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Digitale Bildung
Interview mit Medienpädagoge Heico M. Engelhardt

„Digitale Medien für mehr Bildungsgerechtigkeit nutzen!“

Im Interview erklärt Medienpädagoge Heico Michael Engelhardt, wie wichtig Laptop und Tablet für den Bildungserfolg sind – gerade in Zeiten wie der Corona-Pandemie.

Ist die Digitalisierung eine Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit?

Auf jeden Fall. Kinder und Jugendliche wollen sich mit Computern und Games beschäftigen. Das gilt für alle jungen Menschen, unabhängig vom sozialen Status, von Finanzen im Elternhaus und vom Bildungsgrad im Umfeld – alles Parameter, die in Deutschland über die Bildung entscheiden. Aber wir haben es bisher nicht geschafft, diese Lust auf digitale Medien im Bildungsbereich sinnvoll zu nutzen.

Aber haben alle Kinder Zugang zu digitalen Medien?

Digitale Medien sind in Deutschland Normalität: Laut Statistischem Bundesamt nutzten im ersten Quartal dieses Jahres 90 Prozent der Menschen ab zehn Jahren das Internet, 89 Prozent der 16- bis 24-Jährigen kommunizierten über soziale Netzwerke. Wirklich wichtig für mehr Bildungsgerechtigkeit ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler nicht nur ein Smartphone, sondern auch ein Laptop oder Tablet zum Lernen hat.

Das wurde während der Schulschließung in der Corona-Pandemie klar.

Genau, vor allem Familien mit sehr geringem Einkommen haben oft zu wenige Geräte. 18 Prozent haben überhaupt kein Laptop oder Notebook, fast die Hälfte (46 Prozent) kein Tablet, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2019. Zu Pandemie-Beginn hatten wir im SOS-Kinderdorf Zwickau auch nicht genügend Geräte. Deshalb haben wir einen Aufruf gestartet – mit großem Erfolg. Privatleute und Firmen haben uns sechs Laptops und Tablets gespendet sowie zehn weitere Notebooks geliehen. Damit hatte zwar nicht jedes Kind ein eigenes Gerät, aber jedes konnte jeden Tag an einem Gerät lernen. Über die Hardware hinaus muss sich aber auch die Lernkultur ändern.

Wie sollte im digitalen Zeitalter gelernt werden?

In Kleingruppenarbeit statt im Frontalunterricht. Lernorte sollten auf dem Schulgelände verteilt und sogar außerhalb der Schule sein. Schülerinnen und Schüler können ihr Gelerntes anderen zum Beispiel als You-Tube-
Video oder Instagram Story präsentieren. Es geht um vernetztes Lernen! Und es braucht Lehrer, die Lernnetzwerke mit einer guten Balance zwischen „face to face“ und virtuellem Miteinander knüpfen.

Erproben Sie solche Ansätze im Kinder- und Jugendzentrum „Spinnwebe“ in Zwickau?

In der „Spinnwebe“ arbeiten wir nach einem medienpädagogischen Konzept. Wir befähigen Kinder und Jugendliche, sich verantwortungsbewusst im Internet zu bewegen, sich selbstbewusst und sozial zu verhalten.

Spielen die Kinder und Jugendlichen an den Computern?

Natürlich – und das ist auch sinnvoll. Oft geht es um Geschicklichkeit, logisches Denken, Kreativität, Reaktionsschnelligkeit, geschichtliches, technisches oder mathematisches Wissen. Die Spieler vernetzen sich in Chats und Communities.

Was gibt es für die Jugendlichen noch außer Games?

Wir zeigen den Kindern und Jugendlichen, was sie darüber hinaus Sinnvolles mit digitalen Medien tun können, etwa kleine Computerspiele programmieren oder Roboter bauen. In einem Videoprojekt haben Jugendliche einen richtig guten Film über Mobbing gedreht. Die Corona-Pandemie hat uns gebremst, auch die „Spinnwebe“ war geschlossen, auch wir müssen Abstand halten. Aber wir machen natürlich weiter.

Wie tragen solche Projekte zu mehr Bildungsgerechtigkeit bei?

Nehmen wir das Virtual-Reality-System inklusive Brille, das uns gespendet wurde. Solche Systeme werden heute in der Industrie genutzt. In der „Spinnwebe“ lernen Kinder aus dem SOS-Kinderdorf und aus dem Stadtteil diese Technik spielerisch kennen. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen.

Zur Person

Heico M. Engelhardt, Einrichtungsleiter SOS-Kinderdorf Zwickau

Heico Michael Engelhardt ist seit 2009 ehrenamtlich im Beirat „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“, dem Selbstkontrolle-Organ der Gamebranche, tätig. Seit 2014 leitet Engelhardt das SOS-Kinderdorf in Zwickau.