Susa und Hanne - die beiden Schwestern haben heute ein viel besseres Verhältnis als früher
Ein Zuhause im städtischen Kinderdorf

Geschwisterbande: Susa und Hanne

Susa und Hanne* sind Schwestern. Wer es nicht weiß, kommt nicht darauf, dass die beiden lebhaften Mädchen eine gemeinsame und teilweise dunkle Vergangenheit haben. Susa ist eine begeisterte Sängerin, ihre ersten Bühnenauftritte hat sie mit Bravour gemeistert. Hanne treibt mit großem Engagement Sport, mit jedem Turniersieg wird sie selbstbewusster. Beide leben im SOS-Kinderdorf, aber jede mit ihrer eigenen SOS-Kinderdorfmutter und ihrer eigenen SOS-Familie.

Susa und Hanne hatten eine schwierige Kindheit

„Das Elternhaus der beiden war von Gewalt und Drogenmissbrauch gekennzeichnet“, sagt Heidrun Boye von SOS-Kinderdorf aus Hamburg. „Im Kindergartenalter mussten die beiden mit ansehen, wie der Vater mit dem Messer auf die Mutter losging. Es kam mehr als einmal vor, dass Nachbarn, von Krach alarmiert, die Polizei riefen.“ Nach der Scheidung der Eltern wurden die Mädchen „aufgeteilt“: Eine lebte beim Vater, die andere bei der Mutter, beide um Umkreis von Hamburg. Doch auch dort kam es zu Polizei-Einsätzen, bis das Jugendamt entschied: Die Eltern sind dauerhaft nicht in der Lage, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Susa ist sportlich und wird von ihrer SOS-Kinderdorfmutter unterstützt

Susa ist sportlich und wird von ihrer SOS-Kinderdorfmutter unterstützt

Getrennt, aber doch zusammen

Nach der „Inobhutnahme“ durch das Jugendamt lebten Susa und Hanne zunächst in einer betreuten Wohngruppe, weit weg von ihren leiblichen Eltern. Dort ging der Kampf weiter, wie Heidrun Boye erläutert: „So, wie sie einst erbittert um die Liebe ihrer schwer belasteten Eltern gekämpft hatten, kämpften sie in der Wohngruppe um die Aufmerksamkeit und Zuneigung ihrer Bezugsperson.“ Es kam zu heftigen Szenen, auch körperliche Gewalt war im Spiel. Alle litten unter der Situation. Ein Tiefpunkt war erreicht.
Als sie schließlich zu SOS-Kinderdorf kamen, waren Susa und Hanne sechs und sieben Jahre alt. Die SOS-Pädagogen entschieden: Die Mädchen sollen die Chance erhalten, in getrennten Kinderdorf-Familien, aber in Kontakt zueinander aufzuwachsen. Das ist nur in einem SOS-Kinderdorf möglich: Die Schwestern leben nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und können sich jederzeit treffen. Trotzdem hat jede ihre eigene Kinderdorfmutter und ihre eigenen Kinderdorf-Geschwister. Und ein eigenes Zimmer, in dem sie die Tür hinter sich zu machen kann.

Hanne blüht auf der Bühne förmlich auf

Hanne singt gerne und blüht auf der Bühne förmlich auf

"Die beiden werden ihren Weg machen"

„Für die beiden war das nach Brüchen und Umwegen ein guter Weg“, sagt SOS-Mitarbeiterin Heidrun Boye. „Heute kommen sie gut miteinander klar. Naja, manchmal streiten sie auch, aber welche Schwestern tun das nicht? Sozial und schulisch haben sie sich prima entwickelt. Die beiden werden ihren Weg machen.“ Das sehen inzwischen auch die leiblichen Eltern von Susa und Hanne, zu denen SOS-Kinderdorf stets Kontakt gehalten hat und die ihre Töchter regelmäßig im wohnortnah gelegenen Kinderdorf besuchen können. „Die Chancen, die die Mädchen im Kinderdorf haben, hätten ihnen ihre leiblichen Eltern wohl nicht bieten können“, resümiert Boye. „Dass auch die Eltern die jetzige Lösung positiv beurteilen, ist eine große Anerkennung, die uns tief berührt.“

*Namen und Abbildungen sind zum Schutz der realen Personen geändert.

Für mehr Chancengerechtigkeit

Im neuen SOS-Kinderdorf Hamburg werden ab 2020 bis zu drei Kinderdorffamilien ein neues Zuhause finden. Außerdem entsteht dort mit dem neuen SOS-Familienzentrum ein Ort der Begegnung, Bildung und Unterstützung für alle Hamburger. Zu diesem öffentlichen Bereich gehören ein Familiencafé, ein Kinderkleiderladen sowie mehrere Kursräume.

Warum braucht Hamburg ein neues SOS-Kinderdorf?

In Hamburg fehlen Plätze für Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. Das neue Haus bietet ein liebevolles Zuhause mit 18 Plätzen.

Bereits seit über 40 Jahren ist SOS-Kinderdorf in Hamburg präsent und hilft jungen Menschen und Eltern in ganz unterschiedlichen Situationen.

Das bisherige Familienzentrum in Dulsberg ist zu klein für die vielen wichtigen Angebote. Ab 2020 werden diese am neuen Standort untergebracht.

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