Mütterzentrum Salzgitter

Vier Generationen unter einem Dach

Mütterzentrum Salzgitter

Die einen kommen, um sich bei Problemen helfen zu lassen, die anderen suchen den Austausch mit den Bewohnern aus dem Viertel, wieder andere wollen ihr Wissen und Können zum Einsatz bringen. Mehrgenerationenhäuser sind Orte der Hilfe, Begegnung und des Engagements gleichermaßen und stehen jedem, unabhängig von Alter oder Herkunft, offen.

„Es ist wie in einem kleinen Dorf, obwohl hier niemand wohnt“, erzählt Mama Melanie. Die alleinerziehende Mutter, hat eine abgebrochene Ausbildung und war lange arbeitslos. Dass sie und ihre Tochter Sophie heute auf einem guten Weg in ein glückliches und selbstbestimmtes Leben sind, verdanken sie dem SOS-Mütterzentrum Salzgitter. Das bietet Beratung und Unterstützung - vor allem aber: die Menschen hier sind füreinander da, wie in einer Großfamilie. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe geben und Selbstvertrauen schenken. „Hier habe ich das erste Mal gelernt, an mich zu glauben, nicht aufzugeben, Verantwortung zu übernehmen“, erzählt die 39-Jährige heute, die schon kurz nach der Geburt ihrer Tochter im SOS-Mütterzentrum Hilfe suchte.

SOS-Mütterzentrum Salzgitter - Melanie und Sophie

Melanie und Sophie beim spielen in der Caféstube mit anderen.

Chancen verbessern

Etwa 600 Menschen nutzen allein in Salzgitter täglich die Angebote, die sowohl von freiwillig Engagierten als auch festangestellten Mitarbeitenden getragen werden. In der niedersächsischen Großstadt lebt jedes 5. Kind unterhalb der Armutsgrenze, in Deutschland sind etwa zwei Millionen Kinder von Armut bedroht. Für diese Kinder heißt das: weniger Bildungschancen, gesellschaftliche Ausgrenzung und schlechte Zukunftsperspektiven. Gerade in sozial schwachen Gebieten, leisten die Mehrgenerationenhäuser einen wertvollen Beitrag, die Startbedingungen für Kinder mit Bildungs- und Freizeitangeboten zu verbessern. Denn je früher die Kinder gefördert werden, desto besser sind sie für die Zukunft aufgestellt.

Angebote so vielfältig wie die Menschen

So unterschiedlich und vielfältig die Menschen und ihre Lebenslagen sind, gestalten sich auch die Angebote in den SOS-Mehrgenerationenhäusern, von denen es neun in Deutschland gibt. Betreuungs-, Lern- und Kreativangebote für Kinder und Jugendliche, Weiterbildungskurse für den (Wieder-) Einstieg in den Beruf werden ebenso angeboten, wie Unterstützung für Senioren und Pflegebedürftige, Sprachkurse für Migrantinnen und Migranten oder Mittagessen zum günstigen Preis. „Wir bieten an, was die Menschen wirklich brauchen und schaffen ein Umfeld, in dem sich die Menschen wohl fühlen“, sagt Sabine Genther, Leiterin des SOS-Mütterzentrums in Salzgitter. Die Angebote orientieren sich am Bedarf vor Ort, der in Abstimmung mit den Kommunen ermittelt wird. Viele zusätzliche Angebote werden mit Spenden finanziert. Einen unverzichtbaren Beitrag zum Gelingen tragen neben den Hauptamtlichen die vielen Freiwilligen Mitarbeitenden bei, ohne die eine solche Vielfalt gar nicht realisiert werden könnte. Jeder, der Lust hat, kann seine Fähigkeiten und Talente zum Einsatz bringen.

Offener Treff

Das Herz eines jeden Mehrgenerationenhauses schlägt im „Offenen Treff“. Hier ist der Ort, an dem die Menschen ins Gespräch kommen und Kontakte geknüpft werden. In gemütlicher Atmosphäre haben die Besucher die Möglichkeit sich auszutauschen und sich über alle Angebote und Kurse zu informieren. Dafür gibt es die sogenannten „Gastgeberinnen“. Ihre wichtigste Aufgabe: sich kümmern und zuhören. Sie gehen auf die Menschen zu, versuchen herauszufinden, wer was braucht und vermitteln Unterstützung. Ihr wichtigstes Werkzeug: Offenheit und Empathie. „Offen“ bedeutet aber auch: Hier ist Raum für eigene Ideen und deren Umsetzung. Egal ob Flohmarkt, Nähkurs oder Gitarrenunterricht: Mehrgenerationenhäuser leben von der Kreativität und den Interessen der Menschen, die sich hier einbringen. So wie die Rentnerin „Schubi“, die als Freiwillig Engagierte im Second-Hand-Laden mithilft und mittlerweile Sophies Ersatzoma geworden ist. „Die Wahlfamilien sind ganz wichtig, weil sie Sicherheit, weil sie Wärme für die Kinder bieten“, weiß Sabine Genther aus langjähriger Erfahrung.

Berufsperspektiven

Mehrgenerationenhäuser unterstützen aber auch Menschen auf dem Weg in Beruf und Arbeit. Sie haben die Möglichkeit z. B. im hauswirtschaftlichen oder pflegerischen Bereich mitzuarbeiten, um sich zu qualifizieren. Für Menschen, die sich beruflich orientieren wollen, stehen diverse Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung, die ihnen den Neu- oder Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern sollen. Praktika und Betriebserprobungen geben Berufseinsteigern eine Orientierung. Zudem bieten einige Häuser Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst in der Betreuung von Kindern und alten Menschen an. So hat auch Melanie endlich ihren Weg gefunden: Seit über sechs Jahren arbeitet sie nun schon in der Kaffeestube des Mütterzentrums, das ihr zweites Zuhause geworden ist. Sophie, die sich zu einem aufgeweckten und neugierigen Kind entwickelt hat, besucht nur ein paar Türen weiter den Kindergarten und freut sich schon, bald in die Schule gehen zu dürfen.


Mehrgenerationenhäuser entstanden 2006 aufgrund einer Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Konzept der Mehrgenerationenhäuser geht zurück auf das SOS-Mütterzentrum Salzgitter, das schon in den 1980er Jahren mit der Umsetzung des generationsübergreifenden Ansatzes begann. 

Mittlerweile gibt es bundesweit insgesamt neun Mehrgenerationenhäuser unter dem Dach von SOS-Kinderdorf.

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