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SOS-Kinderdorf hilft Hexenkindern im Benin
Aberglaube ist im Benin weit verbreitet

Das Schicksal der vermeintlichen Hexenkinder

Aberglaube ist im Benin weit verbreitet. Was in westlichen Länder befremdlich erscheinen mag, ist für viele Menschen im Benin althergebrachte Tradition. "Hexenkinder" sind so ein Phänomen. Kinder, die mit den Füßen voran geboren werden oder denen der erste Zahn im Oberkiefer anstelle des Unterkiefers wächst, gelten als verhext. Wenn sie Glück haben, werden diese Kinder zu einem Heiler gebracht, der den Fluch aufhebt. Kinder jedoch, deren Familien sich das Geld für den Heiler nicht leisten können, laufen Gefahr verstoßen oder gar getötet zu werden.


Überleben bei SOS - Die „Hexenkinder“ von Paracou


SOS-Kinderdorf im Benin hilft notleidenden Kindern

Viele Kinder werden aus Aberglaube im Benin als vermeintliche Hexenkinder verstoßen.

Mit verängstigten Augen legt sich die kleine Marie auf den Boden. Die Siebenjährige weiß nicht, was jetzt mit ihr geschieht. Der Mann, der uns in einem Hinterhof am Rande der Stadt Paracou zu Marie geführt hat, nennt sich „Heiler“. Wir sind im westafrikanischen Benin, auch am späten Nachmittag sind es fast vierzig Grad. Der Mann trägt weiße Kleidung und legt Marie jetzt eine Münze unter ihr Schulterblatt, dann soll sie sich flach auf den Boden legen, mit ausgestreckten Armen und Beinen. Der „Heiler“ steigt viermal über Marie und berührt jeweils mit seinem nackten Fuß ihren Bauch. Das war’s- Marie ist geheilt.

Aberglaube ist weit verbreitet

Was aus westlichen Augen wie ein wilder Hokuspokus anmutet, ist in Teilen von Benin althergebrachte Tradition. Sogenannte „Hexenkinder“ müssen geheilt werden, wenn sie dem Tod entkommen sollen. Als „Hexenkinder“ gelten Kinder, die mit den Füßen voran geboren werden, deren Mutter bei der Geburt stirbt oder Kinder, die ihre ersten Zähne oben statt wie üblicherweise im Unterkiefer bekommen. All diese Kinder laufen Gefahr, von ihren Eltern geächtet zu werden.

Und nicht immer geht die „Heilung“ so zügig vonstatten, wie bei der kleinen Marie. Andere Heiler lassen sich viel Zeit, oft dauert die Prozedur mehrere Wochen oder sogar Monate. Bei einem Heiler in Bori beispielsweise leben fünf Kinder, die zur Austreibung ihres Hexenkind-Makels gleich im Haus übernachten. Kostenpunkt für ihre Familien: 20.000 Francs, was etwa 30 Euro entspricht. Außerdem sind eine Ziege, ein Huhn, Salz und Chilischoten als Opfergaben zu entrichten. Ein stattlicher Preis, den sich in einem Land wie Benin längst nicht jede Familie leisten kann. 

Viele „Hexenkinder“ werden verstoßen

SOS-Kinderdorf Benin hilft notleidenden Kindern und ihren Familien

SOS-Sozialarbeiterin Fidèle Chabi Guiya hilft den verstoßenen Kindern.

Auch deshalb werden nicht alle betroffenen Kinder zu einem „Heiler“ gebracht. In ländlichen Regionen ist es bis heute üblich, dass Eltern sie von einem sogenannten „Fixer“ töten lassen. „Früher wurden viele von ihnen getötet, heute geben die Eltern sie oft einfach weg oder die Kinder werden von Aktivisten gerettet, die sie dann aufnehmen oder in Waisenhäuser bringen.“ erklärt Sozialarbeiterin Fidèle Chabi Guiya. Die junge Frau, selbst im siebten Monat schwanger, arbeitet für SOS-Kinderdorf in Benin und hat uns auf dem Weg zu dem Heiler in Paracou begleitet. 

