Armut in Deutschland

Was bedeutet Armut in Deutschland?

Wenn man mit dem Begriff Armut konfrontiert wird, denkt man unweigerlich an Entwicklungsländer, hungernde Menschen, große Not. So scheint es befremdlich in Deutschland von Armut zu sprechen. Und hier gibt es tatsächlich einen Unterschied: In Deutschland spricht man von relativer Armut. Das heißt, jemand gilt als arm, wenn er oder sie weniger finanzielle Mittel zur Verfügung hat als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet ist man in Deutschland, wenn mindestens einer dieser drei Umstände zutreffen:

  • Wenn man 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat. Das mittlere Einkommen ist ein Durchschnittswert. Im Schnitt sollte eine vierköpfige Familie (mit Kindern unter 14 Jahren) in Deutschland rund 2.300 € monatlich zur Verfügung haben. Dieser Wert variiert jedoch nochmals je Bundesland. So ist die Artmusschwelle mit 1.830 € monatlich in Sachsen-Anhalt am niedrigsten, in Baden-Württemberg und Hamburg mit rund 2.290 € am höchsten.
  • Wenn man von erheblichen materiellen Entbehrungen betroffen ist. Das heißt, wenn man die Miete oder Versorgungsleistungen nicht bezahlen, die Wohnung nicht angemessen beheizen und sich eine einwöchige Urlaubsreise nicht leisten kann.
  • Wenn weniger als 20 Prozent der Haushaltsmitglieder zwischen 18 und 59 Jahren einem Erwerb nachgehen.


Was bedeutet Armut für Kinder in Deutschland?

In Deutschland leben rund 21 Prozent aller Kinder mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. Und Verzicht und Mangel haben langfristige Folgen.

Oft bedeutet Armut für Kinder auch Ausgrenzung und Chancenungleichheit. Sie sind öfter übergewichtig, da eine ausgeglichene Ernährung mit den wenigen finanziellen Mitteln nicht immer möglich ist. Kleidung muss unter Umständen so lange getragen bis Geld für Neuanschaffungen da ist. Manchmal muss dann auch kaputte Kleidung getragen werden. Am Ende muss vielleicht auch das eine paar Schuhe genügen. Freizeitbeschäftigungen, wie Kino, finden nur selten statt. Fällt dies den besser gestellten Gleichaltrigen auf, sind Kinder aus ärmlichen Verhältnissen nicht selten von Ausgrenzung betroffen. Aber auch in der Schule und so auch im späteren Berufsleben haben sie nicht die gleichen Chancen wie andere Kinder. Nur 7,2 Prozent schließen eine Fachhochschule ab.

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass sich jedes zweite Kind um die finanzielle Situation der Familie sorgt. Kinder sollten sich nicht um Armut sorgen müssen – auch nicht in Deutschland.

Quellen:
Statistisches Bundesamt: Leben in Europa
Bertelsmann Stiftung: Armutsmuster in Kindheit und Jugend; Fragt Sie doch selbst!; Kinderarmut ist in Deutschland oft ein Dauerzustand, Oktober 2017