Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
Kinder im Blick - Kurse für Kinder und geschiedene Eltern
Paarberatung

Zusammen auf Abstand – Wie kommen Elternpaare durch die Pandemie?

Corona-Krise – das bedeutet Existenzangst, Lagerkoller, finanzielle Probleme, Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen. Außerdem sind Beruf und Familie noch schwerer vereinbar als in normalen Zeiten. Wir erleben zur Zeit eine nie dagewesene Ausnahmesituation und sind dadurch sehr gestresst. Kein Wunder, dass sich das auch auf Paarbeziehungen auswirkt. Was heißt das konkret? Was ist anders für Paare in Zeiten der Pandemie.

Das SOS-Familienzentrum Berlin gibt Tipps, wie Paare mir dieser Ausnahmesituation umgehen können

Flucht oder Angriff – das Gehirn im Stressmodus

„Flucht oder Angriff – das Gehirn im Stressmodus“

Machen Sie sich klar, dass beide, Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin, in einer Stress-Situation sind. Die Corona-Krise wird von unserem Gehirn als Gefahr wahrgenommen. Dafür kennt es zwei Antworten: Angriff oder Flucht. Weglaufen geht gerade nicht, also bleibt Angriff übrig. Das heißt: Wir sind gereizter als normalerweise, und unsere Aggression kann sich auch mal gegen den Partner richten. Trotzdem wird das Problem dadurch nicht gelöst, der Stress bleibt bestehen. Unser Gehirn ist also in einem dauernden Notfallmodus. Wenn wir das wissen, gewinnen wir dadurch etwas Kontrolle zurück.

Wichtig ist auch zu wissen: Menschen gehen unterschiedlich mit Stress-Situationen um. Manche nehmen eine Krise eher locker hin, andere werden überaktiv, wieder andere verfallen in Schockstarre oder reagieren depressiv, manche werden panisch. Nichts davon ist erst einmal richtig oder falsch. Es sind einfach individuelle Verhaltensweisen.

Welcher Stress-Typ sind Sie? Wenn Sie merken, dass negative Gefühle in Ihnen aufsteigen, versuchen Sie innerlich einen Schritt zurückzutreten, tief ein- und wieder auszuatmen und festzustellen, was in Ihnen los ist: Habe ich gerade Angst? Wusele ich herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, um mich von meinen Gefühlen abzulenken? Würde ich am liebsten nur um mich schlagen oder schreien? Und dann akzeptieren Sie das Gefühl, so wie es ist. Wir alle leben zur Zeit in einer Ausnahmesituation, da ist es verständlich, wenn man starke Stressreaktionen zeigt.

Versuchen Sie dann, Ihrem Partner zu erklären, was mit Ihnen los ist. Sagen Sie z.B.: „Ich würde mich am liebsten ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und nie wieder rauskommen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich immer funktionieren muss und eigentlich nicht mal weinen darf. Das stresst mich sehr.“ Wenn Sie es schaffen, von sich zu erzählen statt ihm Vorwürfe zu machen, machen Sie es Ihrem Partner leichter, Sie zu verstehen und für Sie da zu sein.

Haben Sie auch umgekehrt für seine individuelle Stress-Reaktion Verständnis und kritisieren Sie sie nicht. Versuchen Sie für Ihren Partner da zu sein und legen Sie nicht alles auf die Goldwaage. Gemeinsam kommen Sie besser durch die Krise.

Lagerkoller

„Lagerkoller“

Beide verbringen jetzt mehr Zeit zuhause. Sei es wegen Kurzarbeit, Home Office oder Arbeitslosigkeit. Die Freizeitmöglichkeiten außerhalb der Wohnung sind immer noch eingeschränkt. Kontakte zu Freunden, Kollegen und Verwandten sind weniger geworden. Aber zuhause hockt man aufeinander, viele Tage und Wochen lang, ohne sich das so ausgesucht zu haben. Das verursacht Probleme.

So werden zum Beispiel die Eigenarten des anderen, die man in kleinen Portionen gut ertragen konnte, zum großen Problem, wenn der Partner ständig anwesend ist. Irgendwann nervt einen der andere nur noch – einfach, weil er da ist.

Da hilft es, wenn man es gar nicht erst so weit kommen lässt. Achten Sie darauf: Welchen Freiraum brauchen Sie? Wieviel Zeit für sich? Wann wird es Ihnen zuviel? Wenn Sie sich darüber klar sind, sprechen Sie mit Ihrer Partnerin, Ihrem Partner darüber.

