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Kindern eine Stimme geben

Engagement für Kinderrechte

Das Grundgesetz schützt zwar ausdrücklich Tiere und Umwelt - Kinder aber nicht. 

„Es ist höchste Zeit, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern und damit jungen Menschen Förder-, Schutz- und Beteiligungsrechte an höchster Stelle zu garantieren. Das Wohlergehen der kommenden Generation sollte im Mittelpunkt des politischen Handelns stehen“, fordert Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf e.V.

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Die Botschaft für Kinder bekommt ihr Kleid: Der textile Sonnenschutz wird angebracht und verleiht der Fassade bald ihren letzten Schliff

SOS-Kinderdorf setzt sich seit mehr als 60 Jahren dafür ein, Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen zu schützen, zu fördern, zu beteiligen – und ihre Rechte zu wahren. Die 2017 eröffnete Botschaft für Kinder in Berlin stellt hierfür eine neue politische Plattform: Hier soll nicht über Kinder geredet werden, sondern mit ihnen. Erwachsene räumen Kindern dafür oft viel zu wenig Platz ein. Mit der Botschaft für Kinder in der Bundeshauptstadt erhalten Kinder und Jugendliche eine Bühne, auf der sie auf Augenhöhe mitreden. Hier sollen im Dialog ihre Interessen thematisiert und bestmögliche Rahmenbedingungen für ihr Aufwachsen erarbeitet werden.

Ein Haus mit vielen Facetten

Gerechte Chancen für alle

Botschafter in eigener Sache

Die 2017 eröffnete Botschaft für Kinder in Berlin ist ein einzigartiger Ort, an dem Kinder und Jugendliche, Politiker, soziale Organisationen und die Zivilgesellschaft offen über die verbesserungswürdigen Bedingungen von jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen diskutieren und gemeinsam Lösungen erarbeiten werden, die die Lage der Kinder und Jugendlichen verbessern.

Ein deutliches Signal setzen

Die Etablierung der Botschaft ist für SOS-Kinderdorf ein weiterer Ausdruck seiner grundlegenden Werte und Überzeugungen – und setzt damit nicht zuletzt ein deutliches politisches Signal: Kinder und Jugendliche entwickeln hier eine starke Stimme und können so ihre Anliegen direkt in die politische Diskussion miteinbringen. Sie sind Botschafter in eigener Sache und bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Inklusion und Integration

Ein Ort voller Chancen

SOS-Kinderdorf fördert seit Jahren Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das der Botschaft für Kinder angeschlossene Hotel Rossi ist ein Inklusionsbetrieb, der genau diese Chance bietet: über die Hälfte der 40 Arbeitsplätze im Restaurant, Hotel und Veranstaltungsbereich werden durch Menschen mit Behinderung besetzt. Durch die Vielfalt der Arbeitsfelder können sie hier einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehen, die ihrern Interessen und Möglichkeiten entspricht.

Ein Ort der Begegnungen

Die Botschaft für Kinder ist in erster Linie ein Ort des Dialogs und der Begegnungen sowie ein gesellschaftliches und politisches Forum: Dafür bietet sie Tagungsräume für bis zu 250 Teilnehmer, die von Unternehmen, sozialen Verbänden, Stiftungen, Parteien und Vereinen genutzt werden können sowie ein Hotel mit 28 Zimmern. Wer im Hotel Rossi übernachtet oder das dazugehörige Restaurant mit über 80 Sitzplätzen im Innen- und Außenbereich besucht, unterstützt die Arbeit der dort angestellten Menschen mit Behinderung. Diese erhalten hier die Möglichkeit, einer erfüllenden Tätigkeit in Voll- und Teilzeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen.

Bildung und Ausbildung

Junge Menschen fit für die Zukunft machen

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen in Deutschland ist hoch. Kinderarmut ist ein großes Problem in der Bundesrepublik – denn die Herkunft entscheidet hierzulande noch immer über die Zukunftsperspektive. Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen haben es schwer, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und werden nicht ausreichend dabei unterstützt, ihre Möglichkeiten zu erkennen und zu ergreifen. Bis jeder junge Mensch gerechte Chancen für ein gelingendes Aufwachsen erhält, ist es noch ein weiter Weg – den SOS-Kinderdorf mitgestalten will. Das SOS-Kinderdorf Berlin unterstützt seit 1996 Jugendliche mit Förderbedarf sowie Alleinerziehende und junge Mütter in der Berufsausbildung und -qualifizierung. Durch diese Maßnahmen konnten bereits über 1.500 junge Menschen erfolgreich ausgebildet und qualifiziert werden. Diese Arbeit wird nun in der Botschaft für Kinder fortgeführt.

