Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
Celigny Darius, Nationaler Direktor bei SOS-Kinderdorf Haiti
Interview mit Celigny Darius

„Wenn die Familie arm ist, landen die Kinder oft auf der Straße oder werden kriminell“

Céligny Darius, Nationaler Direktor bei SOS-Kinderdorf Haiti, erzählt im Interview von den Problemen des Karibikstaats, der mit Armut und Naturkatastrophen zu kämpfen hat, und wie SOS-Kinderdorf haitianischen Kindern und Familien hilft.  

Herr Darius, in den vergangenen Jahren gab es auf Haiti gleich mehrere Naturkatastrophen: zuerst das Erdbeben 2010, dann Hurrikane Matthew vor zwei und Hurrikane Irma vor einem Jahr. Wie geht es den Menschen auf Haiti heute?

Die Situation der Menschen, die von den Katastrophen betroffen waren, ist merklich besser geworden. Auch wenn man feststellen muss, dass all das Geld, das die internationale Gemeinschaft Haiti versprochen hat, nie hier ankam. Doch die Menschen haben sehr von der Unterstützung verschiedener Hilfsorganisationen profitiert, die zerstörte Häuser wieder aufgebaut und Familien unterstützt haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass uns zukünftige Naturkatastrophen nichts mehr anhaben könnten.

Welche Rolle hat SOS-Kinderdorf beim Wiederaufbau gespielt?

SOS-Kinderdorf Haiti hat direkt mit den Menschen vor Ort gearbeitet. Die Organisation hat vier Schulen im Süden des Landes, Wohnhäuser und die Hermann-Gmeiner-Schule in Les Cayes wieder aufgebaut, die durch das Erdbeben 2010 schwer beschädigt oder sogar zerstört waren. SOS-Kinderdorf hat großartige Arbeit vor Ort geleistet. Von den haitianischen Behörden kann ich das nicht sagen.

Naturkatastrophen sind aber nicht das einzige Problem für Haitis Familien.

Nein, haitianische Familien haben andere große Probleme. Viele leben in Armut und können deshalb die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht richtig erfüllen. Wenn die Familie arm ist, landen die Kinder oft auf der Straße oder werden kriminell. Außerdem ist es alarmierend, wie viele Kinder keinen Zugang zu Bildung haben, obwohl das in der Verfassung verankert ist. Ein weiteres großes Problem ist die Inflation. Wegen ihr werden viele haitianische Familien jeden Tag ärmer und sind nicht mehr in der Lage ihre Kinder zu ernähren.

Wie hilft SOS-Kinderdorf hier?

SOS-Kinderdorf Haiti hat drei Schulen und ein Berufsausbildungszentrum, das über 800 jungen Menschen eine Ausbildung in verschiedenen Disziplinen ermöglicht. Wir wissen, das ist nicht viel, verglichen mit dem Bedarf der hierzulande herrscht. Deshalb arbeiten wir mit anderen Schulen im ganzen Land zusammen, um so vielen Kindern wie möglich eine Ausbildung zu ermöglichen. In den Kinderdörfern kümmern wir uns langfristig um verlassene oder verwaiste Kinder. Und das Familienstärkungsprogramm arbeitet mit den Gemeinschaften und sorgt dafür, dass Eltern sich besser um ihre Kinder kümmern können. Zusammen mit anderen Projekten arbeiten wir so mit über 11.000 Familien zusammen.

Haben Jungen und Mädchen in Haiti die gleichen Chancen, zum Beispiel auf Bildung?

Früher durften nur Jungen in die Schule, heute ist das anders. Heute haben auch Mädchen Zugang zu Bildung. In den Familien ändert sich viel. Auch die haitianische Verfassung schreibt gleiche Rechte für alle vor. Öffentliche Ämter müssen bis zu 30 Prozent mit Frauen besetzt sein und Frauen erreichen höhere Positionen an der Spitze des Staates. In unseren SOS-Einrichtungen haben Jungen und Mädchen die gleichen Möglichkeiten. In unseren Programmen sind insgesamt deutlich mehr Mädchen als Jungen und mehr Frauen als Männer.

Was muss getan werden, damit alle Kinder auf Haiti die gleichen Chancen haben?

Der Staat muss in die Bedürfnisse der Menschen investieren. Er kann nicht einfach nur zusehen, wie Kinder abgehängt werden und Familien verhungern. Wir von SOS-Kinderdorf Haiti machen deshalb viel Lobby- und Advocacy-Arbeit beim haitianischen Staat. Als Hilfsorganisation werden wir nie alle Probleme des Landes lösen können. Deshalb vernetzen wir uns und stellen so sicher, dass der Staat seiner Verantwortung gerecht wird.