SOS-Kinderdorf nimmt sich der "Hexenkinder" an

In den drei SOS-Kinderdörfern in Benin leben einige der sogenannten „Hexenkinder“. Zum Beispiel Romaric. Der 12-Jährige wurde von seinen Eltern verstoßen. Er selbst hat daran keine Erinnerung und weiß nichts von seinem Schicksal als „Hexenkind“. Eine Bekannte aus dem Dorf hat ihn damals bei SOS abgegeben, da war Romaric gerade mal zwei Jahre alt. 

Seine SOS-Mutter Geneviève schüttelt traurig den Kopf. „Unfassbar, dass so viele Menschen in Benin diesem Aberglauben anhängen. Wie kann ich denn mein eigenes Kind weggeben oder sogar töten? Wenn Romaric nicht hier bei uns untergekommen wäre, ich weiß nicht, was aus ihm geworden wäre.“

Geneviève ist eine liebevolle aber strenge Mutter. Alle Kinder müssen im Haus ihren Pflichten nachkommen, auch Romaric. Der würde zwar lieber gleich mit dem Fußball losziehen, wenn er aus der Schule kommt, aber Hausaufgaben machen und dann noch etwas Küchenarbeit haben Vorrang.

Guido ist heute Lehrer

SOS-Kinderdorf kämpft gegen den Aberglauben und hilft notleidenden Kindern

Guido mit seiner SOS-Kinderdorfmutter

Am Nachmittag kommt Guido zu Besuch. Der 26-Jährige ist heute Lehrer an einer Schule in Natitingou. Auch er war ein sogenanntes „Hexenkind“, wurde mit den Füßen voran geboren. Heute führt er ein selbständiges Leben und besucht regelmäßig seine SOS-Mutter, der er so viel zu verdanken hat. „Ich habe hier so viel Liebe bekommen, das hätten meine echten Eltern auf gar keinen Fall besser machen können, aber die wollten mich ja eh nicht haben“, lacht der 26-Jährige und legt den Arm um die massige Gestalt seiner „Mama“.

Offizielle Zahlen gibt es nicht

Es gibt keine offiziellen Zahlen zum Phänomen „Hexenkinder“ in Benin, aber Teile der Gesellschaft scheinen nach wie vor zu akzeptieren, dass dieser Aberglaube existiert. In Paracou, im Umfeld des „Heilers“ den wir gemeinsam mit Fidèle besuchen, sind sich die Frauen jedenfalls ganz sicher, dass es „Hexenkinder“ gibt. Selbst nach den „Heilungen“ muss dann oft eine neue Familie oder ein Waisenhaus für die Kinder gesucht werden, weil die biologische Familie sich weigert, das Kind zurückzunehmen. 

SOS arbeitet in Paracou mit einer lokalen Organisation zusammen, die sich um die Aufnahme der Kinder kümmert. In einem Waisenhaus leben ca. 35 Kinder, „Hexenkinder“, Aidswaisen oder Kinder aus extrem armen Familien. „Keiner kennt hier die genaue Geschichte des anderen und es werden auch keine Fragen gestellt“, erzählt Madame Justine Zossoungbo, die Leiterin der Einrichtung. „Wir nehmen die Kinder auf, manchmal vermitteln wir sie zu SOS-Kinderdorf, andere bleiben während ihrer gesamten Kindheit hier.“

Nicht alle Kinder haben so viel Glück wie Marie

Im Hinterhof beim „Heiler“ hat sich Marie von dem Schreck schnell erholt. Dem Mädchen ist nichts passiert, ob hier gerade jemand „geheilt“ wurde ist für uns nicht ersichtlich - wovon auch? Marie läuft zum Spielen mit den anderen Kindern auf den Innenhof.

Fest steht, dass ein Aberglaube viele Kinder von ihren Familien fortreißt und dass diese „Tradition“ trotz vieler kritischer Stimmen in Benin immer noch weiterlebt. Und dass nicht alle dieser Kinder das Glück haben, so wie Guido oder Romaric von SOS-Kinderdorf gerettet zu werden.

SOS-Kinderdorf hilft Hexenkindern im Benin

SOS-Kinderdorf hilft diesen Kindern. In Zusammenarbeit mit ortsansässigen Organisationen leisten wir Aufklärungsarbeit bei der lokalen Bevölkerung. Kinder, die dennoch nicht zu ihren Familien zurückkehren können, finden in unseren drei SOS-Kinderdörfern ein neues Zuhause.

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