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Ben, Ehemaliger aus dem SOS-Kinderdorf Niederrhein
Ehemaliger aus dem SOS-Kinderdorf Niederrhein

Mit Rückenwind in die Selbständigkeit

Vor vier Jahren ist Ben aus dem SOS-Kinderdorf Niederrhein in Kleve-Materborn ausgezogen – ein wichtiger Schritt, um erwachsen zu werden, und der Start in eine aufregende Lebensphase mit vielen Entscheidungen. SOS-Kinderdorf hat ihn unterstützt und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle in seinem Leben.

Endlich 18! Endlich erwachsen! – das denken viele Jugendliche, wenn sie volljährig werden. Sie genießen neue Freiheiten und erproben die Selbständigkeit. „Das war schon cool zu erleben, dass ich machen kann, was ich will, dass ich frei in meinen Entscheidungen bin“, erinnert sich Ben an die Zeit, als er seine SOS-Kinderdorffamilie verließ.

Halt und Liebe in der SOS-Kinderdorffamilie

Als Ben mit neun Jahren ins SOS-Kinderdorf Niederrhein in Kleve-Materborn kam, fand er das erst einmal gar nicht gut: „Das war ein komisches Gefühl, belastend und beängstigend“, sagt der 22-Jährige. Doch das Kinderdorf wurde schnell zu seinem Zuhause, zu seiner Kinderdorfmutter Ursel baute er eine enge Beziehung auf. Zuneigung, Halt und Liebe in einer Familie zu erfahren, das war etwas Neues und Besonderes. Mit zwölf hat Ben gemerkt, „dass ich im Kinderdorf Wurzeln geschlagen habe, mit 14 erkannt, dass die Zeit schon bald vorbei ist“, denn das Jugendhilfegesetz sieht vor, dass 18-Jährige ausziehen.

Einen neuen richtigen Platz finden

Da junge Erwachsene aber gerade in dieser Lebensphase Unterstützung brauchen, kümmert sich SOS-Kinderdorf auch weiter um die Jugendlichen. Diese professionelle Begleitung nach dem 18. Lebensjahr bezahlen viele Jugendämter nicht mehr. Im Jahr vor dem Auszug wohnte Ben zur Probe in der Verselbständigungsgruppe des SOS-Kinderdorfs in Kleve. Hier leben „Care-Leaver“ – junge Erwachsene – die in einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe aufgewachsen sind, nachdem sie diese verlassen haben, um ein selbständiges Leben zu führen. Sozialpädagogen und Betreuer helfen den Care-Leavern, mit der neuen Eigenständigkeit zurecht zu kommen und helfen ihnen zum Beispiel bei Angelegenheiten mit Behörden, wie Bafög- oder Kindergeldanträgen.

Das Verselbständigungswohnen sagte Ben aber erst nicht zu. Und auch das zweite Probewohnen beim leiblichen Vater ging schief. Ben stand vor den Fragen: Wie geht es weiter? Was ist besser für mich? Und entschied sich letztlich doch für die Verselbständigungsgruppe des SOS-Kinderdorfs.

Ankommen in einem eigenständigen Leben

Ben, Ehemaliger aus dem SOS-Kinderdorf Niederrhein

Heute steht Ben gern am Herd, brät Fleisch, kocht Spinat, macht Pesto und belegt Sandwiches – eine gesunde Ernährung ist ihm wichtig. „Ich nehme mir Zeit dafür. Das macht mir Spaß.“


Der Start in das eigenständige Leben war wie für viele junge Menschen auch für Ben nicht einfach. „Im Kinderdorf stand das Essen immer auf den Tisch. Jetzt musste ich alles selbst machen.“ Ordnung in der Wohnung halten, putzen, Wäsche waschen, trotz des Schulbesuchs pünktlich zu Arztterminen kommen und den Führerschein machen. Heute steht Ben gern am Herd, brät Fleisch, kocht Spinat, macht Pesto und belegt Sandwiches – eine gesunde Ernährung ist ihm wichtig. „Ich nehme mir Zeit dafür. Das macht mir Spaß.“

Emotionaler Rückhalt in Krisen

In der Verselbständigungsgruppe baute Ben enge Kontakte zu den Betreuerinnen Inge Walter und Bianca Turek auf. „Die waren für mich da, wenn es nötig war, auch in Krisen. Etwa als meine Freundin und ich uns getrennt haben, worunter ich sehr gelitten habe. Da merkt man, dass sie dich ernst nehmen.“ Und sie haben ihm bei einem weiteren wichtigen Schitt in dieser ohnehin schon aufreibenden Lebensphase unterstützt: Ben musste entscheiden, wie es schulisch weitergeht.

Wichtige Entscheidungen treffen

Noch im Kinderdorf hatte Ben entschieden, das Fachabitur im Berufsfeld Sozial- und Gesundheitswesen am Berufskolleg Placidahaus in Xanten zu machen. Im Sommer 2018 hatte er es in der Tasche. Danach absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in der LVR-Klinik Bedburg-Hau, in der psychisch und neurologisch erkrankte Menschen betreut und gepflegt werden und entschied sich, die dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger zu absolvieren, die er im Frühjahr 2019 auch begonnen hat.

Als Ben 21 Jahre alt wurde, endete die Jugendhilfe und damit die Unterstützung des SOS-Kinderdorfs. Der junge Mann verließ die Verselbständigungsgruppe. Um genau zu sein: Die Verselbständigungsgruppe verließ ihn, denn sie ist in einen Neubau gleich um die Ecke in der Kermisdahlstraße umgezogen. Er selbst konnte in einer Wohnung im alten Haus in der Kalkarer Straße bleiben. Das SOS-Kinderdorf Niederrhein hat kurzerhand die Rolle des Vermieters übernommen, um der Not an bezahlbarem Wohnraum zu begegnen. Zu seinen Betreuerinnen hält Ben heute privat Kontakt und zählt sie – neben der Kinderdorfmutter und den Erziehern – zu seiner Familie. „Inge und Bianca machen mehr als ihren Job. Sie haben immer ein offenes Ohr und helfen mir, obwohl sie nicht mehr dafür bezahlt werden. Das sind tolle Menschen.“


Auf dem Weg in ein eigenständiges Leben

Heranwachsende müssen auf vielen Ebenen Verantwortung für sich selbst übernehmen – in der Organisation des Alltags, in finanziellen Angelegenheiten, in der Ausbildung oder im Studium sowie beim Aufbau von Kontakten und Beziehungen. SOS-Kinderdorf unterstützt junge Erwachsene in diesem Prozess. Grundlage dafür sind Regelungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz und der Paragraph 41 des SGB VIII. Demnach können Jugendämter Hilfen bis zum 21. Lebensjahr und in bestimmten Fällen auch darüber hinaus bewilligen.

Nach ihrem Auszug bietet SOS-Kinderdorf Unterstützungskonzepte für Care-Leaver, die je nach Bedarf unterschiedlich stark strukturiert sind, beispielsweise betreute Wohngemeinschaften, Verselbständigungsgruppen oder regelmäßige Treffs. Fachkräfte stehen den Jugendlichen beratend zur Seite und geben emotionalen Rückhalt.