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Stageteaser_Methoden_SOS-Kinderdorf e.V.-Janek Romero
SOS-Längsschnittstudie

SOS-Längsschnittstudie: Die Methoden im Überblick

In der SOS-Längsschnittstudie wenden wir bei der Erhebung und Auswertung von Daten sowohl quantitative als auch qualitative Methoden an. Dieser Methodenmix ermöglicht es uns, den Forschungsgegenstand aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und unsere Instrumente kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wir kombinieren Interviews und Netzwerkkarten und werten qualitative und quantitative Daten in Bezug zueinander aus, um einzelne Ergebnisse aufeinander beziehen zu können.

Quantitative Erhebungs- und Auswertungsmethoden

Welche Fragebögen gibt es?

Bei den quantitativen Erhebungen kommen verschiedene Fragebögen zum Einsatz, die wir im Laufe der Jahre entwickelt haben:

Fragebogen bei der SOS-Längsschnittstudie
  • ein Basisbogen mit allgemeinen Angaben zur/zum Jugendlichen (bei Erstbefragung)
  • ein Fragebogen für Jugendliche von 12 bis 15 Jahren
  • ein Fragebogen für Jugendliche ab 16 Jahren
  • ein Fragebogen für junge Erwachsene (Erstbefragung nach Auszug)
  • ein Fragebogen für junge Erwachsene (Folgebefragung)
  • ein Fragebogen für Fachkräfte
  • je ein Corona-Zusatzfragebogen für Betreute und Ehemalige

Der Umfang dieser Fragebögen variiert zwischen 10 und 30 Seiten.

Themen und Fragen

Bei der Befragung der Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen geht es um Aspekte der stationären Betreuung (um Beziehungen im Kinderdorf, Veränderungen in der Gruppe und um Beteiligung), Kontakte zur Herkunftsfamilie, Schule, Freizeitbeschäftigungen, Freundschaften, Zufriedenheit und Wohlergehen sowie um personale Ressourcen. 

Auch der Fragebogen für die Care-Leaver umfasst zahlreiche Themen. Neben dem Rückblick auf das Aufwachsen in der stationären Jugendhilfe interessieren uns die Bereiche Gesundheit, Wohnen, Finanzen, Schule/Ausbildung/Beruf, soziale Beziehungen und personale Ressourcen. Außerdem stellen wir Fragen zu Veränderungen seit der letzten Erhebung, zum Auszug, zum Übergang in die Eigenständigkeit sowie zu den Zukunftsperspektiven der Ehemaligen.

Instrumente und Auswertung

Die eingesetzten Instrumente bestehen aus mehrheitlich geschlossenen Fragen, die um offene Fragen ergänzt wurden. Neben eigens für die SOS-Längsschnittstudie entwickelten oder aus anderen Studien übernommenen thematischen Fragebatterien zu unterschiedlichen Bereichen (z.B. Betreuung, Gesundheit, Beziehungen, Bildung) enthalten die Fragebögen auch einzelne in der Sozialforschung bewährte Skalen. 

Je nach Fragetyp und Fragestellung werten wir die Daten mithilfe von deskriptiven und multivariaten Analyseverfahren aus. 

Das Konzept der Handlungsbefähigung

Grafik der Blume zu Handlungsbefähigung

Besonderes Augenmerk legen wir bei unseren Erhebungen auf das Konzept der Handlungsbefähigung. Darunter verstehen wir ein umfassendes Gefühl der Zuversicht – eine übergreifende personale Ressource, die (junge) Menschen in die Lage versetzt, ihr Leben in die Hand zu nehmen und eigenständig zu gestalten. 

Die individuelle Ausprägung der Handlungsbefähigung wird in der SOS-Längsschnittstudie mit einer Kombination aus den bewährten Subskalen Kohärenz (Singer/Brähler 2007), Resilienz (Schumacher et al. 2005) und Selbstwirksamkeit (Schwarzer/Jerusalem 1999) erfasst. Aus den insgesamt 34 Items dieser drei Skalen ergibt sich die Handlungsbefähigungsskala. Um Teildimensionen der Handlungsbefähigung erfassen zu können, wurden außerdem acht weitere Items hinzugefügt (Straus 2017).

