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Alex mit dem einjährigen Max
Mutter-Vater-Kind-Wohnen

Starthilfe fürs Familienleben

Wenn Eltern mit ihren Kindern überfordert sind, brauchen sie Hilfe. Für dringliche Fälle gibt es im SOS-Kinderdorf Thüringen die Mutter-Vater-Kind-Wohngruppe. Eltern und Kinder finden dort nicht nur ein Zuhause auf Zeit, sondern vor allem Unterstützung dabei, als Familie zusammenzuwachsen.

Zwei Wochen lang waren Mama Alex und Baby Max in Wiesbaden. Sie haben Max‘ ersten Geburtstag gefeiert, Zeit mit Alex‘ Mutter verbracht und einfach ein paar unbeschwerte Tage als Familie genossen. Doch so unbeschwert war das Leben der 24-Jährigen nicht immer.

„Mein absoluter Albtraum war es, alleine und schwanger auf der Straße zu stehen.“

Alex, Bewohnerin

Im Winter 2020 hatte die junge Frau gerade erfahren, dass sie zum ersten Mal schwanger war. Doch sorglos freuen konnte sie sich damals über diese Nachricht nicht. Denn die Beziehung zum Vater des Kindes war für Alex schon länger zur Belastung geworden. „Ich bin wegen ihm nach Gera gezogen. Aber hier hatte ich keine Freunde und auch das Verhältnis zu meiner Familie hat sich immer mehr verschlechtert, bis wir irgendwann gar keinen Kontakt mehr hatten“, erzählt Alex. Sie fühlte sich zunehmend isoliert und auch von ihrem Freund mit der Schwangerschaft allein gelassen. Als Alex‘ Freund dann noch wegen Betrugsdelikten zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird und die Miete nicht mehr bezahlt hatte, wandte sie sich an das Jugendamt. Zu ihrem Glück erkannten die Mitarbeiter dort schnell den Ernst ihrer Lage und verwiesen sie an die Mutter-Vater-Kind-Wohngruppe des SOS-Kinderdorfs Thüringen.

Die Wohngruppe ist in einem dreistöckigen Wohnhaus untergebracht und bietet Platz für neun Eltern und ihre Kinder. Die meisten sind Frauen, nahezu alle alleinerziehend und viele noch sehr jung. Einige haben finanzielle Schwierigkeiten, andere kämpfen mit Suchtproblemen oder können keine Bindung zu ihren Kindern aufbauen. Gemeinsam haben sie alle, „dass in ihrer aktuellen Situation das Wohl ihrer Kinder nicht mehr sichergestellt werden kann“, erklärt Sozialpädagogin Anna Eggert.

Alex mit Sohn Max

So unbeschwert wie heute war Alex’ Leben nicht immer.

„Es war ja mein erstes Kind und ich war so unsicher.“

Alex


„Wenn Eltern hier ankommen, geht es erst einmal darum, sie zu stabilisieren und dann herauszufinden, wie es zu der aktuellen Situation gekommen ist“, erklärt Anna. „Und dann arbeiten wir zusammen daran, dass sie sich nicht wiederholt.“ Mit einer Situation haben die Pädagogen dabei  in der Wohngruppe besonders oft zu tun: „Die meisten unserer Eltern sind selber in Familien groß geworden, in denen sich nicht richtig um sie gekümmert wurde. Sie haben dadurch vieles nicht mitbekommen und müssen es erst mühsam lernen“, so Anna. Als Alex in der Wohngruppe ankam, war sie im vierten Monat schwanger und voller Ängste: „Es war ja mein erstes Kind und ich war so unsicher“, erinnert sich die 24-Jährige. „Ich wusste gar nicht, wie ich mit einem Baby umgehen soll. Um Alex die Angst zu nehmen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, führte Anna sie nach ihrem Einzug in die Wohngruppe schrittweise an die Mutterrolle heran.

