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[---Image_alt---] 17 Stageteaser Befragung von Jugendlichen
Befragung von Jugendlichen bei SOS-Kinderdorf

Neuer Alltag in Corona-Zeiten

Die Pandemie bestimmt seit März 2020 große Teile unseres Alltags – nicht nur im öffentlichen Leben und in den Familien, sondern auch in der stationären Jugendhilfe. Da viele fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche schon einmal Erfahrungen von Ohnmacht, Ausgeliefertsein und abgebrochenen Beziehungen gemacht haben, ist diese Situation für sie wie auch für ihre Betreuungspersonen besonders herausfordernd.

Um herauszufinden, wie Jugendliche bei SOS-Kinderdorf ihren Corona-Alltag beurteilen, haben wir im Rahmen der aktuellen Erhebung der SOS-Längsschnittstudie in den SOS-Einrichtungen eine Zusatzbefragung durchgeführt. Die Fragebögen wurden im Mai und Juni 2020 ausgefüllt, also nach dem Lockdown in einer Phase der ersten Lockerungen. 439 Zusatzfragebögen sind bei uns eingegangen, die Rücklaufquote liegt bei etwa 80%. In diesem Beitrag präsentieren wir erste Ergebnisse; weitere Auswertungen und Analysen werden folgen.

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Hohe Akzeptanz der Situation

Die ersten Auswertungen legen nahe, dass die SOS-Betreuten die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in ähnlichem Umfang akzeptieren wie der Rest der Bevölkerung. So sind etwa zwei Drittel der Jugendlichen (64 %) der Meinung, dass die Kontaktbeschränkungen von allen konsequent eingehalten werden sollten; 14,6 % lehnen dies ab, 14,1 % sind eher unentschlossen. Etwa jede/-r Vierte hält die politischen Maßnahmen eher für übertrieben. Zum Verständnis und zur Akzeptanz der Situation haben vor allem die Fachkräfte durch gezielte Aufklärungsarbeit beigetragen: Mehr als 80 % der Jugendlichen fühlen sich vom Betreuungspersonal gut über die Situation informiert. Dementsprechend halten sich die Sorgen der jungen Menschen insgesamt in Grenzen: Nur knapp ein Viertel der Befragten beschäftigt das Thema stark, und 13,2 % geben an, dass es ihnen Angst macht.

Sorgen um die berufliche Zukunft

Eher kritisch sehen die Jugendlichen die Auswirkungen der Pandemie auf den sozialen, schulischen und beruflichen Bereich. Jede/-r Vierte (26,8 %) sagt, dass der Zugang zu Computern und zum Internet nicht ausreicht, um die Lernangebote der Schule/Berufsschule adäquat nutzen zu können. Zudem fühlen sich „nur“ 66,8 % gut dabei unterstützt, zu Hause bzw. in der Einrichtung zu lernen und zu arbeiten. Besonders bedenklich ist, dass knapp die Hälfte der Jugendlichen (43,5 %) negative Auswirkungen der Corona-Krise auf den eigenen Schul- oder Berufsbildungsweg befürchtet. Diese Kritik richtet sich allerdings weniger gegen die Fachkräfte als gegen strukturelle Probleme und den Rückstand bei den digitalen Unterrichts- und Kommunikationsformen.

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Zu wenig Kontakt trotz digitaler Vielfalt

Der Austausch via FaceTime, WhatsApp etc. kann auch für die Generation der Digital Natives offenbar nicht das persönliche Zusammensein ersetzen. Zwar geben viele Jugendliche an, dass sie während des Lockdowns gemeinsam mit ihren Freunden viel Zeit online verbracht haben (48,6 %) und insgesamt mehr Kontakte über soziale Medien pflegen als früher (45,1 %), aber der direkte Austausch scheint doch eine andere Qualität zu haben. So fühlen sich trotz der digitalen Vielfalt 36,8 % der Befragten von der Umwelt abgeschnitten. Lediglich einem Drittel fällt es leicht, mit anderen Menschen Zeit zu verbringen, ohne sie persönlich zu treffen. Gerade körperliche Berührungen wie Umarmungen fehlen – das bestätigen 52,5 % der Jugendlichen. Hinsichtlich der Kontakthäufigkeit berichten knapp zwei Drittel der Befragten (60,8 %), dass sie momentan zu wenig Austausch mit anderen Personen haben. 

Die Qualität der Beziehungen zu Freunden/-innen außerhalb der Einrichtung scheint darunter aber wenig zu leiden: 15 % der Jugendlichen haben das Gefühl, sich mit den Freunden nicht mehr so gut zu verstehen wie früher, 48,7 % stimmen dem überhaupt nicht zu. Ängste werden aber mit Blick auf das Herkunftssystem geäußert: Etwa jede/-r Dritte (36,9 %) macht sich Sorgen um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Familie, nur 21,4 % sind in dieser Hinsicht unbesorgt.

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Chancen und Belastungen im Zusammenleben

Die Corona-Maßnahmen führen unter anderem dazu, dass mehr Zeit mit der Kinderdorffamilie/Wohngruppe und weniger Zeit mit Freunden/-innen und der Herkunftsfamilie verbracht werden kann. Das hat durchaus positive Seiten: 33 % der Befragten geben an, dass sich der Zusammenhalt verstärkt hat, und 33,4 % verstehen sich jetzt viel besser mit den Betreuungspersonen. Das enge Beieinandersein birgt aber auch Konflikte: So berichten einige Jugendliche, dass die Gruppenatmosphäre durch Corona belastet ist (34,4 %) und dass sie sich gegenseitig ziemlich auf die Nerven gehen (44,9 %). Gleichzeitig nehmen 43,1 % von ihnen wahr, dass die Fachkräfte aufgrund der belastenden Situation gerade mehr Stress haben (siehe Abbildung).

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Abbildung: Einschätzungen zur Veränderung des Zusammenlebens während der Corona-Pandemie (Angaben in Prozent)

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Die größten Veränderungen?

„Was sind für dich persönlich die größten Veränderungen durch die Corona-Pandemie?“ Diese Frage konnten die jungen Menschen auf dem Zusatzbogen frei beantworten. Unsere Auswertung bestätigt die oben dargestellten Ergebnisse: Die Jugendlichen sehen die grundlegendsten Veränderungen in der Reduzierung ihrer sozialen Kontakte zu Freunden und Herkunftsfamilie. Außerdem fühlen sie sich in ihrer Alltags- und Freizeitgestaltung eingeschränkt und sehen negative Auswirkungen auf den schulischen und beruflichen Bereich. Nur wenige der Befragten formulieren die für sie spürbaren Veränderungen allgemeiner, etwa dass sie sich „nicht mehr frei“ fühlen. Es zeigt sich aber auch, dass es bei den Jugendlichen insgesamt eine hohe Akzeptanz gegenüber den Corona-Maßnahmen gibt, und manche von ihnen bringen auch positive Konsequenzen zur Sprache wie „die Ruhe im Alltag“.