Mehrere Generationen: SOS-Kinderdorf stärkt Familien
Interview: Wie wir arbeiten

Ihren letzten Willen wahren: eine verantwortungsvolle Aufgabe

Schlägt man eine Akte im Nachlassarchiv des SOS-Kinderdorf e.V. auf, blickt man als allererstes auf ein Bild. Es ist das Bild des Verstorbenen, der mit seiner letztwilligen Zuwendung Kindern, Jugendlichen und benachteiligten Menschen die Chance auf eine bessere Zukunft gibt. Die Botschaft ist klar: Der Mensch steht bei SOS-Kinderdorf im Mittelpunkt. Immer wieder wird SOS-Kinderdorf testamentarisch bedacht, oftmals auch als Erbe. Dann obliegt dem Team im Referat Nachlass und Vermögensübertragungen die Abwicklung aller Angelegenheiten nach dem Tod des Nachlassgebers. "Mich erfüllt meine Aufgabe mit Freude und Dankbarkeit: Beinahe täglich komme ich mit Menschen zusammen, die dazu beitragen wollen, dass Kinder eine Chance auf eine bessere Zukunft haben." Dr. Daniela Späth leitet das Referat Nachlass und Vermögensübertragungen.

Warum arbeiten Sie für SOS-Kinderdorf?

Schon während meines Jura-Studiums habe ich mich sehr für gemeinnützige Arbeit interessiert. In meiner Promotion beschäftigte ich mit Völkerrecht und davor absolvierte ich noch den Master-Studiengang „Humanitäre Hilfe“. Natürlich war alles sehr auf Auslandshilfe ausgerichtet. Mir selbst blieb jedoch nicht verschlossen, dass es auch in Deutschland viel Not und Hilfsbedürftigkeit gibt. Die ist zwar weniger sichtbar, aber dennoch vorhanden. Also sah ich mich nach Organisationen im Kinder- und Jugendhilfesektor um, und da führt kein Weg an SOS-Kinderdorf vorbei.

Was sind die Aufgaben des Referats Nachlass und Vermögensübertragungen?

Wir sind die Anlaufstelle für Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Vermögen oder Teile davon, an SOS-Kinderdorf zu vererben. Manche, die sich bei uns melden, haben sich schon über das Internet oder über Flyer informiert und haben bereits klare Vorstellungen davon, welche Informationen Sie noch benötigen. Andere wiederum rufen „einfach mal an“ und wollen mit jemandem Außenstehenden über dieses Thema reden und sich informieren. Von vielen Erblassern wissen wir vorab gar nicht, dass sie SOS-Kinderdorf in ihrem Testament bedacht haben. In diesem Fall informiert uns erstmals das Nachlassgericht, wenn der Erbfall eingetreten ist. In Nachlässen, in denen wir als Erbe eingesetzt sind, fällt uns die Aufgabe der Wohnungsauflösung, der Organisation der Beerdigung und der laufenden Grabpflege zu. Insgesamt arbeiten in unserem Team zwölf Kolleginnen und Kollegen.

Gibt es Fälle, die Sie besonders berührten?

Ich habe gemerkt, dass mir jeder Nachlass im Gedächtnis bleibt. Natürlich ist jeder Fall so individuell wie der Mensch es war. Manche Menschen lerne ich persönlich oder über Telefongespräche näher kennen. Vielen ist es wichtig, dass jemand ihre Geschichte kennt. Von ihnen behalte ich die Bilder und Gespräche im Herzen.

Dr. Daniela Späth, Ihre Ansprechpartnerin für Testament und Nachlass bei SOS-Kinderdorf

Wer nimmt Kontakt zu Ihnen auf?

Die meisten Menschen sind um die 60 Jahre alt. Wenn man in den Ruhestand wechselt, ist das für viele ein Scheideweg, an dem endlich Zeit ist, sich damit zu beschäftigen, was mit dem Vermögen später geschehen soll. Früher war das Durchschnittsalter um die 70, heute nehmen schon Menschen um die 40 Kontakt mit uns auf. Viele davon fördern SOS-Kinderdorf bereits durch Spenden oder Patenschaften und sind von der Arbeit, die wir für Kinder und Jugendliche leisten, überzeugt. Eine große Rolle spielt für viele auch der Gedanke, dass sie mit ihrem Vermögen der jetzigen Generation helfen möchten. „Ihr letzter Wille kann ein neuer Anfang sein“ drückt das meiner Meinung nach sehr schön aus.

Was muss man bei der Testamentserstellung beachten?

Um sicher zu gehen, dass der letzte Wille so formuliert ist, dass er vollständig ist und korrekt ausgelegt werden kann, empfehlen wir, sich den Rat eines mit Erbrecht vertrauten Rechtsanwalts oder Notars zu holen. Wir selbst laden regelmäßig zu Erbrechtsveranstaltungen ein, bei denen ein Fachanwalt über alle wichtigen Punkte informiert und Fragen beantwortet.

Wie reagieren die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen, wenn Sie erfahren, dass SOS-Kinderdorf erbt?

Dies ist unterschiedlich. Mancher ist enttäuscht. Meistens wird es jedoch sehr positiv aufgenommen. Wir freuen uns immer wieder über die vielen Rückmeldungen, wenn Angehörige oder Freunde der Verstorbenen sagen: „Es war ihr oder sein Wunsch, und es freut uns, dass der Nachlass bei SOS-Kinderdorf so gute Verwendung findet.“ Und so ist die letztwillige Zuwendung an SOS-Kinderdorf schon oft ein Vorbild für andere Menschen geworden, die sich mit ihrem letzten Willen beschäftigt haben.