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SOS-Kinder- und Jugendrat
Der SOS-Kinder- und Jugendrat

Kindern eine Stimme geben

Eine Stimme für andere junge Menschen sein, damit die Kinderrechte endlich ins Grundgesetz kommen. Das ist der Traum der Jugendlichen aus dem Kinder- und Jugendrat von SOS-Kinderdorf. In Berlin haben sie sich gemeinsam getroffen.

„Kinder und Jugendliche sollten in jedem Alter wählen dürfen. Zumindest dann, wenn sie selbst ihre Wahlunterlagen ausfüllen und abgeben können“, sagt John (21), einer der neun Vorstände des Kinder- und Jugendrats von SOS-Kinderdorf. Aufgewachsen ist er im Kinderdorf Saar. „Ein Grundschüler kann noch nicht selbst wählen, seine Eltern könnten ihn beeinflussen“, entgegnet ihm sein Vorstandskollege Sabisan (18), der in der Wohngruppe vom SOS-Kinderdorf in Kaiserslautern wohnt. Im großen Tagungsraum der Botschaft für Kinder von SOS-Kinderdorf ist heute viel los. Immer wieder fliegen Finger schnell in die Höhe. Reden, aber der Reihe nach! 

Nur eine Viertelstunde zu Fuß vom Berliner Bundestag entfernt – da wo die Erwachsenen Politik machen – haben sich 27 Jugendliche aus ganz Deutschland getroffen. Ihre Aufgabe: Sie machen sich im Alltag für die Rechte der von SOS-Kinderdorf betreuten Kinder stark, aber auch für die Rechte aller jungen Menschen auf der politischen Bühne. Gewählt wurden sie von den Bewohnern ihrer heimischen SOS-Kinderdörfer. Einmal pro Jahr treffen sich die Jugendlichen in Berlin, um ihr gemeinsames Engagement voranzubringen und Neues über Politik zu lernen.

Austausch mit Politik-Profis

Heute haben sie Besuch von Kevin Hönicke, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Berlin. Der ehemalige Physik- und Mathelehrer mit dem blonden Pferdeschwanz und der lockeren Art kommt gut an. „Müssten wir jetzt einen Beschluss darüber fassen, ob das Wahlalter abgesenkt oder sogar komplett abgeschafft wird, wäre es selbst in unserer kleinen Runde nicht so einfach, eine Mehrheit zu bekommen“, erklärt der 37-Jährige. „Es müssen immer andere Menschen überzeugt und Kompromisse gefunden werden.“ 

„Wie realistisch ist es, dass wir eines Tages als Kinder- und Jugendrat im Bundestag sprechen können, damit man uns zuhört und uns ernst nimmt?“, fragt die 19-jährige Lea den Politiker. Sie spricht aus, was der Traum der meisten Jugendlichen im Rat ist: wichtigen Politikern zu sagen, welche Dinge sie bewegen und was sie sich für die Zukunft von Kindern wünschen. „Das ist sehr realistisch“, antwortet ihr der Bezirksbürgermeister. „Ihr müsst nur dranbleiben, hartnäckig sein, euch immer wieder an Fraktionen, Präsidien und Vorstände wenden.“

Lea strahlt. Hartnäckig kann sie sein. Vor allem gegen Ungerechtigkeiten will sie kämpfen, erklärt sie. Mit neun Jahren ist sie ins SOS-Kinderdorf Sauerland gekommen, weil „ihre Eltern es nicht geschafft haben, Eltern zu sein.“ Schon früh war sie Sprecherin für andere Kinder und Jugendliche im Dorf. „Ich habe gemerkt, dass es ruhigeren Geschwistern im Dorf schwerfiel, sich für ihre Rechte einzusetzen. Als eher extrovertierter Mensch habe ich mich für sie stark gemacht.“ Mittlerweile ist die Abiturientin aus ihrem SOS-Kinderdorf ausgezogen, setzt sich aber immer noch für ihre „Geschwister“ ein. Denn sie kenne ja deren Probleme ganz genau. Als Vorständin des Rats möchte sie gern „eine Stimme für alle Kinder“ sein. 

Wie Lobbying funktioniert

Was sie und die anderen Kinder und Jugendlichen gerne mit den Politikern im Bundestag diskutieren würden? Auf der Agenda von Lea, John, Sabisan und den anderen Mitgliedern des Rats stehen viele Themen. „Neben dem Wahlalter geht es uns zum Beispiel um ein gerechteres Schulsystem, Therapien für Kinder oder um mehr Unterstützung für Care Leaver – junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in betreuten Wohngruppen oder Pflegefamilien verbracht haben – und jetzt in ein eigenständiges Leben starten wollen“, erklärt John. Wie es dem Rat gelingen kann, sich mit seinen Themen Gehör zu verschaffen, erfahren die Jugendlichen in der SOS-Botschaft auch von Fabia Koerpernick, Politikberaterin von Miller & Meier Consulting: „Wisst ihr was Lobbying ist? Und welche Werkzeuge kennt ihr dafür?“, fragt sie in die Runde.

SOS-Kinder- und Jugendrat

Wie es dem SOS-Kinder- und Jugendrat gelingen kann, sich mit seinen Themen Gehör zu verschaffen, erfahren die Jugendlichen in der SOS-Botschaft für Kinder.

Twitter, demonstrieren, Positionspapier, parlamentarischer Abend, Roundtable – schnell füllt sich das Flipchart mit Begriffen, die die Jugendlichen ihr zu werfen. Nachdem Koerpernick den Rat in die „Geheimnisse“ des Lobbyings eingeweiht hat, verfassen die Jugendlichen ihre ersten Positionspapiere in verschiedenen Arbeitsgruppen. Das Team von Vorständin Vanessa will erreichen, dass auch Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren eine Psychotherapie machen können – ohne Zustimmung ihrer Eltern. „Was ist genau das Problem? Wie können wir eine Forderung formulieren und den passenden Hashtag dazu?“, fragt die 21-Jährige und verteilt mit ruhiger Stimme Aufgaben an die Jüngeren. Der angehenden Erzieherin, die im Kinderdorf Saarbrücken aufgewachsen ist, macht es sichtlich Spaß, die kleine Runde anzuleiten. „Ich fand es früher toll, wie unsere Kinderdorfmutter mit uns gespielt oder vorgelesen hat, deshalb wollte ich schon immer gerne in den pädagogischen Bereich.“ 

Vanessas größter Wunsch für ihre Arbeit im Kinderrat? „Die Kinderrechte müssen endlich in das Grundgesetz!“ Das finden auch ihre Vorstandskollegen- und kolleginnen Tamir (15) aus dem Kinderdorf Kaiserslautern und Ceylan (21), die früher im Kinderdorf Worpswede gelebt hat und jetzt Medieninformatik studieren möchte. „Wir wollen nicht nur ein Alibi für Politiker sein, mit denen sie ein schönes Foto machen können. Wir wollen wirklich was bewegen“, sagt Ceylan. Gerade die Corona-Zeit hätte gezeigt, dass die Stimme von jungen Menschen viel zu wenig gehört würde. „Das muss sich endlich ändern!“

SOS-Kinder- und Jugendrat

Der SOS-Kinder- und Jugendrat mit SOS-Pädagogin Karen Silvester