sie niemanden, der sie unterstützen könnte“, sagt Michele Mansor. „Die größten Herausforderungen für sie sind die fremde Sprache, die Anerkennung ihres Studienabschlusses – wenn sie einen haben – und die Eingliederung in den Arbeitsmarkt.“ Im Januar 2021 konnten die Riveras zusammen mit vier anderen Familien in das SOS-Kinderdorf in Sao Paulo umziehen.

SOS-Kinderdorf Brasilien arbeitet seit vier Jahren mit UNHCR an dem Projekt „Brasilien ohne Grenzen“. Die vier Häuser im SOS-Kinderdorf, die für Flüchtlinge eröffnet wurden, haben Wohnzimmer, Küche und Waschküche zur gemeinschaftlichen Nutzung und separate Schlafzimmer. Bis zu 13 Familien können hier wohnen. In der Regel bleiben sie drei bis sechs Monate bis sie eine stabiles Einkommen und eine Wohnung gefunden haben.

SOS-Kinderdorf bietet venezolanischen Familien aber auch Hilfe beim Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, Unterstützung bei der Arbeitssuche, der Integration in die Gemeinschaft sowie Beratung in Erziehungsfragen. Bislang konnte mit dem Projekt fast 300 venezolanischen Flüchtlingen geholfen werden, darunter 74 Familien und 80 Kinder – eine davon ist Eucaris mit ihren Kindern.

„Unser Wunsch ist es, die Familien mit allem Nötigen zu unterstützen, damit sie selbständig werden und in unserem Land ein besseres Leben führen können“, erklärt Michele Mansor.

Eucaris‘ nächste Schritte

Als Eucaris und ihre Kinder in Brasilien ankamen, hatten sie kaum Kleidung und waren so mangelernährt, dass es ihre Gesundheit gefährdete. Nachdem die Familie mit grundlegenden Dingen, wie Unterkunft, Nahrung und Kleidung, versorgt war, unterstützte SOS-Kinderdorf die alleinerziehende Mutter nun auch mit der Erziehung der vier Kinder. Außerdem erhält sie von UNHCR finanzielle Unterstützung.

Die beiden älteren Kinder, Melissa und Daniel, gehen derzeit zur Schule. Eucaris sucht einen Job, aber als alleinerziehende Mutter mit Baby ist das schwierig. Manchmal helfen auch ihre Nachbarn aus. Doch eine langfristige Lösung ist das nicht. Daher versucht SOS-Kinderdorf, ein Netzwerk von alleinerziehenden Müttern aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützen können. Außerdem lernt Eucaris inzwischen auch Portugiesisch, um ihre Chancen auf einen Job zu verbessern.

Die Beziehung zu ihren Kindern ist mittlerweile viel stärker geworden, sagt Eucaris. Sie setzt alles, was sie lernt, in die Praxis um.

*Alle Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

SOS-Kinderdorf in Venezuela

Damit Familien, wie die von Eucaris, erst gar nicht ein ein anderes Land flüchten müssen, leistet SOS-Kinderdorf mit seinen Programmen auch in Venezuela gezielte Hilfe vor Ort. Das SOS-Familienstärkungsprogramm in Maracay erreicht aktuell 545 Kinder und Eltern in 140 Familien, die in Not geraten sind und bietet den Familien Unterstützung. In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Organisationen ermöglicht das Programm unterschiedliche Dienstleistungen wie Tagesbetreuung  für Kleinkinder und Schulungen für Eltern, damit sie kleine Betriebe in Ihren Heimatorten gründen können, um sich selbst zu versorgen. Damit die Kinder in einer sicheren Umgebung aufwachsen, bietet das Programm Kinderschutz-Workshops und Erziehungsberatung an. Den Kindern wird der Zugang zu Bildung sichergestellt, indem die Kosten für Schulgebühren und –materialien übernommen werden.



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