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[---Image_alt---] 14 Stageteaser: Schulsozialarbeit
Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona

Schulsozialarbeit: Wir sind erreichbar!

Die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule liegt in Moabit, einem sozial benachteiligten Stadtteil in Berlin. 75 Prozent der Familien erhalten Sozialleistungen, 80 Prozent der Schüler/-innen in der Grundstufe haben einen Migrationshintergrund. Das SOS-Kinderdorf Berlin unterstützt die Schule in der Ganztagsbetreuung und in der Schulsozialarbeit.

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Mit den behördlich verfügten Schulschließungen am 16. März 2020 stand die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule vor noch größeren Herausforderungen als sonst: Schüler/-innen mussten nach Hause geschickt und eilig mit ersten Unterrichtsmaterialien versorgt werden und für Sozialpädagogen/-innen bzw. Erzieher/-innen wurde das Arbeiten im Homeoffice ermöglicht.

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Außerdem war auf die Schnelle die Notbetreuung an der Grundstufe zu organisieren ‒ für diejenigen Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind. Über eine für alle bis dato unbekannte Situation und darüber, wie binnen kürzester Zeit neue Unterstützungsstrukturen aufgebaut wurden, berichten Dunja Tessarek, Erzieherin, und Anika Chouaya, Sozialpädagogin, Grundstufe an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule.

Corona-Pandemie: In Kontakt mit Familien bleiben

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Chronisch kranke Elternteile, alleinerziehende, überforderte Mütter, Familien, die zu siebt in einer Zwei-Zimmerwohnung leben ‒ in der sozialen Isolation während der Corona-Pandemie wiegen solche prekären Lebenssituationen noch schwerer als sonst. Eine wichtige Frage für uns war daher von Anfang an: Wie halten wir Kontakt zu den Familien, die häufig weder über einen Computer verfügen noch ihre Kinder in schulischen Aspekten ausreichend unterstützen können? Unser Schwerpunkt lag zunächst darauf, möglichst viele Kontaktwege auf- bzw. auszubauen. Wir haben telefonisch E-Mailadressen abgefragt und für uns Diensthandys eingerichtet. Die Kolleginnen der Schulsozialarbeit traten in Kontakt mit allen Familien, die sie bereits länger begleiten. Hier war es vor allem wichtig, mit den Eltern Tagesabläufe und sinnvolle Strukturen für zuhause zu besprechen, Lernmaterialen zu organisieren ‒ oder ihnen einfach nur zuzuhören.

Austauschmöglichkeiten für Schüler/-innen schaffen

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In der Corona-Krise ist es unerlässlich, im Austausch mit unseren Schüler/-innen zu bleiben. Sie sollen wissen, dass und wie sie uns im Krisenfall erreichen können. Wie begleiten wir sie durch diese herausfordernde Zeit? Neben unseren regelmäßigen Telefonkontakten richten wir Nachrichtengruppen über Handy ein und versenden täglich per E-Mail einen Gruß mit Rätselaufgaben, Rezepten und Sportangeboten. Wir möchten einfach jeden Tag signalisieren, dass wir für die Schüler/-innen da sind und dass es diese Kontaktangebote gibt! Außerdem verschicken wir auf klassischem Weg Postkarten. Unser Zwischenfazit: Auf etwa 80 Kontaktaufnahmen per Post und 200 per E-Mail erhalten wir zwischen fünf und zehn Prozent an Rückmeldungen. Stattdessen eignen sich Telefonanrufe deutlich besser, um im Kontakt zu bleiben.

Große Herausforderung: Home-Schooling

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Digitaler Unterricht ist an unserer Schule die absolute Ausnahme. Zwei-Wochen-Unterrichtspläne allein durchzuarbeiten, ist für Schüler/-innen und Eltern eine enorme Herausforderung. Die Corona-Krise führt uns deutlich vor Augen, wie begrenzt die Möglichkeiten vieler Familien in unserem Sozialraum sind und wie wichtig es gerade in dieser Zeit ist, Unterstützung auf mehreren Wegen anzubieten. Wenn Familien keine E-Mailadresse haben, so verfügen sie doch meist über ein Handy, über das sie kommunizieren. Und auch zahlreiche Schüler/-innen nutzen natürlich diesen Kanal. In vielen der Familien ist Deutsch nicht die Muttersprache – ein Austausch mit ihnen kann oft nur auf Arabisch oder Türkisch stattfinden. Als interkulturelles Team mit entsprechenden sprachlichen Kompetenzen können wir sie beim Home-Schooling gut unterstützen.

