Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
[---Image_alt---] Stageteaser - Wegweiser
Bildung

Bildung im Blick: Pädagogischer Wegweiser

Bildungssituation 

Zweifellos ist Bildung eine der zentralen Voraussetzungen für ein gelingendes und selbstbestimmtes Leben. Dabei sind es insbesondere die Schulabschlüsse, die in Deutschland die Weichen für den späteren Erfolg im Erwerbsleben stellen. Junge Menschen, die in der Jugendhilfe aufwachsen, erreichen nachweislich niedrigere Abschlüsse als die Gleichaltrigen aus der Gesamtbevölkerung. Und das ist auch bei SOS-Kinderdorf der Fall. 

Darin drückt sich einerseits eine allgemeine Benachteiligung der betroffenen jungen Menschen aus, die häufig aus sozioökonomisch prekären Familienverhältnissen stammen, nicht selten geprägt durch Erwerbslosigkeit und Bildungsferne. Andererseits steht die Jugendhilfe aber auch unter dem Generalverdacht, sich bei ihren Schützlingen allzu oft und allzu früh mit einer Art Bildungsminimum zufriedenzugeben. Die „einfachere“ Schullaufbahn muss dann ausreichen, auch weil Zeit und Energie für ambitioniertere Ziele fehlen.

[---Image_alt---] Bildungswegweiser 1

SOS-Kinderdorf ist hier schon auf einem anderen Weg. Positive Tendenzen sind erkennbar, so festzustellen bei den letzten Ehemaligenbefragungen im Rahmen der SOS-Längsschnittstudie. Aber es bleibt noch viel Luft nach oben. Je eher und je länger die Kinder von den Hilfen profitieren können, desto stärker wird der kompensatorische Einfluss im Bereich der Bildung. Dafür sind aber immer wieder aufs Neue nicht unerhebliche Anstrengungen von allen Beteiligten erforderlich. Letztendlich ist das auch eine Frage von Kultur und Haltung, denn im turbulenten Alltag von Kinderdorffamilien und Wohngruppen kommen Schule und auch andere Arten von Bildung nicht selten zu kurz. Doch genau das sollten sie nicht, da allgemein bekannt ist, welche immense Bedeutung der Bildungsweg für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen hat.

Bildungswegweiser

Deshalb hat sich SOS-Kinderdorf dazu entschieden, im Rahmen der strategischen Initiative „Bildung im Blick 2024“ einen pädagogischen (Bildungs-)Wegweiser zu etablieren. Dieser gibt sieben Schritte vor, die bei allen Kindern und Jugendlichen verbindlich zu beachten sind. Daraus ergeben sich dann jeweils ein ganz individuelles Bild und spezifische Handlungsbedarfe, die zusammengenommen auf der Ebene der SOS-Einrichtungen zu sinnvollen und ggf. innovativen Projekten verdichtet werden sollen. Für diese können unter bestimmten Bedingungen auch besondere Mittel eingesetzt werden. Aus der Summe aller Einzelbedarfe folgt somit der Gesamtbedarf, sozusagen „vom Fall zum Feld“. 

[---Image_alt---] Bildungswegweiser 2

Dieser Wegweiser ist ab dem Schuljahr 2019/2020 bei allen Kindern und Jugendlichen im stationären Bereich ein Muss, ebenso wie im Bereich der berufsorientierten Angebote, wobei er hier die jeweiligen Standards keinesfalls ersetzen, sondern lediglich sinnvoll ergänzen soll. Bei den offenen Angeboten kann der Wegweiser in einzelnen Fällen oder auch Zusammenhängen zum Einsatz kommen, bei den ambulanten Hilfen sollte er es in der Regel. Begleitet wird der Umsetzungsprozess durch einen SOS-Bildungszirkel, dem Leitungs- und Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen angehören werden.

Von zentraler Bedeutung bei „Bildung im Blick“ ist stets die Unterstützung durch Bezugspersonen aus dem Umfeld, die auf verschiedene Weise erfolgen kann. Dabei muss und sollte nicht alles auf denselben Schultern lasten. Vielmehr können durchaus mehrere Menschen eine Rolle spielen, egal ob Fachkräfte, Ehrenamtliche oder natürlich auch Eltern und Verwandte.