Hoffnung und Perspektive bieten

Junge Menschen mit Förderbedarf erhalten hier Anerkennung, übernehmen Verantwortung und beweisen, wie wichtig ihnen diese Chance auf eine berufliche Zukunft ist. Um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen, stehen ihnen unsere Sozialpädagogen, Lehrkräfte und Ausbilder zur Seite, die ihnen auch bei der Praktikumssuche sowie im Bewerbungsprozess helfen. Ohne zusätzliche Unterstützung hätten sie aufgrund ihrer Vorgeschichte kaum Chancen, sich und ihr Können auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen. Die Botschaft für Kinder fungiert so nicht nur auf ideeller Ebene als eine Plattform für Kinder und ihre Rechte, sondern unterstützt junge Menschen in schwierigen Lebenslagen auch ganz konkret mit speziellen Förderangeboten – für eine Zukunft voller Hoffnung und Perspektive.

Hand in Hand für die Botschaft

Monatelang herrschte in der Tischlerei auf SOS-Hof Bockum aufgeregtes und emsiges Treiben. Ein neuer großer Auftrag stand an: Möbel bauen für das neue Hotel von SOS Kinderdorf in Berlin!

Die Freude war groß, die Anforderungen hoch: Für die neuen Zimmer im Hotel „Rossi“  in Berlin sollen Betten, Tische, Kofferablagen, Hutablagen und Hocker, die auch als Nachttisch verwendet werden können, entstehen. Über viele Wochen wurde gemessen, gesägt, gehobelt und gebaut, um alles rechtzeitig fertig zu bekommen.

Gesagt, getan, gewerkelt: das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Nach getaner Arbeit fuhren die Mitarbeiter und Werkstattbeschäftigten neugierig und voller Stolz nach Berlin, um die Möbel persönlich auszuliefern und ihr Werk zu begutachten. „Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht und es ist super, dass am Ende jetzt ein bequemes Bett vor mir steht!“, freut sich Katharine Smidt, eine von acht Menschen mit Behinderung, die in der Tischlerei Anstellung gefunden haben. Die Tischlerei ist eine von sieben Abteilungen der Werkstatt für behinderte Menschen in SOS-Hof Bockum. Idyllisch gelegen in der Lüneburger Heide finden in der Einrichtung von SOS-Kinderdorf erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung einen Platz zum Leben und eine sinnvolle Arbeit. Neben der Tischlerei gibt es die Landwirtschaft mit Milchkühen und Ackerbau, die Käserei, in der die eigene Milch verarbeitet wird und die Gärtnerei, in der Gemüse streng nach biologischen Richtlinien angebaut wird. Insgesamt werden in SOS-Hof Bockum 100 Menschen betreut, gefördert und gefordert – Tendenz steigend!

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Kinder wollen gerne mitreden – sie haben schließlich auch jede Menge zu sagen! So lautet das positive Fazit von SOS-Kinderdorfmitarbeiterin Karen Silvester, die anlässlich der Eröffnung der Botschaft für Kinder in Berlin rund 200 Mädchen und Jungen zum Thema  Kinderrechte befragte.
Kindgerecht erklärt und liebevoll mit Playmobilfiguren nachgestellt, konnten sich die Kinder auf einem Stand bei den Evangelischen Kirchentagen über das Thema Kinderrechte informieren und überlegen, was sie in dieser Welt gerne verbessern würden.
Herausgekommen ist eine beeindruckende Sammlung an ganz persönlichen Postkarten, die rechtzeitig zur Eröffnung auf die Reise in die „Botschaft für Kinder“ gingen. „Keine Kinderarbeit“, „Gerechtigkeit“, „Jedes Kind sollte Eltern haben“, „Friede“ oder „Jedes Kind sollte ein Lächeln auf dem Gesicht haben“ steht beispielsweise auf den Postkarten. Und wer noch nicht selbst schreiben konnte? „Die jüngeren Kinder haben einfach gemalt oder ihre Eltern gebeten, ihre Gedanken aufzuschreiben.“, erzählt das Organisationsteam. „Das zeigt: man ist niemals zu jung, um sich mit so wichtigen Dingen auseinander zu setzen.“

