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Cybermobbing
Digitale Medienkompetenz

Cybermobbing und Mobbing im Klassenchat - was tun?

47 Prozent der 12- bis 19-Jährigen gaben in einer Befragung zur JIM-Studie 2021 an im letzten Monat beleidigenden Kommentaren begegnet zu sein, 58 Prozent sogar, dass sie sich mit Hassbotschaften konfrontiert sahen. Das Thema Mobbing hat durch die Digitalisierung an Brisanz zugenommen. Das Handy immer griffbereit, kann man beim Cybermobbing nicht mehr einfach die Türe schließen und sich einen Rückzugsort schaffen.

„Cybermobbing ist die Verlagerung von Mobbing in die virtuelle Parallelwelt. Über E-Mails, Chats etc. werden Beleidigungen, Bloßstellungen oder Belästigungen verbreitet. Die Verbreitung der Inhalte ist deshalb kaum zu kontrollieren und erzeugt ein Gefühl der Ohnmacht.“ 

Karen Silvester, Medienexpertin und Referentin für Kinderfragen

In der Pandemie verlagerte sich ein Teil der Klassenkommunikation in Klassenchats zum Beispiel bei WhatsApp. Neben den Vorteilen des Klassenchats, schnell Informationen teilen zu können, aber auch immerhin eine Klassenkommunikation aufrecht zu erhalten, besteht auch die Gefahr, dass sich Streit und Sticheleien in diesen Chat verlagern. Oft fallen dann in diesem unpersönlichen Raum die Hemmschwellen: Man sagt Dinge, die man in der realen Welt von Angesicht zu Angesicht nicht sagen würde.  

„Das raue Klima im Chat hat Auswirkungen auf das Befinden in der Klasse. Da Cybermobbing jedoch in der virtuellen Welt schwelt, sind die Konflikte während der Schulzeit schwer zu greifen.“

Karen Silvester

Mobbing im Klassenchat

Unsere Medienexpertin und Referentin für Kinderfragen Karen Silvester gibt Tipps zum Thema Mobbing im Klassenchat.

Wie äußert sich Mobbing im Klassenchat?

„Steffi ist in der 7. Klasse und fällt von Beginn an in der Schule auf, dass sie bereits weiblicher ist als ihre gleichaltrigen Klassenkameradinnen. Im Klassenchat taucht ein Foto auf, in dem sie mit einem bauchfreien T-Shirt zu sehen ist. Darunter steht „Schlampe“. Mithilfe von Fotobearbeitung fügt jemand ein Schweine-Kringel hinzu und teilt es auf seinem Instagram-Account.“

„Paul wurde in Biologie ausgefragt. Ein Mitschüler filmt ihn dabei heimlich. Der Lehrer sagt zu Paul: ‚Du bist so dumm wie Primatenscheiße. Geh auf den Baum, wo du hingehörst!‘ Der Mitschüler lädt das Video auf YouTube und verbreitet es im Chat.“

„Zwei Klassenkameradinnen sind im Streit, den sie im Klassenchat austragen. Im Wortlaut klingt das so: ‚Geh dich ritzen!‘ – ‚Friss dich halt noch fetter‘. Durch Likes und Kommentare wird der Streit befeuert.“

Warum ist Mobbing im Gruppen-/Klassenchat besonders schlimm?

Im Internet ist die Lawine an Reaktionen kaum zu bremsen, wenn der Stein ins Rollen kam: Ausgrenzung, Beleidigungen, bloßstellende Fotos etc. Das raue Klima im Chat hat Auswirkungen auf das Befinden in der Klasse. Da Cybermobbing jedoch in der virtuellen Welt schwelt, sind die Konflikte während der Schulzeit schwer zu greifen. So dringt Mobbing auch in die häusliche Privatsphäre ein, so dass sich die Opfer als schutzlos ausgeliefert fühlen. Sie fühlen sich einem anonymen, unüberschaubaren Publikum ausgeliefert, die sich an der Scham ergötzen.

Was können Eltern tun, wenn das Kind im Klassenchat gemobbt wird?

Tipp 1: Kinder im Blick haben – vor allem Veränderungen

Den wenigsten Kindern fällt es leicht zuzugeben, dass sie gemobbt werden. Wenn Kinder sich auch nicht ihren Eltern anvertrauen können, folgen oftmals psychosomatische Erkrankungen wie Schlafprobleme, Bauchschmerzen, Kopfweh, Nervosität, Gereiztheit etc. Deshalb ist es wesentlich, dass Eltern versuchen, mit ihren Kindern im Kontakt zu bleiben und Veränderungen zu bemerken.

Tipp 2: Geduld haben

Öffnet sich ein Kind und vertraut sich seinen Eltern an, ist Geduld wichtig. Aktionistische Maßnahmen wie Internetverbot, Entzug des Handys, Schuldzuweisungen sind kontraproduktiv. Besser ist es, eine gemeinsame Strategie zu überlegen, nachdem gemeinsam zu dem Thema recherchiert wurde.

Tipp 3: Mobbing-Angriffe festhalten

In jedem Fall ist es sinnvoll, wenn die Posts und Bilder mit Screenshots dokumentiert werden.

Tipp 4: „Don’t feed the troll!“

Eltern sollten ihr Kind überzeugen, dass es auf die Kommentare nicht weiter eingeht. Sollten Bilder und Videos im Umlauf sein können Eltern vom Betreiber der Plattform verlangen, diese zu löschen.

Was können Regeln für den Klassenchat sein?
  • Nicht spammen – nur relevante Beiträge
  • Keine Beleidigungen und Lästereien
  • Bedeckt halten und sich auf schulische Inhalte beziehen 
  • Auf die Ausdrucksweise und Rechtschreibung achten 
  • Nur antworten, wenn man die Frage auch wirklich beantworten kann 
  • Einfache, kurze Sätze, die Missverständnisse vermeiden
  • Keine Kettenbriefe
  • Keine Bilder von anderen Personen verschicken 
  • Der Klassenchat soll der Klassenchat sein – parallele Chats, der andere ausgrenzt, vermeiden
  • Wenn ein Admin ein Klassenmitglied ausschließt, muss es verwarnt werden und das Thema im Klassenverband besprochen werden 

Mein Kind wird gemobbt. Was kann ich tun?


Mein Kind mobbt andere. Was kann ich tun?

Keine Vorwürfe oder Strafen

Zuerst einmal - was Eltern nicht tun sollten: ihrem Kind Vorwürfe machen und Strafen verhängen. Es ist wichtig, dass Eltern verstehen, warum das Kind andere mobbt. Was sind die Gründe?

Ursachen versuchen Beiseite zu räumen

Wenn sich das Kind den Eltern anvertraut und die Gründe für das Mobbing kennt, dann sollte etwas gegen diese Dinge unternommen werden. Oft ist es ein fehlendes Selbstwertgefühl oder der Ruf nach Aufmerksamkeit.

Gemeinsames Gespräch mit Betroffenen

Des Weiteren sollte sich das Kind bei demjenigen, den es gemobbt hat, entschuldigen. Aber auch die Eltern sollten miteinander sprechen. Eltern sollten hier eine gute Basis finden und gemeinsam ein Vorbild für ihre Kinder sein.

Letzter Schritt: Therapie

Als letzter Schritt kann auch eine Therapie hilfreich sein.

Ist Cybermobbing strafbar?

Medienanwalt Frank Micheal Höfinger erklärt, was in Social Media strafbar ist und was nicht.