32229_©123rf_Andrii Biletskyi_60421148.tif
60 Jahre SOS-Kinderdorf Ammersee

Wir bleiben zusammen

Halt und Geborgenheit, wenn die leiblichen Eltern beides nicht geben können - das ist die Vision von SOS-Kinderdorf. Im SOS-Kinderdorf Dießen am Ammersee finden Kinder und Jugendliche seit 60 Jahren ein Zuhause. Gestern wie heute wichtig: Geschwister bleiben zusammen.

Ein Kinderdorf wird 60 – und ist so jung wie eh und je

Wer Lukas und Leonie* erlebt, merkt schnell, wie nahe sich der Siebenjährige und seine vierjährige Schwester sind. Manchmal legt Lukas „seiner“ Leonie beschützend den Arm um die Schultern oder drückt sie fest an sich. Die kleine Schwester liebt es, Zeit mit ihrem Bruder zu verbringen. Sich im Spiel und in der Natur zu vergessen, einfach wieder Kinder zu sein, das ist für das Geschwisterpaar das allergrößte Geschenk.

321_KD-Ammersee_historisch_IMG0060.jpg

Leibliche Geschwister bleiben zusammen - dieses Credo gilt damals wie heute.

Geschwister bleiben zusamen - damals wie heute

Vor einem Jahr ist die Mutter von Lukas und Leonie gestorben. Jahrelang hatte sie gegen ihre Suchterkrankung gekämpft, als Alleinerziehende war sie mit den Kindern oft überfordert. Als Erster war Lukas ins SOS-Kinderdorf nach Dießen am Ammersee gekommen. Leonie, damals noch ein Baby, blieb zunächst bei der Mutter. „Man wollte ihr eine letzte Chance geben, der Kleinen eine gute Mutter zu sein“, erinnert sich Antje Hausmann von SOS-Kinderdorf. Doch auch das funktionierte mehr schlecht als recht. Das Jugendamt war „Dauergast“ in der Familie, der Gesundheitszustand der Mutter verschlechterte sich zusehends. Zuletzt sah sie selbst ein, dass sie ihrer Tochter keinen Gefallen tut, wenn sie sich weiter an sie klammerte.

So war es ein Segen für die Kinder, als auch Leonie ins SOS-Kinderdorf Dießen kommen konnte. Und es war selbstverständlich, dass das Mädchen mit seinem leiblichen Bruder in einer Kinderdorffamilie aufwachsen wird. Geschwister bleiben zusammen – an diesem Grundsatz der ersten Stunde von SOS-Kinderdorf wird nicht gerüttelt. Auch wenn heute manches anders ist als in den „Gründerjahren“ von SOS-Kinderdorf, bleibt die Vision dieselbe:  Es geht darum, Kindern Halt und Geborgenheit zu schenken, wenn die leiblichen Eltern beides nicht geben können.

kontextbezogen_32230_©123rf_Andrii Biletskyi_91197725.tif

Leonie liebt es, Zeit mit ihrem Bruder zu verbringen. Sich im Spiel und in der Natur zu vergessen, einfach wieder Kinder zu sein, das ist für das Geschwisterpaar das allergrößte Geschenk.


Lukas und Leonie haben noch einen weiten Weg vor sich

Der Schmerz über den frühen Tod der Mutter wird sie vermutlich ein Leben lang begleiten. Aber sie sind nicht allein. Neben ihrem SOS-Kinderdorfvater stehen ihnen weitere Fachkräfte zur Seite. Zum Angebot eines modernen SOS-Kinderdorfs gehören nämlich nicht nur ein warmes Zuhause mit regelmäßigen Mahlzeiten und betreuten Hausaufgaben. Sondern auch ein zeitgemäßer Umgang mit den Traumata und Verletzungen, die viele Kinder in ihren Ursprungsfamilien erlitten haben. In Dießen am Ammersee kann das zum Beispiel eine tiergestützte Therapie unter Einbeziehung von Pferden sein.

