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[---Image_alt---] 08 Stageteaser: Blitzlicher aus dem SOS-Kinderdorf Saarbrücken
Blitzlichter aus dem SOS-Kinderdorf Saarbrücken

Einrichtungen reagieren flexibel auf die Corona-Situation

SOS-Kinderdorf Saarbrücken – Umgang mit den aktuellen Einschränkungen durch Corona in der Jugendberufshilfe, in den ambulanten Hilfen, im Kinderschutz und im offenen Bereich

Wie sieht die Situation in der Jugendberufshilfe aus, gerade auch für Jugendliche und  junge Erwachsene in prekären Lebenslagen?

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Sabine Maurer, Bereichsleiterin SOS-Ausbildungsvorbereitung: In allen Maßnahmen der Jugendberufshilfe bieten wir unter Einhaltung der aktuellen Sicherheitsvorgaben weiterhin Beratung an: Insbesondere telefonisch und über andere digitale Medien unterstützen wir die jungen Erwachsenen, etwa bei der Klärung von Leistungsfragen. In unseren berufsorientierten Hilfen für wohnunglose Jugendliche (SOS-Get on und TrOJAA) können diese weiterhin duschen und ihre Wäsche machen. Außerdem stellen unsere Mitarbeiter/-innen Lebensmittelpakete für bedürftige Jugendliche aus allen Projekten zusammen – je nach Wohnsituation der jungen Erwachsenen auch mit Rezeptvorschlägen. Neben Lerninhalten und kleinen Projektaufgaben schicken wir ihnen in diesem Rahmen auch Tipps für den Umgang mit Corona und bieten ihnen an, selbstgenähte Masken bei uns abzuholen. Wenn sich Jugendliche länger nicht bei uns melden, greifen wir den persönlichen Kontakt durch kurze Gespräche an der Haustür wieder auf und stellen sicher, dass bei ihnen alles in Ordnung ist.

Wie unterstützen Sie die Auszubildenden in der aktuellen Corona-Situation?

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Gesualda Pistone, Bereichsleiterin SOS-Ausbildungsangebote: Den Verlust von Struktur und Sicherheit empfinden die jungen Erwachsenen in dieser Zeit als besondere Herausforderung. Sie wünschen sich Normalität und benötigen ein hohes Maß an Zuspruch. Dies gilt besonders, wenn sie schulische und fachpraktische Aufgaben im eigenen Haushalt lösen oder über Videokonferenzen und WhatsApp lernen. Wir achten daher sehr darauf, ihnen zeitnah und telefonisch Feedback zu geben und bieten ihnen bei Bedarf auch Einzelberatung oder Hausbesuche an. Die Auszubildenden gehen überwiegend verlässlich mit der Situation um und schätzen den täglichen Kontakt zu ihrer Gruppe und den Ausbilder/-innen.

Wie lassen sich Kinder und Jugendliche weiter begleiten und stärken, die sonst offene Angebote und Kurse besuchen?

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Tanja Duttlinger, Bereichsleiterin SOS-Mütterzentrum und Ansprechpartnerin für Alleinerziehende: Kinder, Jugendliche und Familien, die sonst den offenen Bereich nutzen, können sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten in der aktuellen Corona-Situation telefonisch oder per Chat an unsere Mitarbeiter/-innen wenden. Auf diesem Weg ist beispielsweise das Team der Frühen Hilfen weiterhin erreichbar. Auch in der Tauschbörse nehmen wir die Wünsche unserer Besucher/-innen digital entgegen und liefern die Kleidung dann an die Haustür. Mit Tutorials zu Spielen, Sport und kreativen Aktivitäten regen wir die Familien an, auch in dieser belastenden Zeit Abwechslung und Entspannung in ihren Alltag zu bringen. Auf Wunsch bieten wir ihnen – unter Einhaltung der Schutzvorgaben – auch Einzelberatung an.

Wie sieht die Begleitung von Familien in den ambulanten Hilfen und in der aufsuchenden Jugendsozialarbeit aus?

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Markus Jungmann, Bereichsleiter Erziehung und Bildung Völklingen: Unser Jugenddienst versteht sich als niedrigschwelliges aufsuchendes Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene, die aus unterschiedlichen Gründen die Straße als Lebensraum gewählt haben. In der aktuellen Corona-Krise ziehen sich viele der Jugendlichen überraschenderweise zu ihren Familien zurück. Wir erleben momentan einen stärkeren Zusammenhalt, auch in Familiensystemen, die zuvor konfliktreich waren.