Aber nicht mit Vorwürfen! Sinnvoller ist es, die eigenen Wünsche als Ich-Botschaft zu formulieren. Sagen Sie z.B. nicht: „Immer läufst du durchs Wohnzimmer, wenn ich auf dem Sofa sitzen und Musik hören will!“, sondern besser: „Ich hätte gern für zwei Stunden am Abend einen Raum für mich. Können wir vereinbaren, dass ich im Wohnzimmer bin und du in der Küche?“

Versuchen Sie, sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um herauszukriegen: Was brauche ich, damit es mir gut geht? Welche meiner wichtigen Bedürfnisse wurden heute erfüllt, welche nicht? Was kann ich tun, damit ich bekomme, was ich brauche? Was kann ich mir von meinem Partner wünschen?

Drei Kinder laufen durch einen Park

Bitten Sie Ihren Partner darum, dasselbe zu tun. Wenn man weiß, was man selbst und was der andere braucht, ist es leichter, sich entgegenzukommen. Viele Streitigkeiten entstehen, weil Bedürfnisse nicht ausgesprochen werden. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, ohne den anderen spazierenzugehen? Oder zu joggen? Eine halbe Stunde Ortswechsel kann Wunder bewirken. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber.

Alltag anders

Alltag anders

Corona hat auch den Alltag zuhause verändert. Gewohnte Abläufe funktionieren nicht mehr. Das unfreiwillig veränderte Leben muss gemeinsam neu gestaltet werden: Wer wäscht jetzt, putzt, kauft ein? Wer kocht, wenn Hort, Kita und Kantine geschlossen haben? Wer beschult und bespaßt die Kinder? Wer kann wann im Home Office arbeiten? Wer darf welchen Raum nutzen? Wer schlichtet den Streit, wenn alle vom vielen Aufeinanderhocken genervt sind?

Partner gehen mit diesen Aufgaben und der zusätzlichen Belastung unterschiedlich um. Die Frage, wie man es richtig macht, führt schnell zum Streit. Für viele Paare ist es hilfreich, Struktur in den Alltag zu bringen und normale Rituale und Abläufe, so gut es geht, weiterzuführen.

Wo das nicht funktioniert, sollten Sie sich absprechen und klar festlegen, wer wann wofür zuständig ist. Wer Kinder hat, sollte auch für die Betreuung einen Plan aufstellen. Vereinbaren Sie auch, wer wann im Home Office arbeiten kann. Vielleicht steht dafür ein Raum in der Wohnung zur Verfügung oder man kann z.B. im Schlafzimmer einen improvisierten Schreibtisch aufbauen?

Versuchen Sie, die Aufgaben und Zeiten gerecht zu verteilen. Wenn beide mit dem vereinbarten „Stundenplan“ einverstanden sind, ist es später viel leichter, sich daran zu halten.

Geben Sie dem Partner und sich selbst etwas Zeit, sich auf die neuen Abläufe einzustellen.  Es muss nicht alles sofort reibungslos funktionieren. Wenn Sie dann nach ein oder zwei Wochen merken, dass es irgendwo immer wieder hakt – sprechen Sie darüber. Am besten in einer ruhigen Minute, wenn die Wogen sich wieder geglättet haben. Erklären Sie Ihrem Partner, was Ihrer Meinung nach nicht funktioniert, hören Sie sich seine Meinung an und versuchen Sie, einen gemeinsamen Weg zu finden, wie Sie Ihren Alltag im Ausnahmezustand organisieren können.

Streitkultur

Streitkultur

So sehr man sich auch bemüht – irgendwann kommt es doch zum Streit. Gerade jetzt in der Ausnahmesituation. Das ist ganz normal und geht vielen Paaren so. Doch ob ein Streit dafür sorgt, dass die Fronten sich verhärten und alles nur noch schlimmer wird, oder ob er im Gegenteil hilft, Konflikte zu klären – das können Sie und Ihr Partner beeinflussen.

Es gibt ein paar Techniken, die verhindern können, dass ein Streit eskaliert. Man kann z.B. vereinbaren, dass jemand „Stopp!“ ruft, wenn es ihm zuviel wird. Das muss der andere dann respektieren. Der Streit wird vertagt, bis die Gemüter sich wieder etwas beruhigt haben und ein konstruktives Gespräch möglich ist. Wer zuvor „Stopp!“ gerufen hat, sollte nach einiger Zeit wieder auf den anderen zugehen und an das Gespräch anknüpfen.

