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Corona in der stationären Erziehungshilfe

Corona – und plötzlich alles anders

Sören Luka, Bereichsleiter Hilfen zur Erziehung in der SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden

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Wie sieht der Alltag in der stationären Erziehungshilfe aus, wenn Kinder und Jugendliche von einem Tag auf den anderen nicht mehr in die Schule oder in die Kita gehen können? Sören Luka, Bereichsleiter Hilfen zur Erziehung in der SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden, berichtet darüber, wie seine Schweriner Wohngruppe die aktuelle Corona-Situation erlebt.

Home-Schooling in der Wohngruppe

Seit drei Wochen nun leben wir in unserer Wohngruppe einen „neuen“ Alltag. Zehn Kinder gehen aktuell nicht zur Schule, und auch für unseren Jüngsten entfällt der Kindergartenbesuch. Anstatt am Morgen gemeinsam das Haus zu verlassen, steht nun ab 9 Uhr die Erarbeitung der Hausaufgaben an.

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Normalerweise ist vormittags die Wohngruppe nicht besetzt. Jetzt begleiten die Kolleginnen und Kollegen unsere Schulkinder bei den Hausaufgaben, eine Kollegin aus den ambulanten Hilfen zur Erziehung unterstützt dabei. Gerade die Altersspanne und die damit verbundenen unterschiedlichen Lerninhalte erfordern von den Kollegen und Kolleginnen eine gründliche Vorbereitung und Auseinandersetzung mit den zu vermittelnden Lerninhalten. Gegen 12 Uhr sind die Schulaufgaben im Regelfall erarbeitet. Beim heutigen Frühstück meldeten acht unserer insgesamt elf Kinder auf Nachfrage zurück, dass ihnen die Schule und der Kontakt zu ihren Mitschülern mittlerweile doch sehr fehle.

Corona-Situation: gemeinsames Kochen und viel Zeit zum Spielen

Nach dem „Home-Schooling“ kochen wir zusammen. Unter der Woche ist das auch etwas Neues für uns, denn eigentlich erfolgt die Mittagsversorgung in den Schulen. Unsere Hauswirtschaftskraft unterstützt uns dabei. Mit der gemeinsamen Essenszubereitung möchten wir die Kinder auch für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sensibilisieren. 

Drei Kinder laufen durch einen Park

Den kleineren Kindern bieten wir nach dem Mittagessen eine Pause an, die größeren nutzen die Zeit für Spielangebote der Kolleginnen und Kollegen oder für freies Spielen auf unserem Hof. Sobald die Kleineren ihre Mittagspause beendet haben, gehen wir bis zum Abendessen raus, um im nahe gelegenen Erholungsgebiet spazieren zu gehen. Nach der Rückkehr in die Wohngruppe übernimmt jeder seine „Ämter“ ‒ und das Abendbrot wird gemeinsam vorbereitet.

Feste Strukturen, Engagement und Kreativität im Corona-Alltag besonders wichtig

Mit diesen wiederkehrenden Abläufen bieten wir den Kindern eine Struktur im Alltag. Dennoch ist es auf Grund der gefühlten Enge so, dass die Kinder in Streitsituationen emotionaler und energischer reagieren. Hier sind die Kolleginnen und Kollegen auch als Streitschlichter und „Kummerkasten“ gefragt. Mit großem Engagement und unermüdlicher Kreativität (z.B. Bastelnachmittage, Mal- und Spielangebote) fangen die Kollegen und Kolleginnen die Kinder und so manch herausfordernde Situation in unserem Wohnalltag auf.

Herausforderung: eingeschränkter Elternkontakt während der Corona-Zeit

Mädchen sendet Herz via Videotelefonat

Eine besondere Herausforderung für die Kinder sind die während der Corona-Krise doch sehr eingeschränkten Kontakte in die Herkunftssysteme. Vor allem die jüngeren Kinder verstehen die ausgesetzten Besuchsregelungen oft nicht. Auch über längere Besuche angebahnte Rückführungen in die Familie finden derzeit nicht statt. „Starten wir dann wieder von vorne?“ ist eine Frage, die unseren Pädagogen in Bezug auf die angebahnte Rückkehr in die Herkunftsfamilie von einem Kind oft gestellt wird und die das Kind offensichtlich sehr beschäftigt. 

Grundsätzlich versuchen wir aber, das Herkunftssystem weiterhin einzubinden. Wir schlagen den Eltern und Angehörigen Kurzbesuche mit gemeinsamen Spaziergängen in einem Naherholungsgebiet in unmittelbarer Nähe der Wohngruppe vor, was von vielen auch genutzt wird. Im Regelfall holt dann nur ein Familienangehöriger das Kind ab und begleitet es während des Spaziergangs. Für tägliche Anrufe nutzen unsere Kinder das Telefon der Wohngruppe oder das eigene Handy und vereinzelt auch die Möglichkeit der Videotelefonie. Diese regelmäßigen Telefonkontakte geben den Kindern Sicherheit und stellen auch in diesen Ausnahmezeiten die größtmögliche Einbindung des Herkunftssystems sicher.

Sören Luka, Bereichsleiter SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden


Titelfoto: Imgorthand / istockphoto.com

Ihre Ansprechpartnerinnen

Bei Fragen zum Umgang mit dem Coronavirus beim SOS-Kinderdorf e.V. und zu den besonderen Herausforderungen, die sich für die Jugendhilfe aktuell stellen, wenden Sie sich gerne an:

SOS-Kinderdorf e.V.
Ressort Pädagogik

Ilona Fuchs
Leiterin Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung

ilona.fuchs@sos-kinderdorf.de

Dr. Kristin Teuber
Leiterin Sozialpädagogisches Institut (SPI)

kristin.teuber@sos-kinderdorf.de

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