Qualitative Erhebungs- und Auswertungsmethoden

Interviews mit Betreuten, Care-Leavern und Fachkräften

Im qualitativen Teil der Studie führen wir Leitfadeninterviews mit Betreuten, deren Bezugsfachkräften sowie mit Ehemaligen durch. Die einzelnen Fragebereiche werden dabei mit einem offenen Erzählimpuls angesteuert; außerdem enthält der Leitfaden weitere konkretisierende Erzählaufforderungen und Nachfragen. 

Um welche Themen geht es?

In den Gesprächen mit den stationär Betreuten geht es unter anderem um den biografischen Werdegang, die aktuelle Lebenssituation, Freizeit, Hobbys, Interessen und Engagement, Zukunftsperspektiven, die Beziehung zu Freunden und zur Herkunftsfamilie sowie um Optimismus und Selbstwirksamkeit. 

Grafik der Leitfäden der Care-Leaver-Interviews

Die Leitfäden der Care-Leaver-Interviews umfassen unter anderem Fragen zum Aufwachsen im Kinderdorf, zur Verselbstständigung, zum Auszug, zum Übergang in die Eigenständigkeit, zu (Aus-)Bildung, aktueller Lebenssituation, Wohnen, Gesundheit und Finanzen.

Instrumente und Aufbereitung

Seit 2017 fertigen die Befragten während der Interviews auch Netzwerkkarten an, die analog oder mithilfe einer speziellen Software erfasst werden. Die Netzwerkkarten dienen dazu, das soziale Umfeld der Befragten, dessen Sektoren sowie die Nähe und Distanz zu den einzelnen Bezugspersonen zu visualisieren. Alle Interviews werden vollständig transkribiert und pseudonymisiert, sodass spätere Rückschlüsse auf die befragte Person nicht mehr möglich sind. Zudem erstellen wir zu jedem Fall ein kurzes Fallporträt. 

Auswertung: Verfahren und Kategorien

Die Auswertung der aufbereiteten Interviewtranskripte erfolgt mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring 2015, Gläser/Laudel 2009). Dieses Verfahren bietet die Möglichkeit, aus dem Ursprungsmaterial diejenigen Informationen und inhaltlichen Aspekte herauszufiltern, die für die Beantwortung der jeweiligen Forschungsfragen relevant sind. 

Für jede Erhebungswelle entwickeln wir ein Kategoriensystem, das die theoretischen Vorüberlegungen abbildet und gleichzeitig so offen ist, dass es während der Analyse verändert und erweitert werden kann. In die Kategorien fließen also Aspekte des Leitfadens wie auch des untersuchten Materials gleichermaßen ein. 

Neben den fallübergreifenden thematisch-inhaltlichen Auswertungen schauen wir uns zu einzelnen Interviews auch den jeweiligen Fall in seinem Verlauf an. So können wir einige Fälle qualitativ im Längsschnitt auswerten. Dabei beziehen wir in unsere Analysen die zur Verfügung stehenden Netzwerkkarten mit ein. 

Literatur

Singer, Susanne & Brähler, Elmar (2007). Die »Sense of Coherence Scale«. Testhandbuch zur deutschen Version. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 

Schumacher, Jörg, Leppert, Karena, Gunzelmann, Thomas, Strauß, Bernhard & Brähler, Elmar (2005). Die Resilienzskala – Ein Fragebogen zur Erfassung der psychischen Widerstandfähigkeit als Personmerkmal. http://www.mentalhealthpromotion.net/resources/resilienzskala2.pdf (9.6.2021)

Schwarzer, Ralf & Jerusalem, Matthias (Hrsg.) (1999). Skalen zur Erfassung von Lehrer- und Schülermerkmalen. Dokumentation der psychometrischen Verfahren im Rahmen der Wissenschaftlichen Begleitung des Modellversuchs Selbstwirksame Schulen.  http://www.psyc.de/skalendoku.pdf (9.6.2021)

Straus, Florian (2017). Instrument Handlungsbefähigung. Für quantitative und qualitative Datenanalysen – Weiterentwicklung HBF 1.0 zu HBF 2.1. Unveröffentlichter Bericht. München: Institut für Praxisforschung und Projektberatung.

Mayring, Philipp (2015). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Gläser, Jochen & Laudel, Grit (2009). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse als Instrumente rekonstruierender Untersuchungen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

© Headerbild: SOS-Kinderdorf e.V., Janek Romero