Kinderrechte und Beteiligung sind zentrale Themen

SOS-Kinderdorf setzt sich seit über 60 Jahren für positive Lebensbedingungen für alle Kinder und Jugendlichen ein - nicht nur mit der neuen Botschaft für Kinder. Dabei geht es insbesondere um die (altersgemäße) Beteiligung der Kinder und Jugendlichen im Alltag an Belangen und Entscheidungen, die ihr Leben betreffen. Durch dieses Beteiligtsein erfahren die Kinder, dass sie selbst etwas bewirken können. Beteiligung wirkt persönlichkeitsbildend und stärkt die Handlungskompetenzen. Zudem engagiert sich der SOS-Kinderdorf e.V., um Kinderrechte zu stärken – insbesondere wenn es um angemessene Schutz- und Förderrechte geht. „Es ist wichtig, den Kinderrechten im Alltag Geltung zu verschaffen.“, sagt Luise Pfütze Referentin Advocacy beim SOS-Kinderdorf e.V. „Wenn Kinder ihre Rechte kennen, bestärkt es sie darin, in eigener Sache aktiv zu werden und Veränderungen mitzugestalten. Das ist eine wichtige Basis dafür, selbstbestimmt zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.“ Eine wichtige Forderung des SOS-Kinderdorf e.V. ist daher die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

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Ein Koffer voller Postkarten: Wünsche an die Botschaft


Wir leben, was wir von anderen fordern

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Der Dorfrat im SOS-Kinderdorf Zwickau redet mit - und bestimmt beispielsweise, welche Spielgeräte auf den neuen Spielplatz kommen

In allen SOS-Einrichtungen wird Wert auf Kinderbeteiligung gelegt. Auch wenn es um vermeintlich banale Fragen des Alltags wie zum Beispiel „wie lange darf ich aufbleiben?“, oder „darf ich meine Garderobe selbstständig aussuchen?“ geht. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche das Gefühl haben, angehört und ernst genommen zu werden. So können ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen wachsen. Ein typisches Beispiel: Im Kinderdorf Zwickau trifft sich einmal im Monat der Dorfrat, um über aktuelle Projekte, neue Ideen, aber auch Probleme zu reden. Jedes der 13 Häuser des Kinderdorfs, das ca. 80 Kindern und Jugendlichen ein Zuhause bietet, schickt dazu ein oder zwei der jungen Bewohner. Diese kleine Delegation trägt die neuen Informationen wieder in die jeweilige Kinderdorffamilie oder Wohngruppe zurück. „Das Besondere an unserem Dorfrat ist, dass die Kinder hier selbst zu Wort kommen“, sagt Heico Engelhardt, Leiter des SOS-Kinderdorfs Zwickau. Egal ob es um die Neugestaltung des Spielplatzes, Lärmbelästigung aus dem Nachbarhaus oder die anstehenden Ferien geht „Wir besprechen alle Themen ganz offen, jeder darf seine Meinung sagen. Und wir nehmen die Anregungen und Wünsche der Kinder sehr ernst“.

Icon Paper

Seit 1989 gibt es die UN-Kinderrechtskonvention, die von den Vereinten Nationenerstellt wurde.

Die Kinderrechtskonvention ist von allen Staaten der Welt, außer den USA, ratifiziert worden.

Als Kinder gelten alle Personen unter 18 Jahren.

Icon Donation Report

Insgesamt beinhaltet die Konvention 54 Kinderrechtsartikel sowie drei Zusatzprotokolle.

Seit dem 14. April 2014 können sich Kinder beim UN-Ausschuss für Kinderrechte in Genf beschweren.

Bis heute wurden Kinderrechte noch nicht in das deutsche Grundgesetz aufgenommen.

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