Wenn Lukas und Leonie und die anderen Geschwister der SOS-Kinderdorffamilie draußen auf dem Bolzplatz toben, geht es richtig rund in Dießen am Ammersee. Diesen Sommer feiert das Dorf einen runden Geburtstag: Vor 60 Jahren zogen die ersten Buben und Mädchen in dieses erste deutsche SOS-Kinderdorf ein. Wer die Fotos von damals sieht, merkt schnell, dass sich so manches  verändert hat. Wer die bewegenden Geschichten der Kinder von damals und heute hört, weiß aber auch: Im Herzen ist die SOS-Kinderdorf-Idee so zeitgemäß und so jung wie eh und je.

*Namen und Alter zum Schutz der Kinder geändert. Das Foto zeigt nicht die realen Personen.

60 Jahre - wie die Zeit vergeht - die Entstehungsgeschichte des SOS-Kinderdorfs Ammersee als Slideshow:

Gut zu wissen!

Bis heute haben im SOS-Kinderdorf Dießen 669 Kinder und Jugendliche ein Zuhause gefunden.

Im Frühjahr 1958 zogen die ersten Buben und Mädchen ins SOS-Kinderdorf Dießen am Ammersee. Es war das erste SOS-Kinderdorf in der Bundesrepublik Deutschland. Das erste SOS-Kinderdorf weltweit war 1950 von SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner in Imst in Tirol eröffnet worden.  Aktuell leben dort zwischen 55 und 60 Kinder in insgesamt zehn Kinderdorf-Familien.
Nach den Berichten und Erinnerungen der ersten Kinderdorfmütter war das Interesse am Kinderdorf Dießen von Anfang an immens: Schon während der Bauarbeiten in den Jahren 1956 bis 1958 gab es zahlreiche Anfragen von Jugendämtern. Deshalb entschloss man sich, die ersten Familien noch vor der Eröffnung des Kinderdorfs einzurichten und brachte die Kinder und ihre Kinderdorfmütter übergangsweise auf Schloss Hurlach im Landkreis Landsberg am Lech unter.

Gut zu wissen

Als 1958 die ersten Familien in Dießen einzogen, waren die betreffenden Kinder –anders als bei der Dorfgründung in Imst - keine Kriegswaisen mehr. Die meisten Kinder hatten Familien, die sich nicht angemessen um sie kümmern wollten oder konnten. Dabei spielten mitunter Einstellungen und Vorurteile eine Rolle, die heute kaum noch nachvollziehbar sind: So gab es einige „uneheliche“ Kinder, die von ihren Müttern gebracht wurden – oft unter Druck und auf Veranlassung der Herkunftsfamilie hin. Andere Kinder stammten aus Verbindungen mit afroamerikanischen US-Soldaten. Ihre Hautfarbe war der Anlass, sie in eine SOS-Kinderdorf-Familie zu geben.
Eine große Idee – gestern und heute: „Eine Mutter, Geschwister, ein Haus, ein Dorf“: An dieser ewig jungen Vision unseres Gründers Hermann Gmeiner hält SOS-Kinderdorf auch im Jahr 2018 fest. Halt, Geborgenheit und Wärme für benachteiligte Kinder und Jugendliche: Was kann es Besseres geben, wenn man mithelfen möchte, die Welt ein Stück weit besser zu machen.

Für Ihre Unterstützung danken wir Ihnen von Herzen

  • Mit 50 Euro finanzieren Sie eine reittherapeutische Stunde im SOS-Kinderdorf Dießen
  • Mit 100 Euro unterstützen Sie einen Monat lang Nachhilfe-Unterricht für ein Kinderdorf-Kind
  • Mit 1000 Euro ermöglichen Sie einer Kinderdorffamilie einen zweiwöchigen Ferienaufenthalt im SOS-Ferienlager Caldonazzo / Italien
  • Mit 5000 Euro leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zum Umbau und zur zeitgemäßen Erneuerung eines SOS-Kinderdorfhauses in Dießen