Corona-Krise: Bildungsungleichheit verstärkt sich

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Wir sind uns sicher: Trotz unserer Bemühungen werden sich schulische Lücken und die soziale Benachteiligung der Schüler/-innen ergeben. Die ohnehin bestehende Bildungsungleichheit wird sich während der Corona-Krise noch verstärken. Belastete und überforderte Familien benötigen daher eine intensive sozialpädagogische Begleitung. Dabei ist es für uns in der Schulsozialarbeit wichtig, jederzeit präsent zu sein, immer wieder Angebote zu machen und aktiv auf die Eltern zuzugehen. Natürlich ist es zeitaufwendig, Hausbesuche zu machen, sich mit einzelnen Eltern und Schüler/-innen zum Spaziergang zu treffen oder sie regelmäßig anzurufen. Aber nur so kann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auch in krisenhaften Zeiten gelingen!

Erweiterte Notbetreuung und Zusammenarbeit mit dem Jugendamt

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Für die Begleitung zuhause, die sozialpädagogischen Einzelfälle, also Schüler/-innen und Familien, die eine intensive Betreuung benötigen, sowie für die Notbetreuung haben wir ein gutes Konzept erarbeitet. So dürfen in Absprache mit dem Jugendamt nun auch Schüler/-innen mit großem sozialpädagogischem Unterstützungsbedarf die Notbetreuung halbtags besuchen. Wir werden vor Ort und auf allen etablierten Wegen ansprechbar bleiben, um unsere Schüler/-innen in dieser herausfordernden Zeit bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen. Und um in schwierigen Situationen sofort handeln zu können: zum Beispiel wenn aufgrund von Überforderung die Stimmung zuhause „kippt“ und die Situation zu eskalieren droht. Auch in Kinderschutzfällen können wir zeitnah eingreifen und in Kooperation mit dem Jugendamt schnell reagieren.

Stufenweise Schulöffnung, aber Herausforderungen bestehen weiter

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Durch die stufenweise Schulöffnung kommen derzeit wieder mehr Schüler/-innen in unsere Schule. Die allermeisten freuen sich darüber sehr. Bis zu den Berliner Sommerferien sollen alle Schüler/-innen zumindest tageweise den Unterricht in der Schule besuchen können, an allen anderen Tagen sind sie im Home-Schooling zuhause. Somit besteht für uns in der Schulsozialarbeit weiterhin der Spagat, die Notbetreuung und Begleitung in der Schule umzusetzen und zugleich die Familien beim Home-Schooling zu unterstützen. Enge Absprachen mit der Schulleitung erleichtern uns dabei die Arbeit. Aber: Unsere „Beharrlichkeit“ zeigt bereits positive Wirkung. Wir erreichen inzwischen eine Vielzahl der Schüler/-innen ‒ und auch sie melden sich jetzt häufig von allein zurück.

Dunja Tessarek, Erzieherin, und Anika Chouaya, Sozialpädagogin, Grundstufe Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule


Titelfoto: PeopleImages / istockphoto.com

Ihre Ansprechpartnerinnen

Bei Fragen zum Umgang mit dem Coronavirus beim SOS-Kinderdorf e.V. und zu den besonderen Herausforderungen, die sich für die Jugendhilfe aktuell stellen, wenden Sie sich gerne an:

SOS-Kinderdorf e.V.
Ressort Pädagogik

Ilona Fuchs
Leiterin Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung

ilona.fuchs@sos-kinderdorf.de

Dr. Kristin Teuber
Leiterin Sozialpädagogisches Institut (SPI)

kristin.teuber@sos-kinderdorf.de

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