Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
Ansicht des SOS-Kinderdorf Familienzentrums in Leipzig von außen (Planungsentwurf)
Interview

Wie ein neues Dorf für Connewitz entsteht

Bis 2024 soll ein neues SOS-Kinderdorfzentrum mitten in Leipzig entstehen. Maria Schwarzfischer, Leiterin der Region Süd-Ost, und Ernst Kramer, Leiter Referat Bau, erzählen von den enormen Herausforderungen des Großprojekts und seiner Entstehung.

Wie kam es zu der Idee, ein SOS-Kinderdorfzentrum in Leipzig zu eröffnen?  

Maria Schwarzfischer: Leipzig ist eine prosperierende Metropole, die gleichzeitig eine hohe Armutsquote hat. Das betrifft auch viele junge Familien. Der Bedarf für stationäre Jugendhilfe, ambulante Beratung von Familien sowie die Nachfrage nach Kitaplätzen ist groß. Das Jugendamt fragte uns 2015, ob wir uns als Verein in der Stadt engagieren möchten. Eine Kita im Stadtteil Gohlis war unser erstes Angebot in Leipzig. Zur weiteren Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Familien entsteht jetzt im Stadtteil Connewitz ein SOS-Kinderdorfzentrum mit einer weiteren Kita, einem Familienzentrum, zwei Wohngruppen und ambulanten Hilfen zur Erziehung.

Ob Leipzig, Hamburg oder München: SOS-Kinderdorf ist in Großstädten sehr präsent. Warum?

Ernst Kramer: In der Nachkriegszeit entstanden SOS-Kinderdörfer überwiegend auf dem Land, weil die Städte zum großen Teil zerstört waren. Mittlerweile sind wir seit über 20 Jahren auch im urbanen Umfeld aktiv. Der Bedarf dort ist groß. Geeignete Freiflächen für solche komplexe Projekte wie unsere SOS-Kinderdorfzentren zu finden, ist in Großstädten allerdings nicht ganz einfach. Alleine für die Kita des neuen SOS-Kinderdorfzentrums mit 125 Betreuungsplätzen benötigen wir zehn Quadratmeter Freifläche pro Kind. In Leipzig hatten wir großes Glück: Die Stadt bot uns ein ausreichend großes Grundstück mit 4.165 Quadratmetern Fläche mitten in der Stadt an. Für einen Nutzungszeitraum von 60 Jahren.

Das klingt nach einer glücklichen Fügung. Gibt es einen Haken?

Ernst Kramer: Ja. Es ist eine schmale Baulücke zwischen einem relativ großen und tiefen Gründerzeitgebäude und einem deutlich kleineren Haus. Diese zu schließen, ist nicht ganz einfach, denn es gibt diverse Denkmal- oder Umweltschutzauflagen. Mindestens 80 Jahre lang wurde auf dieser ehemaligen Industriebrache nichts gebaut, Bäume sind gewachsen, Vögel haben sich eingenistet. Zudem musste eine alte Abfangmauer, die den Höhenunterschied auf dem Grundstück ausgleicht, vor Baubeginn ausgetauscht werden. Wir standen hier schon vor ganz besonderen Herausforderungen.

Was ist das Besondere an einem städtischen SOS-Kinderdorf?

Maria Schwarzfischer: Ein städtisches Kinderdorfzentrum bietet den Familien aus der Umgebung einen Ort der Begegnung und des Austauschs, Kindern einen Ort zum Erkunden und zum Entwickeln und Jugendlichen einen Platz zum Entfalten. Damit stärkt das Kinderdorfzentrum den gesellschaftlichen Zusammenhalt  im Stadtteil. Das schließt auch eine enge Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft mit ein, ob mit anderen sozialen Trägern, Kirchengemeinden oder der Kulturstätte „Werk 2“, unseren direkten Nachbarn.

Welche Angebote sind für das neue SOS-Kinderdorfzentrum geplant?

