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Junge Leute sitzen auf einer wellenförmigen Struktur
Durchführung

Die Erhebungswellen der SOS-Längsschnittstudie

Im Zweijahresrhythmus führen wir Fragebogenerhebungen mit stationär Betreuten ab zwölf Jahren, mit den für sie zuständigen Fachkräften sowie mit Care-Leavern durch. In den dazwischen liegenden Jahren finden qualitative Interviews mit je einer Teilstichprobe statt. 

Grafik der Erhebungswellen von 2014 bis 2020

Quantitative Erhebungen

Bereits in der Vorgängerstudie „Verwirklichungschance SOS-Kinderdorf“ (2011–2013) wurden Jugendliche ab zwölf Jahren sowie ihre Bezugsfachkräfte in SOS-Einrichtungen befragt. Die erste Erhebungswelle der SOS-Längsschnittstudie startete 2014: im Frühjahr mit Fragebogenerhebungen in den Kinderdörfern und im Herbst mit der Befragung von Care-Leavern. Weitere Erhebungen folgten in den Jahren 2016, 2018 und 2020. 

Bei den Betreuten in den Einrichtungen wurde ein Rücklauf von 68 bis 86 % erreicht; bei den Care-Leaver-Befragungen lag dieser zwischen 21 und 34 % (siehe Abbildung).

Grafik zu Fragebogenerhebungen von 2014 bis 2020

Qualitative Interviews

In den Jahren 2015, 2017 und 2019 fanden die qualitativen Interviews statt. Die Gespräche mit Betreuten und Fachkräften wurden in den jeweiligen Einrichtungen geführt. Mit den Care-Leavern trafen wir uns – je nach Vorliebe und teilweise auf Vorschlag der Befragten – im ehemaligen Kinderdorf, an einem neutralen Ort (z.B. Café) oder bei den jungen Menschen zu Hause. Sämtliche Interviews dauerten etwa eine bis eineinhalb Stunden. 

Für die Gespräche mit den Betreuten gab es je nach Welle unterschiedliche Auswahlkriterien:

  • In der Erhebungswelle 2015 wurden hauptsächlich Jugendliche interviewt, von denen bereits qualitative und/oder quantitative Daten vorlagen und bei denen Veränderungen in der Handlungsbefähigung erkennbar waren. Nachrangige Auswahlkriterien waren Alter und Geschlecht der Betreuten.
  • In der Erhebungswelle 2017 führten wir Gespräche mit 30 Jugendlichen und 30 Fachkräften – bevorzugt aus Einrichtungen, die noch an keiner qualitativen Erhebung teilgenommen hatten. Bei den Fragen kam als neuer Schwerpunkt das Thema „Bildung“ hinzu.
  • Bei der Auswahl der Interviewten für die Erhebungswelle 2019 spielten wiederum das Alter, das Geschlecht und die bisherige Teilnahme an mindestens einer qualitativen oder quantitativen Befragung eine Rolle. Besonders berücksichtigt wurden Jugendliche, bei denen zusätzlich die Möglichkeit bestand, auch einen Elternteil zu interviewen. 

Bei den Gesprächen mit den Care-Leavern gab es ebenfalls Unterschiede in den Teilstichproben:

  • Im Jahr 2015 führten wir leitfadengestützte Interviews mit zwölf jungen Erwachsenen, die bereits aus einer SOS-Einrichtung ausgezogen waren. Zentrales Auswahlkriterium waren die Handlungsbefähigungswerte aus der Fragebogenerhebung: Im Sample finden sich Ehemalige mit hoher, mittlerer und niedriger Handlungsbefähigung. Bei drei Interviewten zeigen die Werte eine relativ starke Dynamik.
  • In der Erhebungswelle 2017 fanden insgesamt 19 Interviews mit Care-Leavern statt. Ein Teil der Gesprächspartner (n=11) waren „langjährig Ehemalige“, deren Auszug aus der SOS-Einrichtung mehr als zehn Jahre zurücklag und die bereits mit größerem zeitlichen Abstand auf ihren Aufenthalt im Kinderdorf blicken konnten. Da sie – anders als die anderen Care-Leaver – nicht schon während ihrer Betreuung befragt worden waren, wurden diese Interviews gesondert ausgewertet. Weitere acht Interviews führten wir mit Personen, die erst vor wenigen Jahren aus der Einrichtung ausgezogen waren. Schwerpunkt dieser Gespräche war die Frage, wie die jungen Erwachsenen während der Heimunterbringung auf das selbstständige Leben vorbereitet wurden.
  • In der dritten Welle 2019 interviewten wir zwölf junge Care-Leaver im Alter von 17 bis 25 Jahren. Inhaltlich lag der Fokus noch stärker als in den vorhergehenden Wellen auf dem Auszugserleben und dem Übergang von der Heimerziehung in die Eigenständigkeit.

© Headerbild: Pat Peroni