Die einzelnen Schritte

Erster Schritt: Bildung braucht Ziele

[---Image_alt---] Bildungswegweiser 3

Bildungswege sind höchst individuell, oft geradlinig, manchmal kurvig, nicht selten brüchig. Deswegen müssen immer und zu jedem Zeitpunkt spezifische Ziele entwickelt sein, die ein realistisches und erstrebenswertes Szenario beschreiben. Konkret gilt es, jeweils diese drei Fragen zu beantworten:

  • Wo soll die Reise hingehen? Von Wunsch- und Traumberufen hin zu konkreten Vorbildern.
  • Was wäre möglich? Vorhersage von prinzipiellen schulischen und beruflichen Möglichkeiten anhand von vorhandenen Informationen (z.B. Abschlüsse der Eltern, bisherige Leistungen, IQ-Werte und andere Testergebnisse) oder extra erhobenen Daten (z.B. Beobachtung, geeignete Testung) durch entsprechend geschulte Fachkräfte.  
  • Und was steht jetzt an? Gemeinsames Aushandeln von mindestens einem individuellen Bildungsziel im Rahmen jeder Erziehungs- und Hilfeplanung.

Zweiter Schritt: Bildung braucht Beziehung
Mindestens eine relevante Bezugsperson begleitet den Bildungsweg, motiviert, unterstützt, behält den Überblick und sorgt für Anerkennung sowie eine förderliche Atmosphäre.

Dritter Schritt: Bildung braucht Inspiration
Mindestens eine relevante Bezugsperson hat ein echtes Interesse an den aktuell bedeutsamen Bildungsthemen und vermittelt das auch entsprechend.

Vierter Schritt: Bildung braucht eine Basis
Mindestens eine relevante Bezugsperson hat verlässliche Kenntnisse über elementare schulische Belange, wie regelmäßige Anwesenheit, soziales Befinden, durchschnittliche Aufmerksamkeit und Verständnis der Inhalte.

Fünfter Schritt: Bildung braucht die richtige Strategie
Mindestens eine relevante Bezugsperson weiß um die schulischen Stärken und die Lücken, vermittelt gezielt Lernmethoden und Priorisierungen, hilft die eigene möglichst optimale Taktik zu finden, ohne generelle Vorgaben zu machen.

Sechster Schritt: Bildung braucht Förderung
Falls sinnvoll und notwendig, kann ergänzend auf geeignete Fördermaßnahmen zurückgegriffen werden, wie z.B. Nachhilfe (allein oder in Gruppen), spezielle Lerngruppen (offen oder reglementiert) oder andere innovative Projekte. Hierfür stellt SOS-Kinderdorf einen Sonderfonds zur Verfügung, der von den Einrichtungen abgerufen werden kann.

Siebter Schritt: Bildung ist viel mehr als Schule
Mindestens eine relevante Bezugsperson fördert und weckt möglichst vielseitige Interessen an unterschiedlichen Bildungsinhalten jenseits des Schulstoffs. Für entsprechende Aktivitäten im Rahmen eines pädagogischen Gesamtplans, insbesondere auch zur politischen Bildung, kann der Sonderfonds genutzt werden.

Nach dem letzten ist vor dem ersten Schritt: Bildung braucht Verbindlichkeit
Die Schritte eins bis sieben müssen immer wieder aufs Neue überprüft und mit pädagogischem Leben gefüllt werden. 

Visualisierung

Um den Wegweiser sichtbar und wirkungsvoll im pädagogischen Alltag zu verankern, empfiehlt sich die Visualisierung von Inhalten, die für die Kinder und Jugendlichen von Bedeutung sind. Dabei ist natürlich wichtig, dass die gewählte Form zu Alter und Umständen passt. Grundsätzlich sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. Ein Beispiel für eine eher klassische Papiervariante finden Sie gleich nachfolgend in der PDF-Datei zum Download.

Titelfoto: © mangpor_2004 / istockphoto.com