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SOS-Fachtagung 2018

Bildungschancen eröffnen – Was kann Heimerziehung tun?

SOS-Botschaft für Kinder, Berlin, 29. und 30. Oktober 2018

Am 29./30. Oktober 2018 veranstaltete der SOS-Kinderdorf e.V. in der Botschaft für Kinder in Berlin die Fachtagung „Bildungschancen eröffnen – Was kann Heimerziehung tun?“. Es wurden Forschungsergebnisse und Praxisansätze vorgestellt, die aufzeigten, wie junge Menschen in der stationären Erziehungshilfe auf ihrem Bildungsweg unterstützt werden können. 

Von Bildungsbenachteiligungen und anregenden Möglichkeiten im pädagogischen Alltag 

Der Bildungsweg von Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung ist geprägt von belastenden Erfahrungen, Schul- und Einrichtungswechseln. Auf unterschiedlichen Ebenen erleben sie auch strukturelle Diskriminierungen – die frühe Selektion, die Segregation in Schulstationen oder Förderschulen, das frühe Hilfeende sind Beispiele hierfür. Hilfepläne lassen meist wenig Spielraum für Träume oder Krisen. Für Anne Erhard vom Careleaver e.V. müsste sich hier dringend etwas ändern: „Wir wünschen uns, dass gerade nicht gesagt wird: ‚Ja, mach erst mal deine Kochausbildung, und danach kannst Du weiterschauen‘, sondern dass auch ein Abiturwunsch verfolgt werden kann“. 

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Zwei Forschungsprojekte aus dem Wohngruppenalltag machten die voraussetzungsreiche Aufgabe der Bildungsunterstützung sichtbar. Neben der Elternarbeit, Kooperationen mit der Schule und dem Anspruch, ein anregendes Umfeld für die jungen Menschen zu schaffen, sind Fachkräfte etwa bei der Hausaufgabenbetreuung inhaltlich und didaktisch gefordert – und oft genug überfordert, wenn sie parallel mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Stufen und Schulformen arbeiten.


Dabei können Bildungsprozesse pädagogisch oft nur indirekt unterstützt werden. Prof. Dr. David Zimmermann von der Humboldt-Universität zu Berlin erklärte, wie eng die emotionale und kognitive Entwicklung miteinander verschränkt sind. Korrigierende Beziehungserfahrungen im pädagogischen Alltag wirken sich damit auch auf die Bewältigung schulischer Anforderungen aus. 

Das Praxisprojekt „Schulintegrierte Kunsttherapie“ illustriert, wie diese beziehungsorientierte Haltung Kinder auf dem Bildungsweg stärken kann. Ähnlich wie „Philosophieren mit Kindern“ oder der „Neue Lernort Dortmund“ zeigt das Projekt auch, wie ein ganzheitliches Bildungsverständnis zu einer selbstbestimmten Lebensführung und der kritischen Auseinandersetzung mit der Welt und dem eigenen Selbst beitragen kann. 

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Ein wichtiges Fazit der Veranstaltung lautet: Verlässliche, Anregung und Interesse vermittelnde Beziehungen sind für die Bildungsbiografie immens wichtig. Die Care-Leaverin Anne Erhard sieht deshalb die Träger in der Pflicht, der hohen Mitarbeiterfluktuation entgegenzuwirken. „Dann hat man sich einmal an den Mitarbeiter gewöhnt, und der hat das ausgehalten, und dann hält er es aber in der Arbeitsstelle nicht mehr aus und geht weg. Da müssten Träger schauen, dass sie die Mitarbeiter besser binden können.“ 

Und Zugehörigkeit muss über den Auszug hinaus möglich bleiben. „Es ist wichtig, dass es einen Hafen gibt für Care-Leaver, dann traut man sich auch weiter rauszusegeln“, so die Care-Leaverin Michaela Heinrich. Dem Gefühl, in höheren Bildungsinstitutionen nicht richtig dazuzugehören, kann der junge Mensch sonst wenig entgegensetzen.

In Kürze finden Sie hier sukzessive Präsentationen der Vorträge aus Praxis und Forschung, darunter auch zu den Themen Berufseinmündung, außerschulische Bildung,  Wiedereinstieg ins Schulsystem sowie fördernde und hemmende Einflussfaktoren auf Bildungskarrieren. Ebenfalls an dieser Stelle veröffentlichen wir in einigen Wochen eine Dokumentation der Tagung mit einer kurzen Zusammenfassung aller Tagungsbeiträge.


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