Die Vielfalt der digitalen Medien.
Ausbildung zu Medienscouts

Datenschutz, Cybermobbing, Altersbeschränkungen - die Medienscouts wissen Bescheid

Für die SOS-Kinderdörfer Sauerland und Dortmund werden derzeit in Kooperation mit der Landesanstalt für Medien NRW sogenannte Medienscouts ausgebildet. Ziel des Projekts ist zum einen, Pädagogen auf den Wissensstand der Jugendlichen zu bringen, die sich zumeist besser in der digitalen Welt auskennen. So kann gewährleistet werden, dass Pädagogen und Jugendliche auf einer Augenhöhe miteinander diskutieren können. Ein weiteres Ziel ist es, Mädchen und Jungen die Chancen, aber auch Risiken des Internets aufzuzeigen. Dabei spielen vor allem Fragen zum Datenschutz im Internet und Cybermobbing eine Rolle. Es soll aber auch aufgezeigt werden, welche Apps für die verschiedenen Altersgruppen geeignet sind. Um einen kindgerechte Umgang im Netz auch technisch sicherzustellen, wurden neue altersentsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So werden beispielsweise nicht kindgerechte Inhalte automatisch blockiert.

Luca aus dem SOS-Kinderdorf Sauerland lässt sich zum Medienscout ausbilden

Luca aus dem SOS-Kinderdorf Sauerland lässt sich zum Medienscout ausbilden

Damit das Projekt nachhaltig wirken kann, erhalten zunächst alle Mitarbeitenden eine Grundausbildung, in der sie für digitale Themen sensibilisiert werden. Mit der Unterstützung zweier Coaches der Landesanstalt für Medien NRW absolvieren dann 24 Pädagogen anhand von fünf Modulen eine tiefergreifende Ausbildung. Zugleich werden 24 Kinder und Jugendliche als Medienscouts ausgebildet, die ihr Wissen an Gleichaltrige weitergeben und so ein Bindeglied zwischen Erziehern und Kindern darstellen sollen. Nach diesem Prinzip wird es pro Kinderdorf-Haus ein Medienscout-Tandem geben, das auf einem Pädagogen und einem Kind besteht.

Erwachsene zeigen Kindern die Welt der digitalen Medien.

Warum ein gesunder Umgang mit digitalen Medien wichtig ist und wie man das lernen kann.

Die Medienscouts Kirsten Langer und Ranka Bijelic verraten wie das geht.

Oftmals wissen Eltern oder Erzieher nicht, wie sie ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Onlinemedien vermitteln können. Was raten Sie Eltern und Erziehern?

Kristin Langer: Gut ist, wenn es klare Regeln gibt, die auch benannt werden. Zum Beispiel wenn es um die Länge der Bildschirmzeit oder um die Inhalte bestimmter Seiten geht. Diese Regeln sollten dann auch strikt eingehalten werden. Dabei verlieren Eltern und Erzieher oft auch aus den Augen, dass sie selbst eine Vorbildfunktion haben: Möchte ich nicht, dass mein Kind beim Essen aufs Smartphone starrt, muss ich selbst darauf achten, dass mein eigenes Smartphone auch nicht in der Nähe ist. Vorbild sein macht an dieser Stelle sehr viel aus.

Ranka Bijelic: Zugleich müssen Eltern und Erzieher aber auch immer im Kopf haben, dass es sich bei Medienpädagogik um einen Lernprozess handelt. Man kann das vergleichen mit dem Fahrradfahren: Kinder machen mit zehn oder elf Jahren einen Fahrradführerschein. Das heißt aber nicht, dass sich alle Kinder direkt sicher auf der Straße bewegen können.

Was genau meinen Sie damit?

Ranka Bijelic: Auch der Umgang mit Onlinemedien ist nichts, was ein Kind von heute auf morgen lernt. Das Kind muss beim Lernen angeleitet werden und es muss auch mal „hinfallen“ dürfen, ohne dass direkt eine Überreaktion in Form eines Verbots ausgesprochen wird. Wichtig ist, sich die Kompetenzen des Kindes regelmäßig anzuschauen und danach Regeln aufzustellen, am besten gemeinsam mit dem Kind. Eltern können fragen, was ihm wichtig ist und sich auch auf Kompromisse einlassen.

Das bedeutet natürlich auch, dass sich die Erwachsenen auf dem Laufenden halten müssen…

Kristin Langer: Auf jeden Fall. Eltern müssen zum Beispiel wissen, wie Sie das Internet kindersicher machen und auch Inhalte oder Apps kennen, mit denen sich die Kinder beschäftige

Das Internet ist schnell, da kommt man nicht immer mit. Wie schaffe ich es denn als Elternteil, online fit zu werden und zu bleiben?

Kristin Langer: Da gibt es viele Möglichkeiten. Eine verlässliche, die Eltern auch zusammen mit ihren Kindern nutzen können, ist der Internet-Führerschein. Den finden Eltern beim Internet-ABC. Bei klicksafe.de können sich Erwachsene im Elternbereich über alles Wichtige informieren und in Sachen Smartphone lohnt ein Blick – gemeinsam mit Kindern auf handysektor.de.

Nun haben wir viel über die negativen Seiten der digitalen Welt gesprochen. Was ist für Sie das positive?

Ranka Bijelic: Das Digitale bietet so viele Möglichkeiten. Es ist eine Luxuswelt hinsichtlich Wissenserwerb, Kommunikation aber auch Kreativität. Heute kann jeder mit Film und Foto kreativ arbeiten, Musikstücke produzieren oder Gleichgesinnte für exotische Musik finden, Randsportarten verfolgen, und, und, und. Es gibt eine so große Palette an Dingen, die erst durch das Internet und Digitalisierung möglich wurden.

Kristin Langer: Online-Aktivitäten und Digitales sind nicht partout schlecht. Deswegen ist es gut, wenn Eltern das Thema auch nicht ausklammern oder negativ besetzen. Stattdessen können sie einen gesunden und förderlichen Umgang mit dem Thema stärken.

Erfahren Sie hier mehr über die SOS-Kinderdörfer Dortmund und Sauerland