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Roberta und ihre Kinder aus Bolivien
SOS-Familienstärkungsprogramm

Schulbildung für Jairo

Über ein Drittel der Bolivianer lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Schere zwischen Arm und Reich klafft sehr weit auseinander. 10 Prozent der Bevölkerung müssen trotz Arbeit mit weniger als 3,20 US-Dollar am Tag auskommen. Die sozialen Probleme des Landes wie hohe Säuglingssterblichkeit, Kinderarbeit und eingeschränkter Zugang zu Bildung sind gravierend.

Viele Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. 40 Prozent der Bevölkerung haben keinen Sekundarschulabschluss. Zudem ist Kinderarbeit in Bolivien bereits ab dem 10. Lebensjahr gesetzlich erlaubt, etwa 14 Prozent aller bolivianischen Kinder zwischen sieben und 15 Jahren müssen arbeiten.
 

Grassierende Armut

Während die meist weiße Oberschicht mit allen Annehmlichkeiten lebt, leisten die fast zwei Drittel Indígenas in den Städten Schwerst- oder Hilfsarbeiten. Vor allem die Region um die Stadt Potosí, die einst zu den reichsten des Landes gehörte, ist mittlerweile verarmt. Die historische Benachteiligung indigener Bevölkerungsgruppen setzt sich hier bis heute fort.

Gefährdete Bildung

Der Schutz von Kinderrechten ist in Bolivien nicht sehr gefestigt, Kinderarbeit ist so stark verbreitet, dass sie im Straßenbild niemandem auffällt. Statt zur Schule zu gehen, verkaufen Kinder bspw. Obst auf dem Markt. Doch ohne Bildung sind ihre Chancen auf eine geregelte Arbeit als Erwachsene gering, und der Kreislauf der Armut setzt sich fort.

Folgen von COVID-19

Die Coronapandemie verschärft die Not der ärmsten Familien in Bolivien erheblich. Arbeitslosigkeit und Armut im Land steigen. Betroffene Familien haben ein erhöhtes Risiko, an Corona zu erkranken, da sie ohne fließendes Wasser oder Zugang zur Gesundheitsversorgung leben.

Die Geschichte von Jairo

Roberta und ihre Kinder im Hochland

Im Video erhalten Sie Einblicke, wie Jairo und seine Familie lebt.


So hilft SOS-Kinderdorf

Die von uns betreuten Familien leben in äußerster Armut unter sehr schwierigen sozialen und finanziellen Bedingungen. Unser Familienstärkungsprogramm setzt auf Kinderbetreuung sowie Entwicklung und Förderung der sozialen und beruflichen Kompetenzen der Eltern, damit die Familien nicht auseinanderbrechen. Teilnehmende Kinder erhalten finanzielle Unterstützung bei Schulgebühren und -materialien.

Unsere Angebote sind gut in das öffentliche Leben integriert. In den uns zur Verfügung gestellten Gebäuden bieten wir bspw. Aus- und Fortbildung für Eltern, Beratung und Tagesbetreuung für die Kinder an. Die teilnehmenden Eltern werden aktiv miteinbezogen, indem sie Aufgaben wie Kochen, Reinigung der Räume und Reparaturen übernehmen. Der Austausch untereinander und das soziale Netzwerk, das hierbei entsteht, sind sehr wichtig für die Teilnehmenden.


Beratung und Aufklärung

Wir bieten Erziehungsberatung und Informationsveranstaltungen an, die Eltern über Kinder-, Frauen- und Arbeitnehmerrechte aufklären. Gesundheitsvorsorge, Bildungsangebote und Arbeitsvermittlung helfen Müttern und Vätern, die Zukunftsperspektiven ihrer Kinder nachhaltig zu verbessern.

Kinderbetreuung

Die Tagesbetreuung gibt arbeitenden Eltern und alleinerziehenden Müttern die Möglichkeit, ihre Kinder in sicherer Obhut zu belassen, während sie selbst den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Die Kinder bekommen täglich drei Mahlzeiten und es werden regelmäßig medizinische Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt.

Mikrokredite

Teilnehmende Eltern werden u.a. mit finanzieller Beratung und Mikrokrediten zum Aufbau eines eigenen Betriebs unterstützt, sodass sie ihre Familien aus eigener Kraft aus der Armut führen können.

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So können Sie helfen!

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Das können Sie beispielsweise bewirken

82856

14

monatliche Schulgebühren in der Sekundarschule für ein Kind

82856

26

Ausstattung eines Kindes mit Büchern, Stiften, Heften für den Hausunterricht

82856

118

regelmäßige medizinische Untersuchung für ein Kind jährlich

82856

131

ein Monatsvorrat an Hygiene- und Präventionsartikeln für eine Familie

82856

840

Tagesbetreuung eines Kindes für ein Jahr

82856

2820

Nahrungsmittel für eine sechsköpfige Familie jährlich

Interview mit Guido Pecho, Programmdirektor bei SOS-Kinderdorf Bolivien

Wie hat sich die Pandemie auf die von SOS-Kinderdorf betreuten Familien in Bolivien ausgewirkt?

