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Ambulante Hilfen SOS-Kinderdorf
Ambulante Hilfen

Starke Eltern, starke Kinder

Trennung, Arbeitslosigkeit, kranke Kinder oder psychische Probleme – das tägliche Leben kann Eltern aus vielen Gründen überfordern. Leidtragende sind oft die Kinder. Die vielfältigen Angebote der ambulanten Hilfen lassen Familien, die Konflikte oder Probleme bei der Erziehung ihrer Kinder haben nicht im Stich. So wie die Familie von Leon, die dank der ambulanten Familienhilfe von SOS-Kinderdorf den Weg aus der Krise fand.

Der Vater hat die Familie verlassen und auch der Stiefvater ist nach wenigen Jahren gegangen. Die kleine Schwester ist chronisch krank und muss oft ins Krankenhaus. Die Mutter scheint unerreichbar, wenn sie mit Depressionen im Bett liegt. Das ist viel, viel zu viel für ein Kind. Auch für Leon*. Der 16-Jährige und seine Mutter werden seit rund zehn Jahren phasenweise von der ambulanten erzieherischen Hilfe von SOS-Kinderdorf betreut. Immer, wenn die alleinerziehende Mutter nicht mehr weiterwusste, hat sie sich – zum Wohle ihrer beiden Kinder – an die ambulante Familienhilfe gewandt.

Das Hilfsangebot von SOS-Kinderdorf will für Kinder wie Leon die Basis für eine gesunde Entwicklung schaffen: eine starke Familie. Belastbare Beziehungen zu Mutter oder Vater sind Voraussetzung dafür, dass Heranwachsende Vertrauen in sich, andere Menschen und die Welt entwickeln können. Nur mit diesem Urvertrauen können sie später gesunde Bindungen eingehen. Leben Eltern in einem Dauerstreit, in Trennung oder sind mit der Erziehung im stressigen Alltag schlicht überfordert, kann das negative Folgen für die Kinder haben. Die Beziehung zu ihren wichtigsten Bezugspersonen wird oft als unsicher und schlimmstenfalls bedrohlich empfunden.

Eine neue Vertrauensperson für Leon

„Leon hat in seinen jungen Jahren viele Rückschläge verkraften müssen“, berichtet Jochen Luther von der ambulanten Familienhilfe Württemberg. „Sowohl sein Vater als auch sein Stiefvater haben den Kontakt zu ihm abgebrochen. Das prägt ein Kind, nimmt ihm Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.“ Luther ist seit gut einem Jahr Leons Erziehungsbeistand und übernimmt Aufgaben, die die arbeitslose und psychisch labile Mutter nicht leisten kann. „Ich bin zwar kein Vaterersatz, aber mittlerweile ein vertrauter und verlässlicher Gesprächspartner für den Jungen“, sagt Luther.

Kinder in prekärer Lage

Leon ist kein Einzelfall. Viele Kinder in Deutschland erleben ein unsicheres Zuhause: 2018 musste jede 13. Minute ein Kind zu seinem eigenen Schutz aus seiner Familie genommen werden. 2018 lebten rund 50.400 Kinder in Familien, in denen sie akut oder latent gefährdet waren. In 24 Prozent der Fälle war die Notwendigkeit der Herausnahme eines Kindes aus der Familie, auf die Überforderung der Eltern zurückzuführen. Doch nicht immer muss es zum Äußersten kommen. Leons Mutter, Beate Zeiler* hat sich rechtzeitig Hilfe geholt und das präventive Angebot von SOS-Kinderdorf in Anspruch genommen. Als Leon drei Jahre alt war, wuchs ihr der Alltag erstmals über den Kopf. Ihr wurde eine SOS-Betreuerin zur Seite gestellt mit dem Ziel, den Zusammenhalt in der akuten Krisensituation stärken und verhindern, dass Leon aus der Familie herausgenommen werden muss.

Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe

Beate Zeiler kam freiwillig, über das Jugendamt, zur ambulanten Familienhilfe. Der Wunsch der Betroffenen, die eigene Situation zum Besseren zu wenden, ist meist der Schlüssel zum Erfolg. 2017 wurde in 985.628 Fällen eine solche Hilfe zur Erziehung für Familien und junge Volljährige im Anspruch genommen. Gemeinsam entwickeln die Betreuer und ihre Klienten, auf Grundlage des Achten Buches Sozialgesetzbuch, einen Hilfsplan. Hierfür ermitteln sie die konkreten Bedarfe: Welche akute Krise muss bewältigt werden? Worin liegt diese begründet – sprich welche grundlegenden Probleme, wie Krankheit, Sucht, Trennung oder Arbeitslosigkeit, müssen in einem zweiten Schritt angegangen werden? Dabei immer im Blick: das Wohl des Kindes.

Familienhilfe bei SOS-Kinderdorf

In der Familienhilfe entwickeln Betreuer und Klienten gemeinsam einen Hilfsplan aus der Krise.

Im Fall von Leon waren es die Trennungen von den Lebenspartnern und die damit einhergehenden Depressionen der Mutter. Dazu kam die Sorge um Leons jüngere Halbschwester, die wegen einer spastischen Bronchitis immer wieder für längere Zeit ins Krankenhaus musste. In dieser Familienstruktur drohte Leon verloren zu gehen. Die SOS-Betreuerin half Leons Mutter im Haushalt und löste sie immer wieder am Krankenbett ihrer Tochter ab. „So habe ich die Zeit gefunden, mich auch um Leon zu kümmern – das hat mir eine riesige Last von den Schultern genommen“, erzählt die 39-Jährige. Oberstes Prinzip der familienpädagogischen Arbeit: die Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt, im zweiten Schritt wird gemeinsam darauf hingearbeitet, dass die Eltern ihre eigene Erziehungsfähigkeit (zurück-) erlangen – und die Familie auch ohne Hilfe von außen wieder funktionieren kann. „Meine Betreuerin hat mich ermutigt, eine Therapie zu machen. Ohne ihre Hilfe hätte ich das nicht geschafft“, sagt die Alleinerziehende.

Sprachförderung beim Spaziergang

Heute bewältigt sie den Alltag ohne Familienhilfe. Und ihr Sohn Leon hat gelernt, wie er seiner Mutter dabei unter die Arme greifen kann: indem er beispielsweise das Geschirr abräumt, den Müll rausbringt oder mal mit seiner kleinen Schwester spielt. Scheinbar kleine Dinge, doch zugleich wichtige und wirkungsvolle Schritte auf dem Weg zu einem funktionierenden Familienleben.

Sprachförderung beim Spaziergang

Leon genießt die regelmäßigen Spaziergänge mit Jochen Luther und Hund Amy.

Leon selbst findet wichtigen Rückhalt bei seinem Erziehungsbeistand Jochen Luther. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches, aber für Leon von großer Bedeutung: die regelmäßigen Spaziergänge, die er mit Luther macht. Einmal pro Woche treffen sich die beiden, um etwas zu unternehmen. In der Coronakrise gehen sie gemeinsam mit Jochen Luthers Hund Gassi. „Leon liebt Amy. Wenn ich sie dabeihabe, blüht er immer richtig auf“, erzählt der Sozialpädagoge. Ihre Unterhaltungen beginnen Leon und er oft spielerisch auf Englisch, denn die Sprache bereitet dem Realschüler Probleme. Auch Bildungsförderung gehört zu den Aufgaben der Familienhilfe. „Das ist viel besser, als zu Hause für Englisch zu lernen“, sagt Leon. „Außerdem reden wir über Dinge, über die ich mit meiner Mutter nicht so gut reden kann: Probleme in der Schule, aber auch über Jungs-Dinge wie Autos, Motorräder oder Mädchen.“

„Das Leben darf auch Spaß machen“

Vor der Coronakrise haben die beiden regelmäßig kleine Ausflüge unternommen: in die Kletterhalle, den Hochseilgarten, ins Museum oder zum Bogenschießen. Eine Foto-Collage bei Leon zu Hause im Flur ist Zeugnis dieser schönen Momente. „Ich komme jetzt viel mehr raus und erlebe etwas“, erzählt Leon. Seine Familie hatte immer sehr zurückgezogen gelebt. Aufgrund der Panikattacken der Mutter, aber auch wegen des begrenzten Hartz-IV-Budgets waren Ausflüge mit den Kindern einfach nicht machbar. Für solche wichtigen kleinen Auszeiten steht den Betreuern der ambulanten Familienhilfe ein monatliches Taschengeld zur Verfügung. „Wir holen die Familien raus aus ihren vier Wänden“, sagt Jochen Luther. „Denn wir wollen nicht nur auf die Probleme im Alltag schauen, sondern ihnen auch zeigen, dass das Leben Spaß machen kann und darf.“ Die Aktivitäten helfen dabei, soziale Kontakte zu knüpfen, über den Tellerrand zu blicken – und neue Perspektiven zu gewinnen.

Die Zukunft im Blick

Aktuell hat Jochen Luther die Zukunft seines Schützlings im Blick. Er hat Leon motiviert, ein Praktikum als Beikoch in einem Restaurant zu machen. Nicht immer gab es regelmäßige Mahlzeiten bei Leon zu Hause, nicht immer war ausreichend Geld auf seiner Schulmensa-Karte, und schon früh träumte Leon davon, Koch zu werden. „Jetzt möchte er zwar erst mal die 10. Klasse abschließen und mit seinen Freunden chillen – was ich total verstehen kann“, sagt Luther. Aber ein Ausbildungsplatz bleibt der nächste wichtige Schritt zu Leons Selbsthilfe. Leon hat neuerdings noch einen zweiten Berufswunsch: Kindergärtner. Denn er findet: „Kinder sollten auch männliche Erzieher haben.“

*Die Namen wurden zum Schutz der realen Personen verändert.

Ambulante Hilfen: Hilfe für Familien in Krisen