Anna, Alex und Max beim Spielen

Anna Eggert arbeitet seit fünf Jahren als Sozialpädagogin in der Wohngruppe und führte Alex schrittweise an die Mutterrolle heran.

„Das Mutter-Vater-Kind-Wohnen ist sehr auf Selbstständigkeit ausgelegt.“

Anna, Sozialpädagogin


Anna und ihre Kollegen begleiten den Alltag in der Wohngruppe nicht nur, gemeinsam mit den Bewohnern gestalten sie ihn auch. Im Treppenhaus erzählen gerahmte Fotos an den Wänden von schönen Momenten, die Eltern und Kinder hier schon hatten: lachende Gesichter beim Ausflug an den Badesee, bunte Kostüme auf der Faschingsparty und große Augen unterm weihnachtlich geschmückten Tannenbaum. Die Familien sollen sich in der Wohngruppe wohlfühlen, dazu tragen gemeinsame Aktivitäten genauso bei wie die gemütliche Einrichtung der Wohnräume. Jede Familie bekommt ihr eigenes Zimmer; Küche, Bad und Wohnzimmer werden stockwerkweise geteilt. „Die Bewohner gehen selber einkaufen, kochen für sich und ihre Kinder und putzen ihre Bereiche“, erklärt Anna, „das Haus ist sehr auf Selbstständigkeit ausgelegt.“

Ganz ohne Regeln geht es trotzdem nicht. Im Flur im Erdgeschoss hängt eine Pinnwand, auf der die Bewohner eintragen müssen, wann sie unterwegs sind. Um 19 Uhr sollen an einem normalen Abend alle zu Hause sein. Auch erstellen die Betreuer mit den Bewohnern Wochenpläne, auf denen festgelegt wird, was wann für sie und die Kinder erledigt werden muss. „Es geht darum, sich wieder an eine gewisse Struktur zu gewöhnen und die auch für die Kinder aufrechtzuerhalten", erklärt Anna.

„Wie Alex sich entwickelt hat, ist wirklich großartig.“

Anna

Und Alex hat sich in der Wohngruppe sehr stark entwickelt, auch wenn ihr selbst ihre Veränderung gar nicht so auffalle, wie die 24-Jährige sagt. „Aber ich merke, ich bin selbstständiger und selbstbewusster geworden. Und ich freue mich, dass Max und ich so eine enge Bindung haben.“ Ihre Bezugsbetreuerin Anna wird da schon deutlicher: „Wie Alex sich entwickelt hat, ist wirklich großartig.“ In den vergangenen Monaten hat Anna sich deshalb auch mehr und mehr aus der Betreuung der jungen Frau zurückgezogen: „Das ist ja der Idealfall: dass wir uns mit unserer Arbeit im Laufe der Zeit selbst überflüssig machen und die Eltern zurück in ein eigenständiges Leben können“, sagt Anna.

In Alex‘ Fall deutet alles auf einen solchen Erfolg hin. In wenigen Monaten will Alex ganz aus der Wohngruppe aus- und mit Max zurück in ihre Heimatstadt ziehen. Mit dem Vater ihres Sohnes ist sie inzwischen nicht mehr zusammen und in Gera hält sie jetzt nichts mehr. Leicht sei ihr die Trennung nicht gefallen, aber sie sei die richtige Entscheidung gewesen, meint Alex. In Wiesbaden möchte sie nun noch einmal ganz neu anfangen, eine Ausbildung machen und sich und Max wieder ein eigenes Leben aufbauen. Die Vorfreude darauf kann man Alex ansehen. „Endlich habe ich nicht mehr das Gefühl, mein Leben steckt in einer Sackgasse.“

Anna, Alex und Max

„Wie Alex sich entwickelt hat, ist wirklich großartig“, sagt Sozialpädagogin Anna. Alex möchte bald aus dem Mutter-Vater-Kind-Wohnen ausziehen und mit ihrem Sohn in die Heimat zurückziehen.


Erfahren Sie mehr über das SOS-Kinderdorf Thüringen