Viele der Jugendlichen erleben hingegen eine noch stärkere Abgrenzung von ihrer Familie als ohnehin schon. Generell nehmen wir bei den Familien eine große Verunsicherung wahr. Die Menschen sind mit der Situation überfordert; einige von ihnen haben Angst, ihre Wohnungen zu verlassen. Viele Familienangehörige unserer Jugendlichen sind noch dazu chronisch krank. Sie können ihre Kinder, die nicht mehr im elterlichen Haushalt leben, unter den aktuellen Bedingungen nicht besuchen oder direkt unterstützen. Diese Aufgabe wird von SOS-Kinderdorf übernommen und mit den Familienangehörigen besprochen. Wir können dadurch eine spürbare Entlastung bewirken – sowohl bei den jugendlichen Klient/-innen als auch bei ihren Angehörigen.

Wie entwickelt sich die Situation im Bereich des Kinderschutzes, der aktuell ja extrem gefordert ist?

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Tanja Duttlinger, SOS-Beratungszentrum Kinderschutz: Auch unser Kinderschutz-Team ist aufgrund der Corona-Situation dazu übergegangen, Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte telefonisch, per Mail oder Videotelefonat zu beraten. Durch die aktuelle Belastung steigt der Druck auf die Eltern: Im Home-Office oder in Kurzarbeit sind sie zugleich gefordert, ihre Kinder rund um die Uhr zu betreuen und zu beschulen. In teils beengten Wohnverhältnissen bleibt den Familien dabei wenig Raum zum Ausweichen. Zugleich fällt eine mögliche Entlastung durch Sportvereine oder Treffen mit Freunden aktuell weg. In dieser Situation sehen manche Eltern leicht „rot“, die Gefahr von Überreaktionen steigt – ebenso wie die Zahl der Anfragen bei uns. Entsprechend bieten wir auch in diesem Angebotsbereich Einzelberatungstermine unter geeigneten Schutzvoraussetzungen an. Zusätzlich schalten wir in Kürze ein Online-Beratungsangebot zum Kinderschutz frei – als weitere Möglichkeit, sich schnell und anonym Hilfe in Krisen zu holen.

Wie läuft die Zusammenarbeit von öffentlichen und freien Trägern vor Ort in dieser Krisen-Situation?

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Albrecht Scherer, Einrichtungsleiter: Die Zusammenarbeit ist je nach Institution sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die unmittelbare Kooperation mit den Jugendämtern ist in diesen Zeiten naturgemäß eingeschränkt. Prinzipiell bestehen bisher zwar keine Zweifel an den Zusagen, aber wie sich das in der Folge entwickelt, ist schwer absehbar. Die Jobcenter und die Arbeitsagentur reagieren sehr zögerlich, weil sie an zeitverzögerte Vorgaben der Hauptstelle in Nürnberg und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gebunden sind. Bisher ist auf der unmittelbaren fachlichen Ebene aber ein sehr guter Support und eine kollegiale Zusammenarbeit mit den öffentlichen Trägern festzustellen. Besonders hilfreich und vorausschauend sind die Angebote, die über Landesministerien finanziert werden sowie deren Ergänzungsleistungen zu Leistungen des Bundes wie z.B. das Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG).

Welche sozialen Folgen der Krise sind zu erwarten? Was ist zu befürchten und was darf auf keinen Fall passieren?

Albrecht Scherer, Einrichtungsleiter: Es ist zu befürchten, dass die nun großzügig zur Verfügung gestellten Mittel in der Zukunft fehlen werden. Dann wird wieder sehr viel stärker gespart werden, und dies könnte sehr schnell eintreten. Die Folgen: Finanzierungen werden gestrichen, Angebote geschlossen. Wie sich dies für die Klient/-innen in allen Bereichen auswirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehen. Sollten diese Befürchtungen eintreten, wird der soziale Sektor mit seinen Nutzer/-innen jedenfalls drastisch leiden. – Dem gilt es auf allen Ebenen entgegenzuwirken, um die Folgen abzufedern.


Titelfoto: Nikada / istockphoto.com

Ihre Ansprechpartnerinnen

Bei Fragen zum Umgang mit dem Coronavirus beim SOS-Kinderdorf e.V. und zu den besonderen Herausforderungen, die sich für die Jugendhilfe aktuell stellen, wenden Sie sich gerne an:

SOS-Kinderdorf e.V.
Ressort Pädagogik

Ilona Fuchs
Leiterin Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung

ilona.fuchs@sos-kinderdorf.de

Dr. Kristin Teuber
Leiterin Sozialpädagogisches Institut (SPI)

kristin.teuber@sos-kinderdorf.de

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