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Neuer Alltag in der SOS-LauBE Kaiserslautern

Zur Situation von Care-Leavern in Zeiten von Corona

Carsten Misamer, Mitarbeiter des SOS-Kinderdorf Kaiserslautern – Lautrer Betreutes Einzelwohnen

Das Lautrer Betreute Einzelwohnen, kurz LauBe genannt, ist ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich im Übergang in die Eigenständigkeit befinden und aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ihrem bisherigen Umfeld leben können oder wollen. Junge Menschen, die sich auf den Auszug aus der stationären Erziehungshilfe vorbereiten oder die als Care-Leaver schon eigenständig leben, können sich einmal in der Woche ohne Anmeldung dort treffen. Inzwischen ist es schon vier Wochen her, seit der „Mittwochstreff“ in den Räumen der LauBE letztmals stattgefunden hat. Das soziale Leben und damit die physische Nähe wurden durch die Corona-Maßnahmen sukzessive eingeschränkt – Treffen mit mehreren Menschen sind untersagt.

Carsten Misamer

Im vergangenen Jahr wurde unser offener Treff insgesamt fast 800 Mal besucht: sowohl von aktuell Betreuten im Verselbständigungsprozess am Ende ihrer Wohngruppenzeit, als auch von Care-Leavern, die über viele Jahre den Kontakt zu uns gehalten haben. Die jungen Menschen erhalten in der Anlaufstelle fachlichen Rat, emotionale Unterstützung und eine kulinarische Versorgung – Hilfen, die über den sonstigen Individualkontakt hinausgehen. Da die Möglichkeit zum Austausch und Rat holen im offenen Treff vorübergehend nicht zur Verfügung steht, erreichen uns derzeit viele verschiedene Anfragen, mit denen sich die betreuten jungen Menschen sowie die SOS-Ehemaligen an uns wenden. Beispielsweise werden darin folgende Themen angesprochen:

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    Wie sorge ich in meiner kleinen Wohnung für mich, ohne dass mir die Decke auf den Kopf fällt – gerade weil ich nicht mehr in die Schule gehen kann und meine Freizeitbeschäftigungen mit meinen Kollegen/-innen bei der freiwilligen Feuerwehr oder im Fußballclub ausfallen müssen?
  • Meine Gesellenprüfung im Mai fällt aus oder wird nach hinten verschoben. Was heißt das für meine Jugendhilfemaßnahme, die mit der Gesellenprüfung im Mai beendet werden sollte?
  • Ich hatte gerade einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma gefunden. Nach zwei Wochen kamen die Corona-Beschränkungen und ich musste als erster in der Firma gehen. Jetzt muss ich meine Miete und den Lebensunterhalt wieder über das Jobcenter sichern. Das geht alles aber nur online oder telefonisch. Nachdem ich als geflüchteter Mensch noch nicht so gut Deutsch verstehe, dauert die Beantragung jetzt noch länger, als es sowieso schon der Fall war.
  • Als Studentin bin ich auf meinen Nebenjob angewiesen, um mein Leben zu finanzieren. Der ist jetzt weg. Ich habe Angst, dass ich das alles nicht schaffe.

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Die Anfragen machen deutlich, dass es existenzielle Themen sind, mit denen sich die jungen Menschen konfrontiert sehen: Einsamkeit, Ausbildungsfragen, Existenzsicherung, Behördenkontakte. Sie zeigen zudem, dass es vielen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an tragfähigen sozialen Beziehungen und anderen stabilen Bezugspunkten mangelt, von denen sie Unterstützung erwarten könnten. Die ohnehin fragile Phase des Übergangs und des Fußfassens im eigenständigen Erwachsenenleben verschärft sich mit den derzeitigen Beschränkungen ganz erheblich.

Hier müssen wir als Mitarbeitende in der LauBE mehr denn je zuständig bleiben und erreichbar sein. Unsere Aufgabe ist es, Rat zu geben, Mut zu machen, emotional zu unterstützen und auch ein Bewusstsein zu schaffen für die Sinnhaftigkeit persönlicher Einschränkungen in der Corona-Zeit. Wir stehen mit den jungen Menschen über alle möglichen „audiovisuellen“ Formen in Kontakt. Persönliche „face to face“-Treffen finden bei Bedarf auch statt, um z.B. beim Verstehen und Ausfüllen von schriftlicher Behördenkommunikation zu helfen. Und die Versorgung mit einem leckeren Osterpaket gehört natürlich auch dazu.


Titelfoto: Mixmike / istockphoto.com

Ihre Ansprechpartnerinnen

Bei Fragen zum Umgang mit dem Coronavirus beim SOS-Kinderdorf e.V. und zu den besonderen Herausforderungen, die sich für die Jugendhilfe aktuell stellen, wenden Sie sich gerne an:

SOS-Kinderdorf e.V.
Ressort Pädagogik

Ilona Fuchs
Leiterin Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung

ilona.fuchs@sos-kinderdorf.de

Dr. Kristin Teuber
Leiterin Sozialpädagogisches Institut (SPI)

kristin.teuber@sos-kinderdorf.de

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