Wichtig ist auch, während eines Streits zu respektieren, wenn der andere sprechen will. Auch wenn es Sie ärgert, was er sagt – lassen Sie ihn ausreden, danach können Sie Ihre Position vertreten.

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen! Statt „immer“ und „nie“ reden Sie lieber über konkrete Situationen und beschreiben Sie genau, was Sie stört und was Sie sich stattdessen wünschen. Auch hier sind Ich-Botschaften („Ich bin genervt, wenn ich deine Wäsche in den Korb legen muss. Ich will, dass du das selbst machst.“) besser als allgemeine Vorwürfe („Nie räumst du dein Zeug weg!“).

Bitten Sie umgekehrt auch Ihren Partner darum, Ihnen zu sagen, was er möchte und wie es ihm geht. Wer das Gefühl hat, mit seinen Bedürfnissen gehört zu werden, hat oft keinen Grund mehr, wütend zu sein. Wenn sich alle Seiten beruhigt haben, kann man gemeinsam nach Kompromissen suchen.

Und noch ein letzter Tipp zum Thema Streit: Entschuldigungen helfen oft und schaden (fast) nie.

Paar-Rituale schaffen

Kreativ durch die Krise – Paar-Rituale schaffenPaar-Rituale schaffen

In vier Teilen unserer Serie haben wir uns mit Schwierigkeiten auseinandersetzt, mit denen Paare häufig in der Corona-Krise konfrontiert sind. Im letzten Teil wollen wir unseren Blick auf das Positive lenken: Wie schafft man es, auch in Ausnahme-Zeiten glückliche Momente als Paar zu erleben?

Richten Sie Ihren Fokus auf das Gute und weg vom Schlechten. Das hört sich erst mal schwierig an, gerade wenn Corona unseren Alltag auf den Kopf gestellt hat. Aber man kann so etwas üben. Zum Beispiel, indem man jeden Abend ein paar Minuten lang überlegt: Was ist heute gut gelaufen? Worüber habe ich mich gefreut? Was hat mich glücklich gemacht? Und mit Blick auf die Paarbeziehung auch: Wann haben wir heute zusammen etwas Schönes erlebt?

Diese Frage kann man sich auch gut zusammen mit dem Partner stellen. Vielleicht ist dem einen ja etwas aufgefallen, was der andere im Alltagsgetriebe gar nicht bemerkt hat. Das können Kleinigkeiten sein, etwa eine komische Situation, über die beide gelacht haben, oder die Freude über ein neues Wort, das das Kind heute gelernt hat. Wichtig ist, sich solche Alltagsfreuden noch einmal bewusst zu machen und festzustellen: „Wir haben gemeinsam etwas Schönes erlebt. Das geht - trotz Corona!“

Wenn wegen Home Office, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit alle zuhause auf engem Raum aufeinanderhocken und im Alltagsgetriebe feststecken, ist es oft schwierig, sich noch als Paar wahrzunehmen. Manche Paare haben gute Erfahrungen damit gemacht, sich gezielt miteinander zu verabreden. Das muss nichts Großes sein - wegen der Pandemie sind sowieso noch viele Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt - einfach nur ein kurzer Abendspaziergang oder die Abmachung, am Abend gemeinsam den Lieblingsfilm anzusehen. Wichtig ist: Zeigen Sie mit der Verabredung dem anderen, dass es Ihnen wichtig ist, mit ihm Zeit zu verbringen - und halten Sie sie dann auch ein!

Geben ist seliger denn nehmen, heißt es. Das gilt auch und gerade jetzt. Fragen Sie sich also: Was kann ich für ein gute Beziehung tun? Und dann tun Sie es. Das funktioniert meist besser, als positives Verhalten vom Partner zu einzufordern - und hat oft einen durchaus erwünschten Nachahmungseffekt. Nehmen Sie sich bewusst vor, dem anderen etwas Gutes zu tun. Sein Lieblingsessen, eine Nacken-Massage, zusammen alte Fotos anschauen – all das sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl und zeigt: Du bist mir wichtig! Vielleicht wird sogar ein Ritual daraus? Sie kennen sich, Sie wissen, was Sie verbindet. Nutzen Sie dieses Wissen. Damit Sie als Paar gut durch die Pandemie kommen.