In der Familienstärkung ist die Situation seit Beginn der Krise sehr kompliziert. Die meisten teilnehmenden Eltern arbeiten auf dem informellen Sektor. Sie haben keine Krankenversicherung und es fehlt ihnen an digitalen Geräten. Für uns war es anfangs schwierig, die Familien weiterhin kontinuierlich zu betreuen. Die wirtschaftliche Unterstützung war jedoch immer gewährleistet. Wir entwickelten neue Methoden der Begleitung durch Telefonanrufe und über WhatsApp. So konnten wir die Familien gerade in schwierigen Momenten weiter unterstützen. Zudem organisierten wir telefonische Hilfe und Gesundheitsberatung durch ÄrztInnen.

Die landesweiten Ausgangssperren trugen zu einem Anstieg von häuslicher Gewalt bei. Die Armut nahm zu, vielen mangelt es an Nahrungsmitteln. Jetzt, da wir uns vollständig an die bestehenden Einschränkungen angepasst haben, führen alle Programme ihre Arbeit per Telefon oder mittels Videokonferenzen durch. Wir entwickeln verschiedene Aufgaben und Aktivitäten, die das Wohlergehen und eine gesunde Entwicklung der Kinder gewährleisten. Zudem geben wir den Familien technische oder emotionale Unterstützung, je nachdem wie die Situation es gerade erfordert.

Hat sich die Lage im Land durch die Pandemie verschlechtert? Wenn ja, wie wirkt sich das auf gefährdete Kinder und Familien aus?

Die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, mit denen die Familien in unserem Familienstärkungsprogramm konfrontiert sind, wirken sich direkt auf die Situation der Kinder aus. Viele Eltern haben ihren Arbeitsplatz verloren oder konnten während des Lockdowns kein Einkommen erwirtschaften, da der informelle Verkauf von Produkten auf der Straße verboten war. Kindergärten waren geschlossen, und die meisten Eltern konnten ihre Kinder nicht alleine lassen. Der Engpass bei einigen Produkten und der Preisanstieg verschärften die Situation noch weiter. Das Gesundheitssystem war durch COVID-19 hoffnungslos überlastet, und viele blieben lieber zu Hause, statt zum Arzt zu gehen, was lebensgefährlich sein kann.

Was war im Hinblick auf den Umgang mit der Pandemie und die Folgen der Beschränkungen bisher am schwierigsten?

Die meisten Familien hatten nicht die notwendigen Geräte, um an Online-Angeboten unseres Familienstärkungsprogramms teilzunehmen. Wir konnten sie jedoch mit Laptops und Mobiltelefonen ausstatten, die inzwischen zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden sind. Die Enge sorgte für Stress und Verzweiflung in den Familien. Wir arbeiten aber daran und bieten den Kindern und ihren Müttern emotionale Unterstützung.

Für die Familien in den Gemeinden ist es sehr kompliziert geworden, ihren täglichen Lebensunterhalt zu verdienen. Die ersten Monate waren am chaotischsten, weil sich die Familien nicht mit den Gesundheits-Vorsichtsmaßnahmen auskannten und auch keine Geräte hatten, mit denen eine Kommunikation per Videoanruf möglich gewesen wäre. Wir haben kontinuierlich mit den Familien gearbeitet, damit sie die Vorsichtsmaßnahmen innerhalb und außerhalb ihres Zuhauses umsetzen können. Es werden auch Online-Schulungen zum Gemüseanbau durchgeführt, sodass jede Familie in ihrem Garten ein Beet anlegen kann.

Wie wird sich die Pandemie Ihrer Meinung nach langfristig auf Kinder und Familien auswirken?

Der wirtschaftliche Aspekt betrifft alle Lebensbereiche: persönlich, familiär, staatlich und auch unsere Arbeit als SOS-Kinderdorf Bolivien. Aber das Schlimmste ist die Gefährdung der Familien. Der Kampf für Kinderrechte hat im Moment keine Priorität. Die Pandemiebekämpfung wird über alle anderen Entwicklungsbelange gestellt, die allgemeine Gesundheit und der Bildungssektor werden dadurch ernsthaft beeinträchtigt.

In der Familienstärkung arbeiten wir an der Minimierung langfristiger negativer Folgen für die Kinder: Alle Familien erhalten Kurse und Schulungen zu Themen wie Gesundheit, Ernährung und Hilfe zur Selbsthilfe.

Dennoch ist die Arbeitslosigkeit ein latentes Problem, das im Moment kaum gelöst werden kann. Die teilnehmenden Familien sind aber optimistisch und dankbar für die Unterstützung, die sie von uns erhalten. Und das zeigt den Wunsch, voranzukommen und für das Wohlergehen der eigenen Kinder zu sorgen.

Bolivien: hartes Leben für Familien in den Anden

Erfahren Sie hier mehr über das Leben in den Anden von Bolivien.