Chancen und Herausforderungen der Mediatisierung

Die neuen Medien als pädagogische Chance zu Partizipation und Selbstwirksamkeitsstärkung

Heico Engelhardt, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorf Zwickau und Mitglied des Beirats der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), sieht die Mediatisierung zum einen als Chance und zum anderen auch als Herausforderung für Jugendliche:

Medienkompetenz kann man lernen

„Die Medien sind ein wunderbares Medium, um mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten. Trauriger Beleg für diese These ist leider auch die missbräuchliche Nutzung von Medien, z.B. bei der Anbahnung von sexuellen Übergriffen.

Positiv gesehen können Medien die Wege zu Kindern und Jugendlichen verkürzen und uns sonst verschlossene Zugänge ermöglichen. Auch die Intensität von Beziehungen zwischen Kindern und Jugendlichen kann durch Medien jenseits der klassischen „realen“ Peergroup verstärkt werden. Kinder und Jugendliche können unabhängig vom Aufenthaltsort eine Beziehung intensiv pflegen. Der negative Aspekt dessen ist aber, dass durch die mediale Nähe Mobbing und üble Nachrede zeitnah und ortsungebunden weit verbreitet werden können.

Wenn wir nun Beziehung als den Schlüssel unseres pädagogischen Handelns verstehen, bleibt uns gar keine andere Wahl, als uns dem Thema Mediatisierung von Lebenswelten der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu stellen. 

Was für ein Glück, dass man sich dabei als PädagogIn auf sein erlerntes Handwerk verlassen kann. Die Grundregeln für das Zusammenleben im „medialen Raum“ sind denen, die wir den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen für das „real life“ schon immer zu vermitteln versuchen, sehr ähnlich. Sozialverhalten und die Erziehung zu selbstbestimmten und selbstbewussten Persönlichkeiten sind auch die Lösungsansätze für die sogenannten „neuen Medien“ und „social media“. Wer im Umgang mit anderen Menschen selbstbewusst auftritt und sich „sozial“ verhält, der wird dies auch in der „medialen Welt“ tun.

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Von daher kann ich allen pädagogischen Fachkräfte, die vielleicht aus Sorge vor eigenen technischen Defiziten bisher von dem Thema distanziert haben nur sagen: Sie haben das Handwerkszeug zur positiven Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der (medialen) Zukunft doch längst im Einsatz! Technische Kompetenz ist wünschenswert aber nicht zwingend erforderlich. Ich muss keinen Führerschein haben, um Kindern das Verhalten im Straßenverkehr beizubringen. Ich kann erfolgreich in der Drogenberatung arbeiten ohne selbst Drogen zu konsumieren oder konsumiert zu haben. Auf die Haltung und die Offenheit diesem Thema gegenüber kommt es an. Und auf mein uneingeschränktes Interesse an den von mir begleiteten Kindern und Jugendlichen. Im Zweifelsfall fragen Sie diese einfach, sie helfen Ihnen bestimmt gerne bei „technischen Fragen“ und bieten Ihnen so nebenbei noch eine wechselseitige „Bildungspartnerschaft“ an. Schaffen Sie Räume, um gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Medien zu erleben und sich so gegenseitig zu bereichern. Machen Sie ein gemeinsames Filmprojekt, gemeinsam Musik oder ein gemeinsames Kunstprojekt mit Medien.

Dann öffnet sich für Sie eine großartige pädagogische Chance zu „Augenhöhe“, zur Partizpation und Selbstwirksamkeitsstärkung bei den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen.“

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