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SOS-Fachtagung 2010

"Jugendliche und junge Volljährige – eine Randgruppe in der Kinder- und Jugendhilfe?"


Ein gelungener Einstieg ins Erwachsenenleben ist entscheidend für die soziale Integration eines Menschen und die Stabilität seines Lebenslaufes. Einen Platz in der Gesellschaft zu finden und diesen eigenständig existenziell abzusichern, verlangt Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer mehr ab. Gerade junge Menschen, die spezifische Belastungen und Problemlagen zu bewältigen haben, sind auf pädagogische Unterstützung beim Übergang ins Erwachsenenleben angewiesen – bei Bedarf auch über die Volljährigkeit hinaus.

Auf der SOS-Fachtagung vom November 2010 ging es um die Frage, ob Jugendliche und junge Volljährige in der Erziehungshilfe, der Jugendberufshilfe un der Jugendsozialarbeit ausreichend Unterstützung beim Erwachsenenwerden erhalten.

Angemessene Hilfen in der Übergangsphase

Fachtagung_2010_Übergangsphase

Zu Beginn der Tagung führte Prof. Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim aus, dass sich die Jugendphase insgesamt gewandelt hat und zeitlich nicht mehr klar begrenzt ist. In der Jugendphase verschärft sich der positionale Wettbewerb unter jungen Menschen, infolge dessen es zu forcierten sozialen Segmentierungen kommt. Dr. Jens Pothmann zeigte, dass die Jugendarbeit als offene Angebotsstruktur für junge Menschen im Rückgang begriffen ist. Die Anzahl der Hilfen zur Erziehung für Jugendliche sei im Mittel zwar nicht zurückgegangen, müsse aber angesichts des tatsächlichen Hilfebedarfs in dieser Altersgruppe vermutlich höher liegen. Die Hilfe für junge Volljährige wird in deutlich geringerem Umfang gewährt. Im Anschluss trugen Wolfgang Trede vom Kreisjugendamt Böblingen und Wolfgang Graßl, Leiter der Einrichtungsabteilung von SOS-Kinderdorf e.V., Problemstellungen aus Sicht eines öffentlichen bzw. freien Trägers vor, wie sie sich in der Begleitung von Jugendlichen und jungen Volljährigen zeigen. Diana Eschelbach vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. referierte schließlich über die Rechtsgrundlagen aus den Sozialgesetzbüchern II, III und VIII sowie deren Konsequenzen für Jugendliche und junge Erwachsene. Im Anschluss fanden parallele Foren zu verschiedenen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe statt, an denen sich Burkhard Schäfer, Leiter des SOS-Berufsausbildungszentrums Berlin und Ulrike Ebbing vom SOS-Kinderdorf Schwarzwald als Referenten beteiligten.

Politische Handlungsmöglichkeiten

Am zweiten Tag standen konkrete Förder- und fachpolitische Handlungsmöglichkeiten im Vordergrund. Dr. Florian Straus vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung in München stellte das Konzept der Handlungsbefähigung als eines vor, mit dem die Position von Jugendlichen gestärkt werden könne. Prof. Manuela du Bois-Reymond von der Universität Leiden beschrieb Lernprozesse im Zuge des Erwachsenwerdens. Schließlich trug der Berliner Professor Reinhard Wiesner Überlegungen dazu vor, wie sich auf fachpolitischer Ebene die Situation von benachteiligten jungen Menschen in dem Lebensalter verbessern ließe. Im abschließenden Podiumsgespräch wurde eine eigenständige Jugendpolitik gefordert, die das junge Erwachsenenalter als Lebensphase des Übergangs anzuerkennen habe und entsprechend verlässliche und transparente Übergangsstrukturen sowie gesetzliche Neuregelungen schaffen müsse, um die Position von Jugend in der Gesellschaft zu stärken, um der Verarbeitlichung von Bildungsprozessen entgegenzuwirken und um sozial benachteiligte junge Menschen sozial besser integrieren zu können. Auf kommunaler Ebene ist die Kooperation zwischen den Jobcentern beziehungsweise Arbeitsagenturen und der Kinder- und Jugendhilfe zu verbessern. Hierzu können beispielweise Kofinanzierungsmodelle beitragen, die einer gemeinsamen Verantwortung beider Sozialleistungsbereiche für benachteiligte junge Menschen im Übergang zum Erwachsenenleben entsprechen.

Die SOS-Fachtagung fand vom 4. bis 5. November 2010 im SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin statt.