Maria Schwarzfischer: Im Erdgeschoss entsteht ein Familienzentrum mit Café als Ort der Begegnung. Ebenfalls gibt es Räume für Kurs- und Beratungsangebote und viel Platz für die Kinder zum Entdecken und Spielen. Im ersten und zweiten Stock finden sich Räume für die Verwaltung, für Besprechungen und die ambulanten Erziehungshilfen. In den oberen Stockwerken entstehen zwei familienanaloge Wohngruppen für jeweils acht Kinder und Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren Eltern leben können und hier einen geschützten Ort finden. Und ins Rückgebäude kommt eine Kita mit Platz für 125 Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren. Zwischen Vorder- und Hinterhaus ist außerdem ein grüner Innenhof geplant, der zum Spielen und Verweilen einlädt.

Wie viel Zeit nimmt die Realisierung eines solchen Großprojekts in Anspruch?

Ernst Kramer: Sehr viel. 2016 stießen wir auf das Grundstück. Ende März diesen Jahres bekamen wir die Baugenehmigung. Mit der Fertigstellung rechnen wir bis 2024, sofern alles läuft wie geplant. Für Bauvorhaben dieser Größenordnung sind es derzeit schwierige Zeiten. Die Bau- und Energiepreise steigen, Material ist nicht immer verfügbar, hinzu kommt der Fachkräftemangel. Wir müssen damit rechnen, dass die Kosten deutlich steigen. Für kleinere Träger oder Investoren sind solche Unwägbarkeiten in der Kalkulation schwierig zu stemmen. Die Kindertagesstätte wird von der Stadt Leipzig finanziert. Das Familienzentrum und die Wohngruppen werden neben einer Förderung durch die „Aktion Mensch“ aus Vereinsmitteln bezahlt. Es ist unseren Spendern zu verdanken, dass wir dieses Projekt auch in schwierigen Zeiten umsetzen können. Hermann Gmeiner sagte: „Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen.“

Wie soll das neue SOS-Kinderdorfzentrum in Leipzig aussehen?

Ernst Kramer: Es muss menschlich sein. Es muss so einladend aussehen, dass sich jeder willkommen fühlt. Wichtig ist uns zum Beispiel auch, dass die einzelnen Angebote im Komplex nicht für sich alleine stehen, sondern eine funktionale Einheit bilden. Was heißt das? Die Mutter, die ihr Kind in die Kita bringt, bemerkt auch gleich das Café im gegenüberliegenden Familienzentrum und macht dort eine Pause, um sich mit anderen Müttern auszutauschen.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für SOS-Kinderdorf. Wie wird klimaschonendes Bauen in Leipzig umgesetzt?

Ernst Kramer: Wir statten das Gebäude mit einer robusten Klinkerfassade und natürlichen Materialien wie Holz aus, die Dächer sind begrünt. Unser Wasser wird nicht einfach in die Kanalisation abgeleitet, sondern auf dem Grundstück versickert. Wir wollen den Anteil versiegelter Flächen – so gut es geht – minimieren. Das SOS-Kinderdorfzentrum ist an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen; eine zentrale Energieerzeugung, die sich aus verschiedenen Quellen speist. Wenn in Zukunft mehr Energie aus nachhaltigen Quellen gewonnen wird, können wir daran partizipieren.
 



SOS-Kinderdorfzentrum Leipzig

Icon Pin
Icon Pin

Bis vor kurzem gab es kein Angebot von SOS-Kinderdorf in Sachsens größter Metropole. Die nächstgelegene Einrichtung war das ca. 80 Kilometer entfernte SOS-Kinderdorf Zwickau, das in SOS-Kinderdorf Sachsen umbenannt wurde. Das änderte sich im September 2019, als die SOS-Kinderdorftagesstätte im Stadtteil Gohlis-Mitte ihren Einstand feierte. Bis voraussichtlich September 2024 soll in der Windscheidstraße im Stadtteil Connewitz das erste SOS-Kinderdorfzentrum Leipzigs eröffnen.

Vielen Dank!

Dieses Bauprojekt wird durch private Spenden, öffentliche Mittel sowie weitere Fördermittel realisiert. Das Familienzentrum wird von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert und die Kindertagesstätte vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Freistaat Sachsen.

Förderer SOS-Kinderdorf Sachsen

Erfahren Sie mehr über das SOS-Kinderdorf Sachsen: