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Janine
Vernachlässigte Kinder

Das unsichtbare Leid

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Das unsichtbare Leid

Die Pandemie trifft Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen besonders. Kinder, die wie die siebenjährige Janine* vernachlässigt werden und zu Hause nur wenig Fürsorge erfahren. Erste Studien belegen bereits, wie ernst die Lage für diese Kinder wirklich ist: Im Corona-Jahr 2020 wurde bei fast 60.600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Eine Zunahme um neun Prozent im Vergleich zu 2019. Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen.

Ärzte beobachten darüber hinaus so viele Ängste, Sorgen und psychische Probleme bei Kindern wie nie zuvor. Auch Janine erlebte eine depressive Phase. Ohne Hilfe werden viele dieser Kinder seelische Narben aus dieser Zeit zurückbehalten, die sie ein Leben lang begleiten und prägen werden.

Albträume und Angst 

So hilft SOS-Kinderdorf

Mit den offenen und ambulanten Angeboten unterstützen wir Familien bereits frühzeitig. Die SOS-Familienzentren mit ihren Stadtteiltreffs, frühen Hilfen, Bildungs- und Freizeitangeboten sowie kostengünstigen Kleiderläden und Mittagstischen dienen Familien als zentrale Anlaufstelle. Unsere Erziehungs- und Familienberatungen helfen Eltern bei familiären Problemen. Durch dieses breite Netz an Hilfen stärken wir Familien frühzeitig wie auch in akuten Krisen. 

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Das können Sie beispielsweise bewirken

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6

Mittagessen im Familienzentrum

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20

Kauf einer neuen Winterjacke für ein Kind

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50

Übungshefte, Bücher und Schreibutensilien für ein Kind in der sozialen Gruppe

82856

300

jährliche Kosten der Therapiematerialien für die Familienberatung

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2650

Hilfen für eine junge Mutter einen Monat lang

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5699

Betreuung einer Familie durch die ambulanten Hilfen für ein Jahr

Hilfe zur Selbsthilfe – Angebote kurz erklärt

„Die Pandemie hat Familien stark unter Druck gebracht“

Fast 60.600 Fälle von Kindeswohlgefährdungen meldeten die Jugendämter für das Coronajahr 2020 – 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Dr. Kristin Teuber ist Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts von SOS-Kinderdorf und erklärt im Interview, wie dieser Anstieg zustande kommt und was Familien brauchen, um auch aus Krisen gestärkt hervorzugehen.


Ist die Zunahme der Fälle von Kindeswohlgefährdungen einzig durch Pandemie und Lockdowns zu erklären?

Bis jetzt gibt es zumindest keine andere plausible Erklärung. Die Beschränkungen in der Pandemie haben Familien stark unter Druck gebracht. Die Kinder mussten betreut und beim Homeschooling unterstützt werden, gleichzeitig mussten viele Eltern von zu Hause aus arbeiten. Die Essensversorgung in Kita oder Schule fiel weg, Erholungs- und Freizeitaktivitäten konnten nicht stattfinden. Das alleine machte den Familienalltag für viele sehr anstrengend. Noch schwieriger war es für Familien in prekären Lebenslagen – etwa wenn sie Existenzsorgen hatten, beengt leben und zu Hause nur wenige Rückzugsmöglichkeiten bestehen. Unter so einem Druck kann es schon zu schwierigen Dynamiken in Familien kommen.

Kann es trotzdem sein, dass auch die Dunkelziffer in diesem Bereich gestiegen ist?

Es gibt natürlich immer eine Dunkelziffer in diesem Bereich. Ob diese im vergangenen Jahr gestiegen ist, ist schwer zu sagen, denn es ist eben keine klar fassbare Anzahl. Allerdings dürfte bei höheren Zahlen insgesamt auch die Dunkelziffer gestiegen sein.

War die Form der Gefährdung im ersten Coronajahr eine andere als in Jahren ohne Pandemie?

Die Formen von Kindeswohlgefährdung waren nicht grundlegend anders als sonst. Mit der Schließung der öffentlichen Bildungsinstitutionen Kita und Schule und auch mit den strengen Kontaktbeschränkungen fand zwangsläufig viel mehr im Privaten statt. Kinder hatten also viel weniger oder gar keine Außenkontakte. So konnte die Situation entstehen, dass ein Kind zu Hause Unrecht erleidet und niemand außerhalb der Familie dies bemerkt hat. Das war anders.
 

Wie kann den durch die Pandemie belasteten Familien jetzt geholfen werden?

Ein zentraler Faktor ist, dass Schulen und Kitas tatsächlich offen bleiben und Familien und Kinder wieder ihren Alltag zurückbekommen. Das entlastet Eltern wie Kinder unmittelbar. Auch längerfristige finanzielle Entlastung von Familien, die durch die Pandemie in Not geraten sind, ist wichtig. Und natürlich ist die niedrigschwellige Unterstützung von Beratung, offenen Angeboten und Familienzentren hilfreich. Es steht allerdings zu befürchten, dass Kommunen, die wegen Corona sparen müssen, diese Angebote einschränken oder nicht weiter finanzieren. Das wäre fatal, denn Familien brauchen diese Angebote jetzt mehr denn je. 
 

Warum sind diese Angebote so wichtig?

Familien sind dann am stärksten, wenn sie auch außerhalb Unterstützung bekommen. Das können Freunde, andere Familien, Nachbarn und auch die Bildungsinstitutionen der Kinder sein. Doch je prekärer Familien leben, umso kleiner sind diese sozialen Netzwerke. Für diese Familien ist es wichtig, dass es einfach zu erreichende Angebote gibt, zu denen sie mit ihren Sorgen kommen können, wo sie unkompliziert Hilfe finden und für ihre Probleme nicht verurteilt werden. Wie wichtig solche Anlaufstellen sind, hat die Pandemie, denke ich, sehr deutlich gezeigt.